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OUTSIDE NOISE

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von Ted Fendt

Note: 7.5

Ted Fendts Outside Noise zeigt den normalen Alltag vieler junger Frauen, die erst noch herausfinden müssen, was aus ihrem Leben werden soll. Die Gelassenheit und die kontemplativen Rhythmen der Inszenierung bilden einen hervorragenden Kontrapunkt zu den inneren Qualen der Protagonistinnen. Auf der Viennale 2021.

Überall auf der Welt

Durch die Straßen der Stadt wandern, um einen Sinn für die eigenen Tage zu finden. Die Schwierigkeiten beim Einschlafen, die Ängste, die Freundschaft, mit der man Gedanken und Gefühle teilen kann. Ein Leben, viele Leben in einer Art heikler Übergangsphase. Drei Städte – New York, Berlin und Wien – und eine Protagonistin, mit der wir uns alle ein wenig identifizieren. All dies geschieht im Spielfilm Outside Noise, bei dem Ted Fendt Regie führte und der auf der Viennale 2021 uraufgeführt wurde.

Daniela (gespielt von Daniela Zahlner) leidet an Schlaflosigkeit. Dies geschieht sowohl in Wien, wo sie lebt, als auch in New York oder Berlin, wohin sie reist, um einige ihrer Freundinnen zu besuchen. Mit ihnen entdeckt sie, dass sie viel gemeinsam haben. Dank ihrer Begleitung kann sie einander begegnen, sich besser kennen lernen und versuchen, einen Sinn in ihren Tagen zu finden.

Die Geräusche der Stadt, die ohrenbetäubende Stille der Nacht, lange Gespräche zu Hause, im Park, auf der Straße. Ted Fendts Outside Noise schildert den normalen Alltag vieler junger Frauen, die erst noch herausfinden müssen, was aus ihrem Leben werden soll. Die Ruhe und die kontemplativen Rhythmen der Inszenierung bilden einen hervorragenden Kontrapunkt zu den inneren Qualen der Protagonistinnen. Der Regisseur seinerseits lässt sich Zeit und zeigt uns die Realität, wie sie ist, ohne Filter oder Beschönigung. Eine Realität, die noch wertvoller wird durch Bilder, die vollständig auf Film und mit Schulterkameras aufgenommen wurden und gerade wegen dieser Besonderheit wunderbar zeitlos sind.

Zeit ist ebenfalls eines der zentralen Elemente in Outside Noise. Die Zeit vergeht, die Tage scheinen alle gleich zu sein, die Fragen, die sich alle über ihr Leben und ihre Zukunft stellen, scheinen nie eine Antwort zu finden. Oder doch? Fendts Regieansatz lässt unweigerlich an das Kino von Éric Rohmer denken, aber auch ganz allgemein an einen Großteil des Kinos der Nouvelle Vague. Die Spaziergänge der Protagonistinnen durch die Straßen von Wien oder New York, ihre langen Gespräche über Kunst, Menschen, Bücher, Museen, die Suche nach einem Job sind Momente, die in ihrer Einfachheit auf magische Weise zum Kino werden.

Und in der Tat zielt Outside Noise genau darauf ab: Ängste, Befürchtungen und nicht zuletzt Schlaflosigkeit durch Schönheit zu bekämpfen. Eine Schönheit, die sich nicht nur auf die Themen bezieht, die die jungen Frauen besprechen, sondern vor allem auf die zarte Vollkommenheit jedes Augenblicks, den sie erleben und der von Ted Fendts Kamera liebevoll aufgenommen wird. Eine schlichte, zeitlose Schönheit, die uns an die Hand nimmt und uns in eine Welt entführt, in der wir uns sofort zu Hause fühlen. Eine Welt, in der es nie zu spät ist, sich Fragen über das eigene Leben zu stellen oder sich einfach wieder wie ein Kind zu fühlen, das im Park herumrennt, nachdem es jemanden mit einem Kebab-Sandwich beworfen hat.

Titel: Outside Noise
Regie: Ted Fendt
Land/Jahr: Deutschland, Österreich, Südkorea / 2021
Laufzeit: 61’
Genre: Drama
Cast: Daniela Zahlner, Mia Sellmann, Natascha Manthe, Genevieve Havemeyer-King, Hani Alaraj, Manu Bäuerle, Katharina Maria Grabner, Ted Fendt, Stefanie Zingl
Buch: Ted Fendt, Mia Sellmann, Daniela Zahlner
Kamera: Sage Einarsen, Britni West, Jenny Lou Ziegel
Produktion: Flaneur Films, Jeonju Cinema Project, KGP Filmproduktion

Info: Die Seite von Outside Noise auf iMDb; Die Seite von Outide Noise auf der Webseite der Viennale