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FILMPRODUKTIONSGESELLSCHAFTEN WÄHREND DES ERSTEN WELTKRIEGS

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Während des Ersten Weltkriegs wurden Filmproduktionsgesellschaften von der Armee und der Monarchie beauftragt, das Kino für Propagandazwecke zu nutzen. Der Prozess des Filmemachens war jedoch nicht immer einfach.

Nationalstolz

Wenn es um den Ersten Weltkrieg geht, ist oft von den zahlreichen Propagandafilmen, die zu diesem Anlass gedreht wurden und auch für die Verteilung außerhalb der Landesgrenzen bestimmt waren, die Rede. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der Produktionsprozess dieser Filme und die Rolle, die die beauftragten Filmproduktionsgesellschaften gespielt haben. Es waren nämlich gerade bestimmte Produktionsfirmen, die von der Armee und der Monarchie beauftragt wurden, diese neue Erfindung zu Propagandazwecken zu nutzen. Der Prozess des Filmemachens war jedoch nicht immer einfach.

Alles begann am 28. Juli 1914, als Österreich Serbien den Krieg erklärte. Am selben Tag wurde die Kriegspresseabteilung gegründet. Drei Filmproduktionsgesellschaften waren für die Produktion dieser Filme verantwortlich: Die Sascha-Filmfabrik, die Wiener-Kunstfilmindustrie-Gesellschaft und die Österreichisch-ungarische Kinoindustrie-Gesellschaft. Kaum war der Presseraum in Betrieb, ging es auch schon los: Das Wiener Kriegsarchiv übernahm die Leitung der Abteilung und bereits im August wurden die ersten Filme gedreht. Im September wurden die von den Kameraleuten Raimund Czerny und Heinrich Findeis gedrehten „Kriegszeitungen“ bereits regelmäßig verbreitet, und gegen Ende des Jahres begann die Sascha-Filmfabrik – gemeinsam mit der Österreichisch-ungarischen Kinoindustrie-Gesellschaft – mit der Produktion der ersten Kriegsberichterstattung im Rahmen der Reihe Österreichischer Kino-Wochenbericht vom nördlichen und südlichen Kriegsschauplatz, 1. Serie.

Die Produktion solcher Filme war einfach und zeitaufwändig zugleich: Es waren ein Kameramann und zwei Assistenten vor Ort. Dann würde die Rolle unter militärischer Aufsicht geprüft und zensiert und erst dann im Kriegsarchiv hinterlegt werden. Das Ziel war es, die Filme nicht nur in Österreich, sondern auch im Ausland zu vertreiben. Und hier begannen die ersten Probleme aufzutreten.

In den 1910er Jahren war das Kino in Österreich noch nicht weit verbreitet und mit Ausnahme von Kurz- und Dokumentarfilmen wurden hier hauptsächlich Filme von der berühmten französischen Produktionsfirma Pathé gedreht. Deutschland hingegen verfügte über viel mehr Kapital, und auch die Herstellung von Propagandafilmen verlief in der Regel viel schneller. Was bedeutete das? Ganz einfach: Da Österreich von Institutionen nicht viel Geld verlangen konnte, wurden Filme zu überhöhten Preisen an Filmverleiher verkauft. Unabhängig von der künstlerischen Qualität der Filme zogen es die Filmverleiher selbst vor, Filme aus dem Ausland zu kaufen. Nun war es notwendig, die Dinge umzukehren.

Bis 1915 war vor allem die von Graf Alexander „Sascha“ Kolowrat-Krakowsky gegründete und von Hans Otto Löwenstein geleitete Sascha-Filmfabrik mit der Produktion von Propagandafilmen betraut und begann bald, mit ausländischen Produktionsfirmen zusammenzuarbeiten, darunter auch mit der deutschen Messter. Zu dieser Zeit ging es vor allem darum, das Leben der Soldaten fernab des Schlachtfelds zu dokumentieren, um den Eindruck zu vermitteln, sie befänden sich fast in Friedenszeiten. Aus diesem Grund wurden solche Filme natürlich stark kritisiert, da sie als unrealistisch und oft sogar als zu theatralisch angesehen wurden.

Das Hauptziel der Filmproduktionsgesellschaften – und der militärischen Einrichtungen – war es nämlich, bei den Bürgern vor allem einen tiefen Nationalstolz zu wecken. Das Bild des österreichischen Bundesheeres, das alles für sein Volk tut, sollte in jedem Film vermittelt werden. Bald wurden auch private Unternehmen um eine Finanzierung gebeten. Und 1917 waren die Programme klar definiert: Jede Woche sollte die Sasha-Filmindustrie Kriegswochenschauen produzieren; jeden Monat sollte mindestens eine Kriegsdokumentation gedreht werden und ebenso mindestens eine Dokumentation, die in den Gefangenenlagern spielt; schließlich sollten häufig Kriegswochenschauen und verschiedene Spielfilme mit Propagandazwecken gedreht werden.

Dieses Programm reichte den österreichischen Filmproduktionsgesellschaften jedoch nicht aus, um die erwarteten Einnahmen zu erzielen. In Deutschland hingegen verfügte die berühmte Filmproduktionsgesellschaft Ufa über ein viel höheres Kapital und eine besser strukturierte Organisation. Auch das Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie war nicht hilfreich. Österreichische Propagandafilme hatten nicht die Wirkung von im Ausland produzierten Filmen. Dennoch sind sie ein wertvolles Dokument der Vergangenheit und werden dank des damals gegründeten Filmarchivs bis heute sorgfältig aufbewahrt.

Bibliographie: Das tägliche Brennen: eine Geschichte des österreichischen Films von den Anfängen bis 1945, Elisabeth Büttner, Christian Dewald, Residenz Verlag
Info: DieSeite der Sascha-Filmfabrik auf Google Art&Culture