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KLAMMER

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von Andreas Schmied

Note: 6.5

Klammer stellt seinen charismatischen Protagonisten – den legendären österreichischen Skimeister Franz Klammer – in den Mittelpunkt und zeichnet gleichzeitig ein umfassendes Porträt der Sportwelt mit all ihren kontroversen Aspekten.

Die Geschichte eines Champions

Viele Menschen erinnern sich an den legendären österreichischen Skimeister Franz Klammer. Der Olympiasieger aus Mooswald, der während seiner glänzenden Karriere bei den Zuschauern in aller Welt besonders beliebt war, gilt noch immer als der stärkste Skifahrer aller Zeiten. Ein Biopic über ihn ist daher eine spannende Herausforderung. Daran dachte Regisseur Andreas Schmied mit seinem Film Klammer, der sich vor allem auf Klammers Zeit während der Olympischen Winterspiele 1976 in Innsbruck konzentriert.

Franz Klammer (gespielt von Julian Waldner) ist zweiundzwanzig Jahre alt und bereitet sich mit seinem Team auf die Olympischen Winterspiele vor. In den Tagen vor den Wettkämpfen wird er jedoch durch vielfachen Druck der Sponsoren und seines Trainers oft in eine Krise gestürzt. Ihm zur Seite steht jedoch seine Freundin Eva (Valerie Huber), die ihm immer unterstützt.

So konzentriert sich Klammer ganz auf seinen charismatischen Protagonisten und zeichnet gleichzeitig ein umfassendes Porträt der Sportwelt mit all ihren kontroversen Aspekten. Die Geschichte des Sportlers, seine Zweifel, Ängste und Unsicherheiten werden von Schmieds Kamera getreu gefilmt und von Waldner hervorragend dargestellt, obwohl das Highlight des Films die Szenen des Wettkampfs, an dem der Athlet teilnimmt, sind. Franz Klammers Skier fahren schnell über den Schnee, die Kamera zeigt uns oft seine Perspektive, schwindelerregende Sprünge halten uns in Atem und das Ganze erinnert an eine Achterbahnfahrt. Adrenalinszenen, die durch eine Parallelmontage, in der Eva den Wettbewerb beobachtet, und Klammers eigene Familie mit Freunden und Bekannten vor dem Fernseher versammelt ist, gut unterstützt und verstärkt werden.

Und dann ist da natürlich auch noch die Liebesgeschichte. Andreas Schmied widmet der Beziehung zwischen Franz und Eva besondere Aufmerksamkeit. Eine zarte, aufrichtige Liebesgeschichte, die – wie wir wissen und wie uns gezeigt wird – noch heute andauert. Die Telefongespräche zwischen den beiden, ihr Treffen in Innsbruck, der Moment, in dem sich das Paar bei einer Cremeschnitte einfach nur entspannt und anvertraut, bilden das Leitmotiv des gesamten Films. Und doch wird es leider manchmal zu viel, vor allem, wenn die Dialoge immer kitschiger werden und von fast allgegenwärtiger Musik begleitet werden.

Klammer ist zwar teilweise sehr gut gedreht, wird aber oft von einer gefährlichen Rhetorik überlagert, wie es in Biopics oder bei der Inszenierung bestimmter sportlicher Leistungen oft der Fall ist. Andreas Schmied gelingt es zweifelsohne, die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu fesseln und uns die Figur des Franz Klammer unglaublich nahe zu bringen, aber gleichzeitig gelingt es ihm nicht, gewisse „Fehler“ zu vermeiden. Vor allem, wenn wir den Champion Franz Klammer heute mit seiner Frau Eva bei seiner Familie sehen.

Titel: Klammer
Regie: Andreas Schmied
Land/Jahr: Österreich / 2021
Laufzeit: 100’
Genre: Filmbiografie, Drama, Sportfilm
Cast: Julian Waldner, Valerie Huber, Wolfgang Oliver, Harry Lampl, Noah Perktold, Benedikt Kalcher, Doris Dexl, Otto Jankovich, Raphael Nicholas, Robert Reinagl, Johannes Rhomberg, Fabian Schiffkorn, Wiltrud Schreiner, Alexander Stecher, Raphaël Tschudi, Marii Weichsler, Markus Zett
Buch: Andreas Schmied, Elisabeth Schmied
Kamera: Xiaosu Han, Andreas Thalhammer
Produktion: Epo-Film, Samsara Filmproduktion, Sabotage Films Vienna

Info: Die Seite von Klammer auf iMDb; Die Seite von Klammer auf der Webseite der Austrian Film Commission