franz-antel-der-konig-des-entertainments-biographie-cinema-austriaco

FRANZ ANTEL – DER KÖNIG DES ENTERTAINMENTS

This post is also available in: Italiano (Italienisch)

Obwohl er im Laufe seiner Karriere mehr als hundert Filme drehte, wurde der unstrittene Regisseur Franz Antel lange Zeit als einfacher Unterhaltungsregisseur angesehen. Doch schon bald zeigte sich, dass Antels wahre Spezialität darin bestand, mit allen möglichen Filmgenres umzugehen und leichte, aber gut durchdachte Filme zu drehen.

Sie nannten ihn François Legrand

Wenn man über den österreichischen Film spricht, denkt man unweigerlich an den Regisseur Franz Antel. Antel, der als einer der produktivsten und langlebigsten Filmemacher, Drehbuchautoren und Produzenten Österreichs gilt, hatte im Laufe seiner langen Karriere Gelegenheit, sich mit verschiedenen Filmgenres zu befassen (darunter Heimatfilme, Komödien, Musikfilme und sogar Erotikfilme), wobei er oft in Italien arbeitete und vor allem im Ausland den Künstlernamen François Legrand annahm. Der Regisseur, der leider auch wegen seiner Mitgliedschaft in der Nationalsozialistischen Partei in Erinnerung geblieben ist (es ist unmöglich, nicht an einige seiner Äußerungen wenige Jahre vor seinem Tod zu denken, in denen er sagte, er sei stolz darauf, antisemitisch zu sein, nachdem er den österreichischen Journalisten Hans Weigel einen „miesen Juden“ genannt hatte), ist wegen einiger seiner Standpunkte viel diskutiert worden. Aber was hat Franz Antel eigentlich zur österreichischen Filmgeschichte beigetragen?

Franz Josef Antel wurde am 28. Mai 1913 in Wien geboren. Als Sohn eines Beamten der kaiserlichen Verwaltung zeigte sich der junge Franz zunächst nicht sehr lernfähig und begann noch vor der Matura im Technologischen Gewerbemuseum zu arbeiten. Die Filmwelt faszinierte ihn jedoch von Anfang an, und bereits 1931 trat er der Akademie für Tonfilm bei und begann als Kameramann zu arbeiten. Zu dieser Zeit begann Franz mit den Dreharbeiten zu seinem ersten Film, einem Sportfilm, in dem nur fünf Schauspieler mitwirken sollten, der aber aus Geldmangel nie fertig gestellt wurde. Tatsächlich sollten noch viele Jahre vergehen, bevor der Regisseur seinen ersten Film drehen konnte.

In den 1930er Jahren arbeitete Franz Antel hauptsächlich als Kameramann und Produktionsassistent und schrieb gelegentlich auch Kurzgeschichten für Zeitungen. In diesen Jahren zog Antel für einige Zeit nach Berlin, da er – wie er selbst sagte – in Wien als Mitglied der nationalsozialistischen Partei verfolgt wurde. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er an der Front, durfte aber gelegentlich nach Hause zurückkehren, um an Dreharbeiten mitzuwirken. Im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen hatte Franz Antel keine Probleme, nach dem Krieg zu arbeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde seine Karriere immer produktiver.

1947 drehte er schließlich seinen ersten Film, Das singende Haus, der bereits die Vorliebe des Filmemachers für Komödien, die in der Welt des Großbürgertums zur Zeit der k.u.k.-Monarchie spielen, erkennen ließ. In den folgenden Jahren entstanden die Filme Kleiner Schwindel am Wolfgangsee (1949), Der alte Sünder (1951) und der Kultfilm Hallo Dienstmann (1952) mit den außergewöhnlichen Schauspielern Hans Moser und Paul Hörbiger als tollpatschige Boten.

Franz Antel wurde bald zu einem der beliebtesten Regisseure Österreichs. Seine Komödien begeisterten und unterhielten ein Publikum jeden Alters. Noch heute gelten Filme wie Spionage (1955), Der Kongreß tanzt (1955) und Kaiserball (1956) – um nur einige zu nennen – als sehenswerte Klassiker des Wiener Films. Wie wir wissen, hat sich Antel in seiner langen Karriere jedoch nicht nur solchen Filmen gewidmet. Er interessierte sich besonders für das Geschehen außerhalb seines Heimatlandes und begann in den 1960er Jahren, zwischen Italien und Frankreich zu pendeln, wo er vor allem erotische Filme drehte. Berühmt war in diesen Jahren die Saga mit den Spielfilmen Die Wirtin von der Lahn (1967), Frau Wirtin hat auch eine Nichte (1968), Frau Wirtin hat auch einen Grafen (1969), Frau Wirtin bläst auch gern Trompete (1970) und Frau Wirtin treibt es jetzt noch toller (1970), die fast alle von Italien und Frankreich produziert wurden.

Franz Antel galt daher als einer der berühmtesten Unterhaltungsregisseure der damaligen Zeit. Er hat viele Filme gedreht (im Laufe seines Lebens entstanden mehr als hundert Kino- und Fernsehfilme) und viele Schauspieler haben mit ihm gearbeitet: neben Hans Moser und Paul Hörbiger auch Oskar Werner, Oskar Sima, Waltraut Haas, Curd Jürgens, Edwige Fenech und sogar Tony Curtis (in Casanova & Co., 1976) und Terence Hill (in Ruf der Wälder, 1965).

Trotz dieser beeindruckenden Karriere galt Antel jedoch lange Zeit als reiner Unterhaltungsregisseur. Ein Regisseur, der in Bezug auf die Qualität seiner Arbeit keine besondere Aufmerksamkeit verdient hat. Es wurde jedoch bald klar, dass Antels wahre Spezialität seine große Fähigkeit war, sich auf alle möglichen Filmgenres zu beziehen und leichte, aber gut durchdachte Spielfilme zu drehen. Und schließlich entstand 1981 einer seiner wichtigsten Filme: Der Bockerer. Der Spielfilm basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Ulrich Becher und Peter Preses und erzählt die Geschichte des seltsamen Wiener Fleischers Karl Bockerer (gespielt von Karl Merkatz) während des Zweiten Weltkriegs. Es handelt sich um das erste Kapitel einer Saga, die noch drei weitere Filme umfasst: Der Bockerer II – Österreich ist frei (1996), Der Bockerer III – Die Brücke von Andau (2000) und Der Bockerer IV – Prager Frühling (2003), der letzte Film, bei dem Antel bereits im Alter von neunzig Jahren Regie führte. Diese Filmsaga ist zu einem echten Kult geworden unterhält noch heute viele Zuschauer und zeigt vor allem auch ein wichtiges Kapitel der österreichischen Geschichte.

Franz Antel, der am 12. August 2007 in Wien starb, hatte ein langes und ereignisreiches Leben. Der Regisseur war fünfmal verheiratet, mit seiner letzten Frau sogar zweimal, da ihre erste Ehe geschieden wurde. Und während seines Lebens gab es immer wieder ernsthafte Kontroversen, darunter auch der Vorwurf, er sympathisiere mit der Nationalsozialistischen Partei. Doch heute bleiben uns seine zahlreichen Filme. Filme, die wir uns immer wieder gerne ansehen, Filme, die oft unprätentiös sind, die aber alle einen unglaublich reifen Blick und die Herangehensweise von jemandem, der die siebte Kunst gut kennt, offenbaren. Heute erinnert sich jeder an Franz Antel als einen der wichtigsten Regisseure in der österreichischen Filmgeschichte. Ein Filmemacher, der dazu beigetragen hat, ein wichtiges Kapitel der Geschichte des letzten Jahrhunderts zu schreiben.

Info: Die Seite von Franz Antel auf iMDb