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LOUIS VAN BEETHOVEN

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von Niki Stein

Note: 5.5

In Louis van Beethoven sehen wir keinen Komponisten am Werk. Wir sehen nicht den kreativen Prozess, der zur Entstehung einiger seiner berühmtesten Kompositionen führte. Kein Endergebnis, sondern das, was im Grunde dazu geführt hat. Eine zweifellos gute Idee, die Niki Steins Spielfilm jedoch zu einem allzu schwammigen Werk macht, in dem der Regisseur selbst seinem Protagonisten und seinem Werk gegenüber zu distanziert wirkt.

Die drei Lebensalter von Beethoven

Das Leben des berühmten Komponisten Ludwig van Beethoven hat im Laufe der Jahre zahlreiche Filmemacher inspiriert. Man denke nur, wenn man nur in Österreich bleiben will, an den Film Eroica, der 1949 von Walter Kolm-Veltée inszeniert wurde, mit einem hervorragenden Ewald Balser in der Titelrolle. Anlässlich des 250. Geburtstages des Komponisten wurde jedoch beschlossen, das Leben Ludwig van Beethovens auf völlig neue Weise zu inszenieren. So entstand 2020 der TV-Spielfilm Louis van Beethoven unter der Regie von Niki Stein, produziert von Deutschland, Tschechien und Österreich, und mit dem beliebten Tobias Moretti als alterndem Beethoven in der Hauptrolle.

Louis van Beethoven entwickelt sich also auf drei zeitlichen Ebenen. Erstens haben wir ein Kind Beethoven (als er von seinem Vater noch Louis genannt wurde), das Klavierunterricht nimmt, zum ersten Mal in kleinen Theatern in Bonn auftritt und schon früh ein großes Talent beweist. Die zweite Zeitebene zeigt den jugendlichen Beethoven (gespielt von Anselm Bresgott), der in die adlige Eleonore (Caroline Hellwig) verliebt ist und im Begriff ist, nach Wien zu ziehen, um Unterricht bei Wolfgang Amadeus Mozart (Manuel Rubey) zu nehmen.

Schließlich sind wir im Jahr 1926, in der Nähe von Krems, Niederösterreich. Beethoven ist heute weltbekannt und wird in der ganzen Welt geschätzt, auch wenn er oft in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Seit einiger Zeit taub, besucht der Komponist für einige Tage das Haus seines Bruders Johann (Cornelius Obonya), mit dessen Frau er sich jedoch nicht versteht.

Louis van Beethoven konzentriert sich daher hauptsächlich auf die prägenden Jahre des Komponisten und seine letzten Lebensjahre und zeigt uns einen Ludwig van Beethoven, der in mancher Hinsicht anders ist, als wir ihn uns immer vorgestellt haben. Als Kind mutig, rebellisch und verträumt, als Jugendlicher schüchtern und verliebt, als Erwachsener zornig und oft hartnäckig, ist der Komponist hier der eigentliche Mittelpunkt der Geschichte. Oft zum Nachteil seiner eigenen Werke und seiner Einstellung zur Musik.

Der Ludwig van Beethoven, der hier dargestellt wird, ist ein Ludwig van Beethoven, der extrem nach Freiheit und Wahrheit strebt (seine Begegnung als Kind mit dem Schauspieler Tobias Pfeiffer, gespielt von Sabin Tambrea, ist in dieser Hinsicht besonders bedeutsam). Ein mutiger und nonkonformistischer Ludwig van Beethoven, der diese Haltung sein Leben lang beibehalten wird. In diesem Sinne ist der erzählerische Ansatz von Niki Stein zweifellos interessant, wenn man sozusagen das wahre „Wesen“ und die Einstellung des Komponisten betrachten will. Das Endergebnis ist jedoch trotz guter anfänglicher Absichten oft problematisch.

In Louis van Beethoven hat der Regisseur – mit Ausnahme von Ludwigs ersten Werken aus seiner Kindheit – den Diskurs über die Musik, die er komponiert hat, total „ausgeschnitten“. In Louis van Beethoven sehen wir keinen Komponisten am Werk. Wir sehen nicht den kreativen Prozess, der zur Entstehung einiger seiner berühmtesten Kompositionen führte. Kein Endergebnis, sondern das, was im Wesentlichen dazu geführt hat. Eine zweifellos interessante Idee, die diesen wichtigen Spielfilm von Niki Stein jedoch zu einem allzu schwammigen Werk macht, in dem der Regisseur selbst seinem Protagonisten und seinen Werken gegenüber zu distanziert wirkt. Wenn man dann noch eine manchmal unbeholfene Regie betrachtet, die durch einen Schnitt, der oft den Eindruck von unvollständigen Szenen erweckt, stark beeinträchtigt wird, erweist sich Louis van Beethoven als ein eher enttäuschender Film, der neben einer bedeutenden Besetzung und guten Szenenbildern nicht ins Schwarze trifft und es leider nie schafft, sich auf seinen Protagonisten einzustimmen. Ein Film, den man unweigerlich nach kurzer Zeit wieder vergessen wird.

Titel: Louis van Beethoven
Regie: Niki Stein
Land/Jahr: Deutschland, Tschechische Republik, Österreich / 2020
Laufzeit: 120’
Genre: Filmbiografie, Drama
Cast: Tobias Moretti, Colin Pütz, Anselm Bresgott, Ulrich Noethen, Ronald Kukulies, Caroline Hellwig, Peter Lewys Preston, Silke Bodenbender, Cornelius Obonya, Johanna Gastdorf, Sabin Tambrea, Manuel Rubey, Cloé Heinrich, Tatiana Nekrasov, Gabriela Lindl, Heinz Weixelbraun
Buch: Niki Stein
Kamera Arthur W. Ahrweiler
Produktion: ARD Degeto Film, Eikon Media GmbH, WDR/Arte, ORF

Info: Die Seite von Louis van Beethoven auf iMDb