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MÄDCHENJAHRE EINER KÖNIGIN

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von Ernst Marischka

Note: 6.5

Mädchenjahre einer Königin soll nicht die frühen Jahre der Herrschaft von Königin Viktoria wiedergeben. Marischkas Hauptziel – und das von Sil-Vara vor ihm – ist es, das Publikum zu unterhalten, es zu bewegen und mit einer Liebesgeschichte in einem rein klassischen Rahmen zum Träumen zu bringen.

Auf der Suche nach der wahren Liebe

Königin Viktoria gilt als eine der bedeutendsten Herrscherinnen der Geschichte und hat im Laufe der Jahre viele Mythen und Legenden sowie zahlreiche Biopics inspiriert, die ihr gewidmet sind. Konnte der österreichische Film, der sich so sehr für Geschichten aus der Adels- und Großbürgerwelt interessiert hatte, einer so bedeutenden Figur gegenüber gleichgültig bleiben? Auf keinen Fall. Ein Jahr vor der berühmten Trilogie, die Elisabeth von Österreich und Ungarn gewidmet ist, wurde nämlich der Spielfilm Mädchenjahre einer Königin (1954) ein großer Erfolg, der wie die Trilogie, ebenfalls unter der Regie von Ernst Marischka, mit einer sehr jungen Romy Schneider (wiederum mit ihrer Mutter Magda) in der Hauptrolle gedreht wurde.

Der Film ist eine Neuverfilmung des gleichnamigen Spielfilms von Erich Engel aus dem Jahr 1936 und basiert auf einem Theaterstück von Sil-Vara (Geza Silberer) aus dem Jahr 1932. Die ersten Jahre der Regentschaft der jungen Königin Viktoria werden so in einem leichten und ironischen Mélo, ganz im Sinne des Kanons der österreichischen Filmografie jener Zeit, inszeniert.

König Wilhelm IV. wird vorzeitig sterben. Nach der Erbfolgeordnung wird also seine erst achtzehnjährige Nichte Viktoria (Schneider) den englischen Thron besteigen. Zu diesem Zweck müssen einige ihrer vertrauten Berater – darunter Baronin Louise Lehzen (gespielt von Magda Schneider) und Lord Melbourne (Karl Ludwig Diehl) – die Königin auf dieses wichtige neue Amt vorbereiten. Nach einiger Zeit werden am Hof jedoch Pläne für die Heirat der jungen Viktoria geschmiedet, die eher widerwillig zu sein scheint, da sie hofft, nur jemanden zu heiraten, in den sie sehr verliebt ist.

Ernst Marischka, der schon immer eine Vorliebe für Melodramen nach Theaterstücken hatte, war der Aufgabe also durchaus gewachsen. Sein Mädchenjahre einer Königinist daher tadellos inszeniert: Elegante Kostüme, prächtige Bühnenbilder, wenige Außenszenen und viele Dialoge zeugen von einer rein theatralischen Inszenierung, die jedoch mit ihren leuchtenden Farben und dem Talent aller Darsteller (darunter Adrian Hoven als Prinz Albert, Viktorias Verlobter, Paul Hörbiger als sein Erzieher, Professor Landmann, und Rudolf Vogel als Diener George, der einige komische Sketche bietet) auch auf der großen Leinwand funktioniert.

Mädchenjahre einer Königin soll nicht die ersten Jahre der Regentschaft von Königin Viktoria wiedergeben. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Spielfilm eine Reihe von historischen Fälschungen enthält, insbesondere in Bezug auf bestimmte Jahreszahlen und das Treffen zwischen der Protagonistin und Prinz Albert. Das Hauptziel von Marischka – und von Sil-Vara vor ihm – ist es, das Publikum zu unterhalten, es zu bewegen und zum Träumen – mit einer Liebesgeschichte rein klassischer Natur – zu bringen. Es macht daher wenig (oder fast gar nichts) aus, wenn das Drehbuch mehrere lose Enden hat, die zuvor angesprochen und dann nie wieder behandelt wurden. Mädchenjahre einer Königin scheint keine großen Ansprüche zu haben, aber dank des Charmes und des Charismas der sehr jungen Romy Schneider funktioniert der Film perfekt. Magnetisch in der Rolle einer jungen Königin, wäre die Schauspielerin, gelinde gesagt, perfekt in der Rolle einer ebenso wichtigen und ebenso geliebten Herrscherin gewesen, noch besser, wenn sie eine („adoptierte“) Österreicherin wäre. Aber das ist natürlich eine andere Geschichte.

Titel: Mädchenjahre einer Königin
Regie: Ernst Marischka
Land/Jahr: Österreich / 1954
Laufzeit: 116’
Genre: Filmbiografie, Historienfilm, Liebesfilm
Cast: Romy Schneider, Adrian Hoven, Magda Schneider, Karl Ludwig Diehl, Christl Mardayn, Paul Hörbiger, Rudolf Vogel, Fred Liewehr, Alfred Neugebauer, Otto Treßler, Stefan Skodler, Peter Weck, Rudolf Lenz, Hans Thimig, Peter Gerhard, Elisabeth Epp, Hilde Wagener, Helene Lauterböck, Eduard Strauss Jr., Viktor Braun
Buch: Ernst Marischka, Sil-Vara
Kamera: Bruno Mondi
Produktion: Erma-Film, Sie Verling

Info: Die Seite von Mädchenjahre einer Königin auf iMDb