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AMOS VOGEL – DER „SUBVERSIVE“ FILM

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Der Filmkritiker, Kurator und Filmhistoriker Amos Vogel wäre am 18. April 2021 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat das Österreichische Filmmuseum in Zusammenarbeit mit der Viennale die Retrospektive Amos Vogel – Film as a subversive Art kuratiert, die ihren Titel dem gleichnamigen Buch des Autors aus dem Jahr 1974 entlehnt. Das Kino, das er erforschte, galt als „anders“ und wurde von Filmemachern gemacht, die sich vom Diktat der großen Produktionsfirmen „befreien“ wollten und die kaum die Aufmerksamkeit, die sie verdienten, bekommen hätten.

„Filme anschauen ist keine passive Erfahrung, sondern eine Art zu denken“ A. Vogel

Der Filmkritiker, Kurator und Filmhistoriker Amos Vogel wäre am 18. April 2021 100 Jahre alt geworden. Zahlreiche Retrospektiven wurden in der ganzen Welt organisiert – natürlich auch in Wien, seinem Geburtsort -, um an eine Persönlichkeit zu erinnern und zu würdigen, die im Laufe der Jahre provokative, oft sehr experimentelle, mutige und entdeckungsfreudige neue Filmsprachen in den Vordergrund gestellt hat. In diesem Zusammenhang war die vom Österreichischen Filmmuseum in Zusammenarbeit mit der Viennale präsentierte Retrospektive Amos Vogel – Film as a subversive Art, die ihren Titel direkt vom gleichnamigen Buch des Autors aus dem Jahr 1974 ableitet, besonders interessant. Das Kino, das er untersuchte, studierte und analysierte, war also ein Kino, das als „anders“ galt, ein Kino, das von Filmemachern gemacht wurde, die sich vom Diktat der großen Produktionsfirmen „befreien“ wollten und die kaum die Aufmerksamkeit, die sie verdienten, erhalten hätten.

Amos Vogel seinerseits hat sich immer sehr nahe an bestimmten Realitäten gefühlt, an Realitäten, die sich sehr von dem unterscheiden, was der Massenvertrieb zu bieten hat, und die mit allen Mitteln versuchen, „zu Wort zu kommen“, den Zuschauer zu beeindrucken, zu schockieren, zu provozieren und ihn so zu tiefen Überlegungen zu führen. Amos Vogelbaum wurde am 18. April 1921 in Wien geboren und musste nach dem Anschluss mit seiner Familie über Havanna in die Vereinigten Staaten emigrieren. Vogel, der bereits vom europäischen Antisemitismus betroffen war, war – wie er später schreiben sollte – ebenso schockiert über den Rassismus in den USA. Wahrscheinlich waren es gerade diese schwierigen Jugenderfahrungen, die seine Neugierde weckten, „über den Tellerrand hinauszuschauen“, um Realitäten zu entdecken, die sonst unsichtbar bleiben sollten. Nach seinem Studium der Tierzucht an der Universität von Georgia erkannte Vogel, dass ihn die Filmwelt am meisten faszinierte.

1947 gründete er den berühmten Avantgarde-Filmclub Cinema 16 in New York, wo er die ersten Spielfilme von Regisseuren wie John Cassavetes, Roman Polanski, Alain Resnais, Nigisa Oshima und Jacques Rivette, aber auch Maya Deren, Kenneth Anger und Sidney Peterson, um nur einige zu nennen, zum ersten Mal dem Publikum präsentierte. Dies war jedoch nur die erste von vielen spannenden Herausforderungen, denen sich Amos Vogel im Laufe seiner Karriere stellen musste. 1963 gründete er zusammen mit Richard Roud das New York Film Festival, das bis heute eines der ältesten Filmfestivals in den Vereinigten Staaten ist und sich besonders auf experimentelle Filme konzentriert. Vogel blieb bis 1968 Leiter des New York Film Festivals.

Die 1970er Jahre waren für den Autor eine ebenso spannende wie inspirierende Zeit. So gründete er 1973 die Annenberg Cinematheque an der University of Pennsylvania und erhielt im selben Jahr den Lehrstuhl für Filmgeschichte an der Annenberg School of Communications. Dort unterrichtete er viele Jahre lang und verband seine Professur mit zahlreichen Aktivitäten als Essayist und Herausgeber. Besonders erwähnenswert unter seinen Veröffentlichungen ist das Buch Film as a subversive Art, das in diesen Jahren entstand und in dem seine Theorien über den Filmgenuss, die zahlreichen Aufgaben und Möglichkeiten des Kinos und die Wichtigkeit, immer neue Wege zu finden, um die Realität durch Bilder zu erzählen, umfassend dargelegt werden.

Amos Vogel blieb viele Jahre lang aktiv, bis er am 24. April 2012 im Alter von einundneunzig Jahren in New York starb. Heute werden alle seine Werke – ebenso wie seine Privatbibliothek – im Österreichischen Filmmuseum aufbewahrt, wo ihm kürzlich anlässlich seines hundertsten Geburtstages eine besondere Retrospektive gewidmet wurde. Eine Retrospektive, die vor allem den Gedanken von Amos Vogel wachhalten wollte, der immer wieder neue, interessante Filme und neue Perspektiven der Inszenierung suchte. Die subversive Kraft des Kinos ist nie tot. Das Wichtigste ist, dass man sie immer verstehen will, dass man sie entdecken will, dass man von ihr angenehm überrascht wird.

Info: Die Seite von Amos Vogel auf der Webseite des Österreichischen Filmmuseums; Die Seite von Amos Vogel auf iMDb