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GOOD LIFE DEAL

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von Samira Ghahremani

Note: 7.5

In Good Life Deal hat Regisseurin Samira Ghahremani jede subtile Facette der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten eingefangen. Die Schauplätze zeichnen sich durch ihre hellen, fröhlichen Farben aus, das Haus, in dem die beiden wohnen, ist klein, aber gemütlich, die Straßen ihres Viertels sind sauber und malerisch, fast wie eine Filmkulisse. Zu perfekt? Zweifelsohne. Auf der Diagonale’22.

Eine bessere Zukunft?

Gerhard will um jeden Preis sein Leben ändern. Seine Vergangenheit in Österreich scheint nicht mehr zu ihm zu gehören. Er freut sich nun auf eine glückliche Zukunft in der Fremde. In dieser Zukunft gibt es auch Amy, eine Thailänderin, die er vor kurzem kennengelernt hat und mit der er eine Beziehung eingegangen ist. Aber werden die Tage, die vor ihm liegen, wirklich so glücklich sein? Regisseurin Samira Ghahremani hat also Gerhards Geschichte Schritt für Schritt in ihrem Dokumentarfilm Good Life Deal verfilmt, der auf der Diagonale’22 uraufgeführt wurde.

Zunächst scheint alles gut zu laufen. Gerhard freut sich darauf, seine Verlobte in Thailand zu treffen. Amy ist eine fröhliche und sehr gesprächige Frau, deren Lachen unverwechselbar ist. Obwohl der Mann an schweren motorischen Behinderungen leidet, scheint sie froh zu sein, dass sie sich um ihn kümmern kann. Das Versprechen eines Mercedes anstelle eines Verlobungsrings scheint übrigens alles noch attraktiver zu machen. Doch was wird im Laufe der Zeit geschehen?

In Good Life Deal hat Regisseurin Samira Ghahremani jede subtile Facette der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten eingefangen. Die Schauplätze zeichnen sich durch ihre hellen, fröhlichen Farben aus, das Haus, in dem die beiden wohnen, ist klein, aber gemütlich, die Straßen ihres Viertels sind sauber und malerisch, fast wie eine Filmkulisse. Zu perfekt? Zweifelsohne. Und tatsächlich, kurz nach dem Kauf des besagten Mercedes nehmen die Dinge eine andere Wendung. Die Liebesgeschichte, die so sehr an ein Märchen erinnerte, verwandelt sich sofort in einen Thriller. Geld beginnt eine wichtige Rolle zu spielen.

In dieser Hinsicht ist der gewählte Regieansatz besonders interessant: Die Kamera der Regisseurin filmt nur das, was sich vor ihrer Linse abspielt, scheinbar neutral, aber gleichzeitig aufmerksam auf jedes Detail, jeden Ausdruck, jede Geste. Und so stellt sich von den ersten Minuten an ein ungewöhnliches Unbehagen ein, trotz der Bilder, die auf der Leinwand gezeigt werden, trotz der Verheißungen eines endlich glücklichen Lebens.

In Good Life Deal braucht es keine Beschriftung, um die Geschichte des Protagonisten genau zu verfolgen. Mit Ausnahme eines kurzen Moments, in dem Gerhard und Amy vor der Kamera erzählen, wie sie sich kennengelernt haben, gibt es auch kein Interview. Die Bilder sprechen für sich selbst und verleihen der uns gezeigten Geschichte fast den Charakter eines fiktiven Films. Dieser Ansatz ist besonders treffend und entspricht dem, was durch Bilder erzählt werden sollte. Good Life Deal ist ein äußerst eleganter und feiner Dokumentarfilm, der den Zuschauer von Anfang bis Ende an den Bildschirm fesselt, auch dank einer angemessenen Erzählstruktur, die ein wahres Crescendo an Emotionen hervorruft. Gerhards Geschichte ist die Geschichte vieler anderer Männer, die wie er ihr Glück in der Ferne suchen. Und leider gibt es für sie oft kein Happy End.

Titel: Good Life Deal
Regie: Samira Ghahremani
Land/Jahr: Österreich / 2022
Laufzeit: 73’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Samira Ghahremani
Kamera: Samira Ghahremani
Produktion: Samira Ghahremani, Gwendolyn Meisinger

Info: Die Seite von Good Life Deal auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Good Life Deal auf der Webseite der Filmakademie Wien