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THE BUBBLE

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von Valerie Blankenbyl

Note: 7.5

In The Bubble verbirgt die scheinbare Ruhe weitaus beunruhigendere Geheimnisse. Ruhige, saubere Straßen, kleine, hübsche Häuser und vor allem pastellfarbene Bilder bilden einen gelungenen Kontrapunkt zu dem, was uns die Regisseurin zeigen wollte.

In einer fernen Ecke der Welt

Es gibt Realitäten, die so seltsam und einzigartig sind, dass sie fast unwirklich erscheinen. Realitäten, die wir bisher nur in Filmen gesehen haben und von denen wir nie geglaubt hätten, dass sie wirklich existieren könnten. Doch die Aufgabe des Kinos besteht auch darin, uns neue Welten entdecken zu lassen, uns Orte und Menschen vorzustellen, die wir im Leben nie kennen gelernt hätten. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der Dokumentarfilm The Bubble von Valerie Blankenbyl, der bereits auf der Diagonale 2021 gezeigt wurde. Aber worum geht es in The Bubble eigentlich?

Es gibt einen Ort mitten in Florida, in dem nur Rentner leben. Ein ruhiger Ort, der aber viele Möglichkeiten bietet, Zeit dort zu verbringen. Es handelt sich um das größte „Altersheim“ der Welt, das in Wirklichkeit aus einem riesigen Wohngebiet besteht, in dem rund vierundfünfzig Golfplätze, siebzig Schwimmbäder und sechsundneunzig Freizeitzentren dafür sorgen, dass die Rentner die angenehmsten Tage ihres Lebens verbringen können. Dieser einzigartige Ort heißt The Villages und erstreckt sich über eine Fläche von etwa einhundertvierzig Quadratkilometern. Aber ist an einem solchen Ort wirklich alles so idyllisch und perfekt?

Die Regisseurin hat diese besondere Welt genau beobachtet, und wie so oft, wenn alles zunächst „zu schön ist, um wahr zu sein“, ließen beunruhigende Aspekte nicht lange auf sich warten. The Villages wird von einer mysteriösen Unternehmerfamilie geführt, die nicht zögert, die Rentner zu bedrohen, wenn sie der Regisseurin zu viele Details über die Verwaltung verraten. The Villages erinnert fast an die Locations von Kultfilmen der Vergangenheit, darunter vor allem Die Frauen von Stepford (Bryan Forbes, 1975), aber auch der aktuelle Der Masseur (Malgorzata Szumowska und Michal Englert, 2020). Hübsche kleine und perfekt angeordnete Häuser, saubere Straßen und viel, viel Grün. Alles scheint sehr ruhig zu sein. Zumindest scheinbar. Und Valerie Blankenbyl ist es gelungen, die Ambivalenz des uns gezeigten Ortes perfekt zu vermitteln, dank einer kontrollierten und nie übertriebenen Regie, die bestimmte Pastellfarben und durchdachte Symmetrien zu ihrer größten Stärke gemacht hat.

Und so denken wir unweigerlich auch an ein anderes Meisterwerk des österreichischen Films der Vergangenheit: Hundstage (Ulrich Seidl, 2001). Auch in diesem Fall, wie auch in The Bubble, verbirgt sich hinter einer scheinbaren Ruhe ein weitaus beunruhigenderes Geheimnis. Auch hier bilden ruhige, saubere Straßen, kleine, hübsche Häuser und eine überwiegend pastellfarbene Beleuchtung einen gelungenen Kontrapunkt zu dem, was die Regisseurin zeigen wollte. Valerie Blankenbyl ließ sich von früheren Arbeiten inspirieren, aber gleichzeitig gelang es ihr, etwas ganz Persönliches und Originelles zu schaffen. Ihre Kamera ist agil und aufmerksam, und sowohl beim Filmen des gesamten Dorfes von oben als auch beim Zeigen von amüsanten Farb- und Symmetriespielen vermittelt sie ein tiefes Gefühl der Beunruhigung, das sich noch verstärkt, wenn einige der Rentner befragt werden.

Sein The Bubble ist eine spannende, aber auch befremdliche Reise in eine Realität, die den meisten Menschen noch unbekannt ist. Ein visuelles Erlebnis, das uns von den ersten Minuten an fasziniert und erschreckt, das wir aber sicher nicht so schnell vergessen werden.

Titel: The Bubble
Regie: Valerie Blankenbyl
Land/Jahr: Schweiz, Österreich / 2021
Laufzeit: 92’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Valerie Blankenbyl, Dario Schoch
Kamera: Joe Berger
Produktion: Catpics, Golden Girls Filmproduktion, SRG

Info: Die Seite von The Bubble auf iMDb; Die Seite von The Bubble auf der Webseite der Austrian Film Commission; Die Seite von The Bubble auf der Webseite der Diagonale