man-kann-nicht-alles-haben-2021-kreihsl-kritik

MAN KANN NICHT ALLES HABEN

      Keine Kommentare zu MAN KANN NICHT ALLES HABEN

This post is also available in: Italiano (Italienisch) English (Englisch)

von Michael Kreihsl

Note: 6.5

Man kann nicht alles haben ist eine amüsante, aber oft zu vorhersehbare Verwechslungskomödie. Michael Kreihsl hat die schöne Stadt Graz zu einem weiteren Protagonisten, zu einem Zuschauer vieler Komplotte, aber auch von zarten Liebesgeschichten gemacht.

Eine unerwartete Hochzeit

Was Eltern sich für ihre Kinder wünschen, geht nicht immer in Erfüllung. Es passiert. Und doch sind manche Situationen so paradox, dass man sie kaum akzeptieren kann. Vor allem, wenn ein Kind im Begriff ist, sein Leben für immer zu verändern, indem es offensichtlich falsche Entscheidungen trifft. Das gilt auch für Brigitte (gespielt von Aglaia Szyszkowitz), die Protagonistin der Fernsehkomödie Man kann nicht alles haben, die 2021 von Michael Kreihsl inszeniert wurde und Teil der ORF-Reihe Stadtkomödie ist.

Brigitte ist die beste Scheidungsanwältin in Graz. Sie hat immer davon geträumt, dass ihre Tochter Anna (Marie-Luise Stockinger) eines Tages auch bei ihr arbeiten kann und nach einem Studienaufenthalt in London wieder nach Graz zurückkehrt. Sie hat jedoch andere Pläne: Sie möchte für immer nach England ziehen, da sie seit einigen Monaten eine Beziehung mit einem Mann führt. Der Mann, um den es geht, stammt ebenfalls aus Graz: Es handelt sich um den Musiker Richie Moosleitner (Fritz Karl), der viel älter als Anna ist und schon in jungen Jahren eine Liebesbeziehung mit Brigitte hatte. Die verzweifelte Frau versucht alles, um die Beziehung zu beenden, und bittet sogar Richies Sohn (Michael, gespielt von Aaron Friesz), Anna zu verführen, damit sie glaubt, er sei der Mann ihres Lebens.

Man kann nicht alles haben ist also eine amüsante, aber oft zu vorhersehbare Verwechslungskomödie. Michael Kreihsl hat seinerseits die schöne Stadt Graz zum weiteren Protagonisten, zum Zuschauer vieler Komplotte, aber auch zarter Liebesgeschichten gemacht, ganz im Sinne der ORF-Serie. Unter dem Uhrturm treffen sich junge Leute und betrachten das Panorama von oben. Der Uhrturm – dessen Zeiger sich oft mit Lichtgeschwindigkeit bewegen – scheint besser als alle anderen zu wissen, was die richtigen Entscheidungen sind. Und in der Tat scheint sich alles um ihn zu drehen. Inklusive des Drehbuchs, das mit der Absicht geschrieben wurde, der steirischen Landeshauptstadt durch eine insgesamt sympathische Komödie zu huldigen, das aber manchmal unglaublich an den Kultfilm Die Reifeprüfung (Mike Nichols, 1967) erinnert und unweigerlich den unzähligen Filmkomödien, die jedes Jahr gedreht werden, ähnelt.

In Man kann nicht alles haben nehmen die Ereignisse oft eine unerwartete Wendung. Doch alles verspricht von Anfang an ein Happy End für jeden der Protagonisten. Verwirrte Protagonisten, die oft genau wissen, was sie vom Leben wollen, die aber erst einmal lernen müssen, sich selbst kennen zu lernen. Meisterhaft dargestellt werden die Charaktere von einer exzellenten Besetzung, aus der – neben den hervorragenden Aglaia Szyszkowitz und Fritz Karl – vor allem die junge Marie-Luise Stockinger und Aaron Friesz hervorstechen.

Diese witzige kleine Filmkomödie von Michael Kreihsl ist eigentlich nicht besonders anspruchsvoll. Ihr Hauptziel ist es einfach, das Publikum zu unterhalten, ihm eineinhalb angenehme Stunden zu bereiten und – warum nicht? – es mit einer Geschichte, in der man – trotz des Titels – vielleicht alles haben kann, zum Träumen bringen.

Titel: Man kann nicht alles haben
Regie: Michael Kreihsl
Land/Jahr: Österreich / 2021
Laufzeit: 90’
Genre: Filmkomödie, Liebesfilm
Cast: Aaron Friesz, Marie-Luise Stockinger, Aglaia Szyszkowitz, Fritz Karl, Daniela Golpashin, Sabine Herget, Gerhard Liebmann, Thomas Mraz, Martina Poel, Johannes Silberschneider, Kerim Waller, Martina Zinner
Buch: Peter Hengl, Michael Kreihsl, Marc Schlegel
Kamera: Reinhold Vorschneider
Produktion: ARTE, Epo-Film, ORF

Info: Die Seite von Man kann nicht alles haben auf iMDb; Die Seite von Man kann nicht alles haben auf der Webseite der Epo-Film