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MARKO FEINGOLD – EIN JÜDISCHES LEBEN

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von Christian Krönes, Florian Weigensamer, Roland Schrotthofer und Christian Kermer

Note: 7

In Marko Feingold – Ein jüdisches Leben treffen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander, „kollidieren“ und sind sich viel ähnlicher, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Schwarz-Weiß verleiht dem Dokumentarfilm universelle Züge, das Fehlen von Musik (mit Ausnahme von kurzen Videoeinsätzen) führt dazu, dass sich der Zuschauer ausschließlich auf das Gesicht des Protagonisten konzentriert.

Gestern wie heute

Obwohl Marko Feingold einhundertsechs Jahre alt geworden ist, ist er viele, viele Male gestorben. Und über sein schwieriges Leben spricht er gelassen und ruhig, obwohl er immer noch große Schmerzen hat, vor der Kamera. Unglaublich lebendig und pulsierend sind seine Worte, die in respektvoller Stille von den Regisseuren Christian Krönes, Florian Weigensamer, Roland Schrotthofer und Christian Kermer gehört wurden, die uns mit ihrem Dokumentarfilm Marko Feingold – Ein jüdisches Leben ein wertvolles historisches Dokument und ein besonders bewegendes menschliches Porträt eines Menschen, der eine der dramatischsten Perioden des letzten Jahrhunderts erlebt hat, geliefert haben.

Marko Feingold hat jahrelang als Unternehmer gearbeitet. Während seines langen Lebens hat er hart an seinem Job gearbeitet und gleichzeitig alles getan, um die Gegenwart, in der wir leben, besser zu machen. Doch trotz allem hat die Vergangenheit in seinem Leben immer eine große Rolle gespielt. Eine schwierige, äußerst schmerzhafte Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die nicht vergessen werden kann und die unbedingt erzählt werden muss, damit bestimmte Fehler nicht wiederholt werden. Marko Feingold wurde in seiner Jugend aufgrund seiner jüdischen Herkunft in vier Konzentrationslagern interniert. Seine ganze Familie wurde in diesen Lagern getötet.

Die Kamera der Filmemacher lauscht respektvoll seinen Geschichten und Vertraulichkeiten. Feingold wird ständig im Vordergrund gefilmt, während ein komplett schwarzer Hintergrund ihn noch besser hervorhebt. Ebenso unterstreicht die schwarz-weiße Hintergrundfarbe den dramatischen Charakter seiner Worte. Mehr braucht es nicht in Marko Feingold – Ein jüdisches Leben. Eine einfache und wesentliche Inszenierung – angereichert nur mit einigen Archivbildern, Bildunterschriften mit jüngsten Botschaften von Neonazis und kurzen Dokumentarfilmen, die hauptsächlich in den Vereinigten Staaten während des Zweiten Weltkriegs gedreht wurden – erweist sich als die beste Lösung.

Der hier gewählte Regieansatz ist zweifelsohne extrem und mutig und könnte in verschiedenen Kontexten sogar gefährlich sein. Doch die Filmemacher wissen, was sie tun, und die beste Entscheidung ist in diesem Fall, das Wort (fast) ausschließlich dem Protagonisten zu überlassen. Die Vergangenheit ist lebendiger und schmerzhafter denn je in Marko Feingold – Ein jüdisches Leben. In ähnlicher Weise treffen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander, „prallen aufeinander“ und sind sich viel ähnlicher, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Schwarz-Weiß verleiht dem Dokumentarfilm universelle Züge, das Fehlen von Musik (mit Ausnahme von kurzen Videoeinsätzen) erlaubt es dem Zuschauer, sich ausschließlich auf das Gesicht von Marko Feingold und seine Worte zu konzentrieren. Und so führen seine Geschichten und tiefsinnigen Überlegungen unmittelbar zu einer tiefgründigen und niemals banalen Analyse der Welt, in der wir leben, des Gewesenen und, nicht zuletzt, der Gesellschaft. Wertvolle Bilder von dem, was wir sind und was wir gewesen sind. Bilder eines Mannes, der viele Male gestorben ist, aber dank des Kinos nun endlich unsterblich ist.

Titel: Marko Feingold – Ein jüdisches Leben
Regie: Christian Kermer, Christian Krönes, Florian Weigensamer, Roland Schrotthofer
Land/Jahr: Österreich / 2021
Laufzeit: 114’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Christian Krönes, Roland Schrotthofer, Florian Weigensamer
Kamera: Christian Kermer
Produktion: Blackbox Film, Medienproduktion GmbH

Info: Die Seite von Marko Feingold – Ein jüdisches Leben auf der Webseite des Österreichischen Filminstitutes