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BACKSTAGE WIENER STAATSOPER

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von Stephanus Domanig

Note: 7.5

Backstage Wiener Staatsoper entpuppt sich sofort als ein ehrliches, aufrichtiges und sehr bewegendes Porträt eines der berühmtesten Realitäten Österreichs (und der Welt). Ein fesselnder und magnetischer Dokumentarfilm, der uns in etwas mehr als anderthalb Stunden an der Hand in eine fast „unwirkliche“ Welt mitnimmt.

Vor der Erstauffführung

Wiener Staatsoper. Die Premiere von Camille Saint-Saëns‘ Samson et Dalila – dirigiert von Maestro Marco Armiliato – hat soeben stattgefunden, und alle im Theater sind in Feierstimmung. Eine Panoramaaufnahme zeigt zunächst die stoßende und plaudernde Menge, dann ist der Saal plötzlich wie von Zauberhand leer. Als ob nichts geschehen wäre. Und tatsächlich waren die Vorbereitungen für die besagte Premiere wie immer viel mühsamer und anstrengender – wenn auch äußerst spannend – als es den Anschein hat. All diese hektischen Vorbereitungen zeigt uns also Regisseur Stephanus Domanig in seinem Dokumentarfilm Backstage Wiener Staatsoper aus dem Jahr 2019.

Das berühmte Wiener Opernhaus wird in seiner ganzen Pracht gezeigt. Am Eingang tragen einige Menschen eine schwere Ladung. Etwas Wichtiges und Außergewöhnliches steht bevor. Eine neue Oper soll inszeniert werden, und eine große Zahl von Arbeitern wird aufgefordert, ihre Aufgaben zu erfüllen. Die Regisseurin gibt Anweisungen und ist auf alle unvorhergesehenen Ereignisse vorbereitet, der Bühnenbildner baut ein kleines Modell der Bühne, die Sänger und Musiker proben ständig. Das ist die tägliche Routine im Opernhaus.

Backstage Wiener Staatsoper zeigt uns jeden einzelnen Moment des Tages derjenigen, die die Aufgabe haben, eine solch wichtige Veranstaltung zu inszenieren. Die Kamera von Stephanus Domanig beobachtet schweigend und respektvoll jeden der Protagonisten, die nur gelegentlich mit dem Regisseur über ihre Arbeit sprechen. Das Hauptziel ist es, dem Zuschauer das Gefühl zu geben, Teil einer Welt, die viele schätzen, aber nur wenige wirklich kennen, zu sein.

Der Dokumentarfilm zeichnet sich daher durch seine eher klassische Herangehensweise und Struktur aus. Stephanus Domanig will, wie auch in seinen anderen wichtigen Werken, nicht um jeden Preis „einen Unterschied machen“, und gerade durch die Entscheidung für eine lineare Inszenierung ohne redundante Virtuosität macht er wirklich einen Unterschied. Sein Backstage Wiener Staatsoper entpuppt sich sofort als ein ehrliches, aufrichtiges und sehr bewegendes Porträt eines der berühmtesten Realitäten Österreichs (und der Welt). Ein fesselnder und magnetischer Dokumentarfilm, der uns in etwas mehr als anderthalb Stunden an der Hand in eine fast „unwirkliche“ Welt mitnimmt.

Lichter, Farben, farbenfrohe Kostüme und vor allem die unsterbliche Musik von Gioacchino Rossini, Giuseppe Verdi und Pietro Mascagni machen diesen wichtigen Dokumentarfilm von Domanig noch wertvoller und fast zur richtigen Krönung seiner Karriere, die schon immer ein besonderes Augenmerk auf die Musikwelt und insbesondere auf die Oper gerichtet hat. Und so erweist sich Backstage Wiener Staatsoper als fundamentale Etappe einer langen Reise, die die Geburt von stimmungsvollen Dokumentarfilmen wie For my Sisters (2014) und Das erste Jahrhundert des Walter Arlen (2018) gesehen hat, eine Reise, die Musik und Kino umfasst und aus der Begegnung der beiden Künste eine perfekte und überraschende Harmonie schafft.

Titel: Backstage Wiener Staatsoper
Regie: Stephanus Domanig
Land/Jahr: Österreich / 2019
Laufzeit: 96’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Stephanus Domanig, Martina Theininger
Kamera: Eva Testor, Judith Benedikt
Produktion: Prisma Film- und Fernsehproduktion

Info: Die Seite von Backstage Wiener Staatsoper auf iMDb; Die Seite von Backstage Wener Staatsoper auf der Webseite der Austrian Film Commission