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BARYLLI’S BAKED BEANS

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von Gabriel Barylli

Note: 7

Baryllis Baked Beans versucht, genau das zu sein: Eine Art universelles ‚Liebeshandbuch‘, das uns viele mögliche Situationen und ebenso viele Lösungen aufzeigt, das aber nicht viel von einem ‚banalen‘ Happy End zu halten scheint.

Die Geschichte aller Liebesgeschichten?

Wenn eine Beziehung endet, will in der Regel niemand etwas mit Liebe zu tun haben. Oder doch? Und doch schien am Anfang alles perfekt zu sein. Martin (gespielt von Michael Dangl) und Maria (Isabel Scholz), die sich nach drei Jahren Ehe für die Scheidung entscheiden, kennen die Situation ganz gut. Doch was führte zu einem so plötzlichen Ende eines scheinbar sehr liebevollen Paares? Der Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur Gabriel Barylli hat in seinem Spielfilm Barylli’s Baked Beans aus dem Jahr 2011 versucht, Liebesbeziehungen zu analysieren, wobei er auf amüsante Weise die Beziehung zwischen Martin und Maria untersucht.

Die beiden Hauptfiguren streiten sich heftig. Maria flieht ins Haus, während Martin sie mit einer Waffe verfolgt. In der Wohnung angekommen, streiten sich die beiden weiter, bis sich fast versehentlich zwei Schüsse lösen, die sie beide töten. In der Zwischenzeit hat Andreas (gespielt von Barylli selbst) – Martins langjähriger Freund – die Szene beobachtet, scheint aber nicht besonders schockiert von dem, was passiert ist. Im Gegenteil, fast so, als ob er selbst nicht in der Wohnung wäre, wendet er sich direkt ans Publikum und beginnt leichtfüßig zu erzählen, wie alles begann, während er gleichzeitig einige Überlegungen zu Beziehungen im Allgemeinen anstellt.

Spritzig, ironisch und federleicht, zeichnet sich Baryllis Baked Beans auch durch ein gutes Maß an Zynismus aus. Und es funktioniert. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang die Figur des Andreas, der beschlossen hat, nichts mit Frauen zu tun zu haben und seine Tage lieber gemeinsam mit einer aufblasbaren Puppe verbringt. Er ist derjenige, der uns an der Hand durch das Leben von Martin und Maria führt. Gleichzeitig überredet er seinen Freund, keine neue Beziehung einzugehen, und versucht dann, seine Ehe zu retten. Ansonsten läuft alles nach einem Drehbuch ab, das schon immer wieder geschrieben wurde.

Was diesen einzigartigen Spielfilm von Gabriel Barylli auszeichnet, ist in erster Linie die Eleganz seiner Inszenierung. Die Locations sind wesentlich, fein und bis ins kleinste Detail durchdacht. Die Figuren befinden sich oft in einer völlig „neutralen“ Umgebung, sei es eine Theaterbühne oder sogar ein Raum in einem Museum für zeitgenössische Kunst, in dem alles völlig weiß ist. Die Kamera konzentriert sich fast ausschließlich auf die Schauspieler (und hier zeigt sich Baryllis langjährige Erfahrung im Theater). Die Dialoge sind dicht, der Spielfilm lebt von den Worten, und dafür ist die gesamte Besetzung perfekt geeignet. Dieser sehr minimalistische Regieansatz erweist sich als erfolgreiche Lösung und wird durch den geschickten Einsatz von Musik noch bereichert: Die Arie Voi che sapete aus Mozarts Die Hochzeit des Figaro sowie La Habanera aus Georges Bizets Carmen, aber auch das zeitlose Que será, será, das von Isabel Scholz selbst gesungen wird, geben dem Film eine elegante und zeitlose Note.

Baryllis Baked Beans soll nämlich genau das sein: Eine Art universelles „Liebeshandbuch“, das uns viele mögliche Situationen und ebenso viele Lösungen aufzeigt, das aber nicht viel von einem „banalen“ Happy End zu halten scheint. Gabriel Barylli erweist sich als leichter, fast allwissender Erzähler und passt perfekt in diese sehr persönliche Komödie, die amüsiert und zum Nachdenken anregt und damit eine gewisse Selbstreferenzialität wettmacht.

Titel: Barylli’s Baked Beans
Regie: Gabriel Barylli
Land/Jahr: Österreich / 2011
Laufzeit: 93’
Genre: Filmkomödie, Liebesfilm
Cast: Michael Dangl, Gabriel Barylli, Isabel Scholz, Sylvia Leifheit, Karin Koller
Buch: Gabriel Barylli
Kamera: Edwin Krieg
Produktion: Novotny & Novotny Filmproduktion

Info: Die Seite von Barylli’s Baked Beans auf iMDb; Die Seite von Barylli’s Baked Beans auf der Webseite der Austrian FIlm Commission