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FÜR DIE VIELEN – DIE ARBEITERKAMMER WIEN

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von Constantin Wulff

Note: 8

Für die Vielen – Die Arbeiterkammer Wien ist ein fundamentales Dokument zur Geschichte der Stadt Wien. Ein beeindruckendes, kluges und umfassendes Fresko einer Realität, die im Alltag von großer Bedeutung ist.Ein notwendiger Film, der zusammen mit den früheren Werken des Regisseurs fast wie einer der vielen Bände einer Enzyklopädie über die Zeitgeschichte Österreichs, die Wulff langsam schreibt, wirkt. Auf der Berlinale 2022.

#FÜRIMMER

Während in den Vereinigten Staaten die wichtigsten amerikanischen Realitäten und Institutionen von der Kamera des berühmten Dokumentarfilmers Frederick Wiseman treu gefilmt werden, wird diese Aufgabe in Österreich von Regisseur und Filmproduzent Constantin Wulff gekonnt ausgeführt. Viel jünger als Wiseman, hat Wulff noch weniger Dokumentarfilme gedreht, aber ebenso aufmerksam und sensibel erforscht er das, was vor seiner Kamera passiert, und hat uns in den letzten Jahren treue und aufrichtige Porträts von Realitäten, die wir bis dahin nicht im Detail kannten, geschenkt. Dies gilt beispielsweise für eine Geburtsklinik in Wien (in In die Welt, 2009), für eine Jugendpsychiatrie in Tulln (in Wie die Anderen, 2015) sowie für die Arbeiterkammer Wien, die im Dokumentarfilm Für die Vielen – Die Arbeiterkammer Wien, der auf der Berlinale 2022 in der Sektion Forum als Weltpremiere präsentiert wurde, aus nächster Nähe betrachtet wird.

Jedes Bundesland in Österreich hat eine Arbeiterkammer. Die 1920 gegründete Arbeiterkammer Wien ist die größte von ihnen und schützt jeden Tag Tausende von Arbeitnehmern. Die Kamera von Constantin Wulff dokumentiert jeden Moment, in dem sich Bürgerinnen und Bürger jeden Alters und jeder Nationalität an die Arbeiterkammer wenden, um Hilfe oder rechtlichen Beistand zu erhalten. In Für die Vielen – Die Arbeiterkammer Wien sind keine Bildunterschriften notwendig. Die Bilder, die Großaufnahmen der Protagonisten und ihre Geschichten sprechen für sich selbst. Und Costantin Wulff weiß das ganz genau. Dank ihm fühlen auch wir uns sofort als Teil dieser Welt. Eine Welt, in der die Rechte der Menschen endlich richtig verteidigt werden, in der es nie zu spät ist, für erlittenes Unrecht entschädigt zu werden, in der der Arbeitswert endlich so gewürdigt wird, wie er es verdient, und in der auch Meetings, Ausstellungen und Veranstaltungen organisiert werden, denn wenn es wichtig ist, zu arbeiten, um Brot kaufen zu können, dann ist es ebenso wichtig, Brot für unser Gehirn bereitzustellen. Eine Welt, in der die Menschen nie allein gelassen werden und – wie es der Slogan #fürimmer andeutet – für immer geschützt sind.

Und dann ist da natürlich auch die Pandemie. Die unerwartete, schreckliche Covid-19-Pandemie, die am 100. Jahrestag der Gründung der Arbeiterkammer ausbrach. Die Bilder von leeren Büros und Videokonferenzen stehen im Vordergrund, weichen aber langsam den ersten vorsichtigen Begegnungen, bei denen Masken unverzichtbar sind. Für die Vielen – Die Arbeiterkammer Wien zeigt uns auch diese wichtige Zeit, in der der Wille, bestehende Ziele zu verfolgen, stärker denn je ist und in der gleichzeitig neue Ideen und neue Lösungen geboren werden.

Und so erweist sich diese wichtige Dokumentation von Constantin Wulff sofort als ein fundamentales Dokument zur Geschichte der Stadt Wien. Ein eindrucksvolles, kluges und umfassendes Fresko einer Realität, die im Alltag von großer Bedeutung ist. Ein notwendiger Film, der zusammen mit den früheren Werken des Regisseurs fast wie einer der vielen Bände einer Enzyklopädie über die Zeitgeschichte Österreichs, die Wulff langsam schreibt, wirkt.

Titel: Für die Vielen – Die Arbeiterkammer Wien
Regie: Constantin Wulff
Land/Jahr: Österreich / 2022
Laufzeit: 120’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Constantin Wulff
Kamera: Johannes Hammel, Michael Schindegger
Produktion: Navigator Film

Info: DieSeite von Für die Vielen – Die Arbeiterkammer Wien auf der Webseite der Berlinale; Die Seite von Für die Vielen – Die Arbeiterkammer Wien auf der Webseite der Austrian Film Commission