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FRANZ-GRABNER-PREIS 2022 – DIE PREISTRÄGER

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Im Rahmen der 25. Diagonale in Graz wurde gestern der mit je € 5.000 dotierte Franz-Grabner-Preis in den Kategorien Kinodokumentarfilm und Fernsehdokumentarfilm verliehen. Der Preis wird von Familie Grabner, AAFP, ORF und der Diagonale im Andenken an den ORF-Journalisten Franz Grabner (1955–2015) organisiert. Prämiert wird ein im ethischen und moralischen Sinne verantwortungsvoller und glaubwürdiger Umgang der Filmschaffenden mit ihrem Medium. Nachfolgend: Die Nachrichten laut Pressemitteilung.

Die Wichtigkeit der Wahrheit

Im Rahmen der 25. Diagonale in Graz wurde gestern der mit je € 5.000 dotierte Franz-Grabner-Preis in den Kategorien Kinodokumentarfilm und Fernsehdokumentarfilm verliehen. Der Preis wird von Familie Grabner, AAFP, ORF und der Diagonale im Andenken an den ORF-Journalisten Franz Grabner (1955–2015) organisiert. Prämiert wird ein im ethischen und moralischen Sinne verantwortungsvoller und glaubwürdiger Umgang der Filmschaffenden mit ihrem Medium. Nachfolgend: Die Nachrichten laut Pressemitteilung.

Die Festrede anlässlich der Preisverleihung im Hotel Wiesler, Salon Frühling hielt Dennis Vetter (Filmkritiker, Künstlerische Co-Leitung „Woche der Kritik“, DE).

——— Als bester Kinodokumentarfilm setzte sich Weiyena – Ein Heimatfilm von Weina Zhao und Judith Benedikt (AT 2020) durch.

„Zuhören und sehen – was gesagt wird und was ungesagt bleibt. Ein verletzliches Unterfangen im Erinnern und Befragen der eigenen Familiengeschichte. Ein intimes transgenerationales Porträt: mit Blick auf Migrationsgeschichte, auf Lebensrealitäten in China, während und nach der Diktatur. Auf Gräben, Brüche und Widersprüche im Erzählen von Geschichte. Getragen von sensibler und schöner Kameraarbeit entsteht ein liebevoller Blick auf ein Netz an Personen, auf Fragmente ihrer Leben und die Verbindungslinien, die die Filmemacher*innen zu einer dichten Textur zusammenweben. Das Filmemachen erlaubt Weina Zhao einen Rollen- und Perspektivwechsel und ermöglicht somit ein Erforschen und Begreifen der Dinge unter den Oberflächen. Es gelingt ein feinsinniger Film, getragen von einem persönlichen Ansatz. Ein Film, der sich nicht scheut, seine dokumentarische Methode offenzulegen.“Mit diesen Worten begründete die internationale Jury ihre Entscheidung.

Ebenfalls nominiert waren WOOD – Der geraubte Wald von Ebba Sinzinger, Michaela Kirst und Monica Lăzurean-Gorgan (AT/DE/RO 2020) und Marko Feingold – Ein jüdisches Leben von Christian Krönes, Florian Weigensamer, Christian Kermer und Roland Schrotthofer (AT 2021).

——— Preisträger in der Kategorie Fernsehdokumentarfilm ist Erich Fried – Dichter im Porzellanladen von Danielle Proskar (AT 2021).

„Der gebürtige Wiener Jude Erich Fried (1921–1988) war ab den 1960er- und bis zu den 1980er-Jahren eine Art Popstar der politischen Linken und nicht zuletzt auch Bestsellerautor. Seine Lyriklesungen glichen Kundgebungen, seine Kundgebungen seiner Lyrik. Die Dokumentation von Danielle Proskar erweckt dieses Urgestein des politischen Diskurses wieder zum Leben. In einer klug montierten Collage spürt sie den divergierenden Lebenslinien des Exilanten nach, dessen Vater von den Nazis ermordet worden war. Sie ordnet ein, vermeidet aber platte Zuordnungen. Sie gibt dem Sprachgewaltigen Raum, aber auch seinen Nächsten und Getreuen. Sie zeigt einen Streitlustigen, der immer wieder ins Risiko geht. Der um die eigenen Widersprüche weiß und immer auch die Gegenseite hört. Und so entdeckt sie Erich Fried für uns neu, als einen Urvater des politischen Aktivismus.“. Das konstatierte die Jury in ihrer Begründung.

Weiters nominiert waren Aller Anfang – Der Weg der Hebammen von Karin Berghammer (AT 2020) sowie Ischgl im Ausnahmezustand (AT 2020) und Das große Schweigen (AT 2020) von Ed Moschitz.

„Vor mittlerweile sechs Jahren wurde der Franz-Grabner-Preis initiiert, um im Andenken an den Namensgeber den Stellenwert des österreichischen Kino- und Fernsehdokumentarfilms zu stärken. Franz Grabner trat zeitlebens für Qualitätsjournalismus und einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein, der politisch unabhängig arbeiten kann und künstlerischen Visionen, auch Experimenten den nötigen Raum einräumt. Ein Anspruch, der gerade in Zeiten von Kriegspropaganda, Fake News und der ungefilterten Ventilation von Verschwörungstheorien mit aller Deutlichkeit betont werden soll“, so die Diagonale-Intendanten Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber.

„Der im Andenken an unseren verstorbenen Kollegen Franz Grabner gestiftete Preis ist uns und der gesamten Branche Auftrag und Verpflichtung, sein Vermächtnis hochzuhalten und zu pflegen: sein Engagement für das österreichische Filmschaffen, seine humanitäre Weltanschauung und sein Mut, neue Wege des Erzählens zu finden und zu fördern. Alle Produktionen, die dieses Jahr nominiert waren, lösen diesen Anspruch ein. Sie haben eine kulturell-gesellschaftliche Aussage und behandeln brisante Themen mit einer klaren Handschrift. Besonders freue ich mich über die Auszeichnung für Erich Fried – Dichter im Porzellanladen, eine Produktion, die die Kulturabteilung des ORF-Fernsehens mit ORF/3sat und der epo-film koproduziert hat. Regisseurin Danielle Proskar hat einmal mehr bewiesen, dass sie literarische Inhalte auf zauberhafte Weise erzählen kann, ihre TV-Filme aber trotz ihrer Zugänglichkeit nie an Tiefe verlieren. Erich Fried hat sein Leben lang gegen den Krieg angeschrieben, selbst in Zeiten, als sein radikaler Pazifismus für viele unbequem schien. Umso aktueller scheint sein Porträt in der heutigen Zeit“ , betont die Ressortleiterin der ORF-TV-Kulturdokumentationen Sharon Nuni.

Der Preis wird von Familie Grabner, AAFP, ORF und der Diagonale im Andenken an den ORF-Journalisten Franz Grabner (1955–2015) organisiert. Prämiert wird ein im ethischen und moralischen Sinne verantwortungsvoller und glaubwürdiger Umgang der Filmschaffenden mit ihrem Medium. Das Preisgeld – gestiftet von AAFP und ORF – ist für die Entwicklung des Folgeprojektes der Preisträger*innen bestimmt.

Jury Franz-Grabner-Preis 2022

Claudia Wohlgenannt (Filmproduzentin, AT), Djamila Grandits (Kuratorin, AT), Paul Pauwels (Filmproduzent, BE), Nicole Baum (HR Internationale Fiktion und Dokumentarfilm ZDF/3sat, DE) und Stefan Kloos (Geschäftsführer Rise and Shine, DE)

Der Franz-Grabner-Preis wurde am Donnerstag, dem 7. April, um 15 Uhr im Hotel Wiesler, Salon Frühling, im Rahmen eines Festaktes verliehen. Die Verleihung wurde vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, Fernsehfonds Austria, Filmcommission Graz und dok.at unterstützt.

Cinema Austriaco gratuliert allen Gewinnern ganz herzlich!

Info: Die Seite vom Franz-Grabner-Preis 2022 auf der Webseite der Diagonale