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STEINKLOPFER-MARSCH

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Note: 7.5

Der 1908 gedrehte und 2019 vom Filmarchiv Austria entdeckte und restaurierte Steinklopfer-Marsch ist dank seiner für die damalige Zeit völlig innovativen Form heute ein äußerst seltenes Dokument. Eine der frühesten Arten von Videoclips, in der die Sängerin Mirzl Hofer eines ihrer Lieder vorträgt. Den vollständigen Film finden Sie am Ende des Artikels.

In den Alpen singen

Im Jahr 2019 hat das Filmarchiv Austria ein wichtiges historisches Dokument entdeckt und restauriert. Es handelt sich um den Kurzfilm Steinklopfer-Marsch aus dem Jahr 1908, in dem die berühmte Sängerin Mirzl Hofer eines ihrer Lieder (daher der Titel des Films) vor der Kamera vorträgt. Steinopfer-Marsch, produziert von der Biograph Film, ist eines der ersten Musikvideos, das wenige Jahre nach der Erfindung des Kinematographen gedreht wurde. Seltsam, nicht wahr? Ja, denn 1908 war das Kino bekanntlich noch stumm und Filme wurden mit musikalischer Begleitung gezeigt. Im Falle dieses Kurzfilms wurde daher ein Grammophon verwendet, um das von Hofer gesungene Lied abzuspielen. Nach der Restaurierung durch das Filmarchiv Austria wurde das Lied mit den Bildern synchronisiert und das Ergebnis ist ein echter Videoclip.

Die Inszenierung ist, wie oft im frühen 20. Jahrhundert, eher rudimentär. Im Vordergrund singt die Jodlerin Mirzl Hofer das Lied Steinklopfer-Marsch. Neben ihr tanzen einige Tänzer eine einfache Choreografie. Im Hintergrund vervollständigt das Bild die Nachbildung einer Alpenlandschaft (in einer Ecke ist das Biograph-Logo zu sehen). Die Kamera bleibt ständig starr, und das Ganze findet in einer einzigen Kameraeinstellung von etwa drei Minuten Dauer (entsprechend der Dauer des Liedes selbst) statt.

Steinklopfer-Marsch ist ein kleiner, schlichter Film, der jedoch dank seiner für die damalige Zeit innovativen Form heute ein äußerst seltenes und außergewöhnliches Dokument darstellt. Es kam häufig vor, dass viele Filmschaffende und Produktionsfirmen trotz begrenzter Mittel versuchten, mit neuen Filmsprachen und neuen Arten der Inszenierung zu experimentieren. Man denke nur an einige Filme, die von den Kameraleuten der Gebrüder Lumière in Venedig gedreht wurden und bei denen die Kamera auf einem Vaporetto platziert wurde, um die ersten, rudimentären Kamerafahrten zu drehen.

Im Falle von Steinklopfer-Marsch entschied sich die Produktionsfirma – die berühmte Biograph Film, die nach ihrer Gründung in den Vereinigten Staaten viele weitere Standorte in der ganzen Welt eröffnet hatte – für einen innovativen Ansatz, indem man die berühmte Sängerin bei einem ihrer Auftritte filmte. Angesichts der Unmöglichkeit, die schwere Kamera zu bewegen, sind die Choreographien eher begrenzt, aber trotzdem beeindruckend, wenn man bedenkt, dass der Film erst 1908 entstanden ist.

Für das damalige Publikum war ein solches Ereignis sicherlich etwas Außergewöhnliches. (Fast) genauso wie der berühmte Lumière-Zug, der in den Bahnhof einfuhr und seinerzeit die Zuschauer aller Altersgruppen in Angst und Schrecken versetzte. Auf jeden Fall ist dieser wertvolle, kleine Steinklopfer-Marsch ein Vorläufer eines Genres, das heute besonders beliebt ist. Eine mutige und weitsichtige Arbeit, die leider bis vor kurzem fast völlig in Vergessenheit geraten war.

Titel: Steinklopfer-Marsch
Directed by: Verschiedene Autoren
Land/Jahr: Deutschland, Österreich / 1908
Laufzeit: 3’
Genre: Musikfilm
Cast: Mirzl Hofer
Buch: Verschiedene Autoren
Kamera: Verschiedene Autoren
Produktion: Biograph Company

Info: Die Webseite des Filmarchiv Austria