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PAUL HÖRBIGER – UNVERGESSLICHER GENTLEMAN

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Neben seiner Vielseitigkeit und seiner außergewöhnlichen Fähigkeit, die Herzen der Zuschauer zu treffen, hat der Schauspieler Paul Hörbiger auch einige bemerkenswerte Ereignisse erlebt. Er gehört zu den berühmtesten Darstellern des Wiener Films und seine Figuren sind unvergesslich, egal ob es sich um Aristokraten oder tollpatschige Dienstboten handelt.

Ein Dienstmann mit einem Herz aus Gold

Das lange und spannende Leben des beliebten Paul Hörbiger könnte man als Abenteuerroman bezeichnen. Denn der berühmte österreichische Schauspieler zeichnete sich nicht nur durch seine Vielseitigkeit und seine außergewöhnliche Fähigkeit aus, das Herz des Publikums zu erreichen, sondern war auch der Protagonist einiger bemerkenswerter Ereignisse. Er gehört zu den berühmtesten Darstellern des Wiener Films und seine Charaktere sind unvergesslich, seien es Aristokraten oder tollpatschige Dienstboten. Aber wer war eigentlich unser Paul Hörbiger?

Paul wurde am 29. April 1894 als Sohn des Ingenieurs Hanns Hörbiger und seiner Frau Leopoldine in Budapest geboren, das damals zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte. Sein jüngerer Bruder war der berühmte Schauspieler Attila Hörbiger, der in der Zukunft oft die Gelegenheit haben sollte, mit ihm sowohl in Filmen als auch am Theater zu spielen. Im Jahr 1902 zog die Familie Hörbiger nach Wien. Nach der Matura am Stiftsgymnasium St. Paul im Lavanttal meldete sich Paul 1914 freiwillig zum Ersten Weltkrieg und wurde 1918 zum Oberleutnant befördert. Der Krieg hatte aber auch dramatische Folgen für die Familie Hörbiger. Bald jedoch sollte Pauls Leben eine wichtige Wendung nehmen, die ihn von den schwierigen Zeiten, die er gerade erlebt hatte, erlösen sollte.

Nach seinem Abschluss an der Otto-Schauspielschule in Wien begann Paul Hörbiger bereits 1919 seine Schauspielkarriere und hatte Gelegenheit, an großen Theatern in Berlin (unter der Leitung von Max Reinhardt), Prag und Reichenberg, Böhmen, zu spielen. Schon in diesen frühen Jahren begann der Schauspieler, sich auf besonders komische Rollen und meist gute und großzügige Charaktere zu spezialisieren, was auch zu seinem Fachgebiet im Kino werden sollte.

Hörbigers Karriere riskierte jedoch oft, zu früh zu enden. Im Jahr 1921 verliebte sich Paul in seine Kollegin Josepha Gettke, die zuvor mit dem Schauspieler Rudolf Dietz verlobt war. Letzterer, zutiefst enttäuscht über das Ende seiner Beziehung, beschloss, einen Hinterhalt gegen die beiden zu organisieren. Dies geschah in der mährischen Stadt Wisowitz, und der Mann richtete seine Waffe zunächst auf Josepha, obwohl die Schüsse Hörbigers Lunge und Rippe trafen. Während seiner Rekonvaleszenz im Krankenhaus versprach die Frau ihm, ihn zu heiraten. Sie heirateten im selben Jahr und bekamen vier Kinder: Christl, Hansi, Monica und Thomas, ebenfalls ein Schauspieler, aber ihre turbulente Liebesgeschichte endete erst 1939, als beide beschlossen, sich scheiden zu lassen.

1928 war schließlich ein entscheidendes Jahr für seine Karriere. Nach seinem Debüt in Hans Berendts Spielfilm Sechs Mädchen suchen Nachtquartier wirkte er in zahlreichen Filmen mit und arbeitete mit Regisseuren wie Fritz Lang (in Spione, 1928), Wilhelm Thiele (Die Dame mit der Maske, 1928), Hanns Schwarz (Ungarische Rhapsodie, 1928), Joe May (Asphalt, 1929) und Géza von Bolvary (Die lustigen Weiber von Wien, 1931). Hörbiger wurde bald zu einem der beliebtesten deutschsprachigen Schauspieler, und seine Popularität wuchs weiter, als er eine Künstlerpartnerschaft mit dem Schauspieler Hans Moser begann, mit dem er ein perfektes Komikerpaar bildete, das im Spielfilm Hallo Dienstmann (Franz Antel, 1951), basierend auf einem Theatersketch, in dem die beiden Schauspieler zwei Boten, die einen schweren Koffer tragen sollten, spielten, gipfelte.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte keine Auswirkungen auf Pauls Karriere. Der Schauspieler wurde von Hitler und Goebbels als einer der „unersetzlichen“ Schauspieler der österreichischen Filmszene angesehen, und seine Arbeit wurde auch dann nicht unterbrochen, als er sich von der nationalsozialistischen Partei lossagte und sogar einigen seiner jüdischen Kollegen zur Flucht in die Schweiz verhalf. Die Dinge nahmen jedoch eine andere Wendung, als sich Hörbiger zusammen mit seinen Kollegen Theo Lingen und Oskar Sima einer Widerstandsgruppe anschloss. Aufgrund seiner Haltung wurde der Schauspieler verhaftet und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Wahrscheinlich rettete ihm das Kriegsende zusammen mit der Hilfe seiner Schwägerin Paula Wessely, die über gute Beziehungen zu den damaligen Behörden verfügte, das Leben, obwohl die BBC kurz zuvor aus Propagandagründen seinen Tod bekannt gegeben hatte.

Im Gegensatz zu seinem Bruder Attila und seiner Schwägerin Paula Wessely hatte Paul keine Schwierigkeiten, nach Kriegsende zu arbeiten. In dieser Zeit wirkte er in seinen wohl berühmtesten Filmen mit, darunter Der Hofrat Geiger (Hans Wolff, 1947), 1. April 2000 (Wolfgang Liebeneiner, 1952), der zeitlose Hallo Dienstmann, Mädchenjahre einer Königin (Ernst Marischka, 1954) und vor allem Der dritte Mann (Carol Reed, 1949), in dem er die Rolle eines Portiers spielte, der später ermordet wurde.

Sein Privatleben sollte jedoch eine weitere besonders schwierige Zeit durchmachen. Dies geschah nach dem rätselhaften Tod seines Bruders Alfred am 31. Juli 1945 im Alter von 54 Jahren in einer Universitätsklinik in Innsbruck. Laut Paul wurde sein Bruder ermordet, aber laut Attila war es ein natürlicher Tod. Von da an wurden viele Untersuchungen und Autopsien durchgeführt, aber der Fall wurde aus Mangel an Beweisen fallen gelassen, und Paul und Attila stritten sich erbittert und versöhnten sich erst in den 1960er Jahren.

In jenen Jahren widmete sich Paul Hörbiger immer weniger der Filmwelt, sondern zog es vor, hauptsächlich im Theater zu spielen. Das Burgtheater in Wien war schon immer eine seiner Lieblingsbühnen. Zuletzt war er 1979 in Elias Canettis Komödie der Eitelkeit zu sehen, wo der Schauspieler die typische Wiener Botenmütze trug, die in Hallo Dienstmann so erfolgreich war. In den letzten Jahren seiner Karriere waren Theater und Fernsehen seine Hauptinteressen. In dieser Zeit wirkte der Schauspieler beispielsweise in der berühmten Fernsehserie Tatort und in einer Folge von Hallo – Hotel Sacher… Portier! (1973).

Paul Hörbiger starb am 5. März 1981 in Wien und wurde anschließend in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof beigesetzt. Dennoch wird er von Zuschauern aller Altersgruppen immer noch mit großer Zuneigung und Zärtlichkeit in Erinnerung behalten. Seine witzigen und zugleich liebevollen Figuren sind ein wichtiger Teil der österreichischen Filmgeschichte. Nicht selten werden ihre Filme in besonderen Retrospektiven dem Publikum vorgeführt. Und seine lächelnde Figur mit seinem lebenslangen Freund Hans Moser am Eingang des Wiener Praters begrüßt auch heute noch jeden Besucher – ein Grund zum Stolz für sein geliebtes Österreich.

Info: Die Seite von Paul Hörbiger auf iMDb