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BEATRIX

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von Milena Czernovsky und Lilith Kraxner

Note: 8

Beatrix von Milena Czernovsky und Lilith Kraxner zeichnet sich durch eine ganz besondere erzählerische Entwicklung aus, in der das Beobachten, nicht immer in voyeuristischer Weise, zum Ziel der Regisseurinnen wird. Die Kamera folgt der Protagonistin in jedem Moment ihres Tages. In der Zwischenzeit ist das, was vor unseren Augen erscheint, einfach Leben. Auf der Viennale 2021.

Kino wird Leben

Das normale Alltagsleben. Die Tätigkeiten, die wir ausführen, wenn uns niemand sieht. Momente der Einsamkeit, die auf magische Weise Kino werden. Mit diesen kurzen und einfachen Begriffen könnte man Beatrix definieren, den Debütspielfilm der jungen Regisseurinnen Milena Czernovsky und Lilith Kraxner, der anlässlich der Viennale 2021 als Premiere in Österreich präsentiert wurde.

Beatrix ist die Geschichte eines Mädchens, das für eine gewisse Zeit allein in einem fremden Haus lebt. Beatrix zeigt uns, wie die junge Studentin lebt, wie sie sich um das Haus kümmert, für sich selbst sorgt, selten Gäste empfängt und ihre Tage verbringt. Tage, an denen nichts Besonderes passiert, sondern die in der ruhigen Beobachtung des Alltags ihre ideale Erfüllung für den Zuschauer finden.

Beatrix‚ Drehbuch entstand aus einigen Überlegungen über den Alltag eines jeden von uns, über das Leben, das wir führen, wenn wir sicher sind, dass uns niemand anderes sieht. Aus diesem Grund nimmt der Spielfilm eine ganz besondere erzählerische Entwicklung, in der das Beobachten, nicht immer in voyeuristischer Weise, zum Ziel der Regisseurinnen wird. Die Kamera – rein statisch – folgt der Protagonistin (gespielt von Eva Sommer, die den ganzen Film auf ihren Schultern trägt) durch jeden Moment ihres Tages. Ein präziser Schnitt und einige Sekunden Schwarz markieren den Zeitablauf und den Szenenwechsel. Was sich in der Zwischenzeit vor unseren Augen entfaltet, ist einfach Leben. Leben, das so natürlich wie möglich dargestellt wird, mit einem fast neorealistischen Ansatz, der die Protagonistin oft in Unterwäsche zeigt, beim Waschen oder Reinigen eines extrem schmutzigen Ofens, so dass wir uns sofort als Teil dieser Welt fühlen, die durch die auf 16mm gedrehten 4:3-Bilder so gut dargestellt wird.

Beatrix mag Menschen nicht besonders gern. Vor allem, wenn es um Männer geht. Im Gegenteil, sie scheint sich bei Frauen wohler zu fühlen, mit denen sie wieder zum Kind wird, zu Stand by Me tanzt oder intime Momente teilt. Doch trotz der Chemie, die zwischen ihr und ihrer Mitbewohnerin entsteht, scheint es, als ob sie nur die Einsamkeit sucht. Eine Einsamkeit, die fast den ganzen Film über der absolute Protagonist ist und die selbst in der letzten Kameraeinstellung, wenn die Protagonistin die Szene verlässt, die Oberhand zu haben scheint.

Milena Czernovsky und Lilith Kraxner ihrerseits haben eine außerordentliche Reife in der Regie bewiesen und zeigen, dass sie perfekt in der Lage sind, jede einzelne Nuance ihrer Protagonistin zu erfassen. Eine Protagonistin, die manchmal mürrisch und frech, nicht immer perfekt und makellos, aber gerade deshalb so wunderbar real ist. Eine magnetische Protagonistin, die jedem von uns unglaublich ähnlich ist. Und so wird einmal mehr Leben zu Kino und Kino zu Leben. Und dafür ist vor allem eine große, sehr große Sensibilität erforderlich.

Titel: Beatrix
Regie: Milena Czernovsky, Lilith Kraxner
Land/Jahr: Österreich / 2021
Laufzeit: 95’
Genre: Drama
Cast: Eva Sommer, Katharina Farnleitner, Marthe de Crouy-Chanel
Buch: Milena Czernovsky, Lilith Kraxner
Kamera: Antonia de la Luz Kašik
Produktion: sixpackfilm

Info: Die Seite von Beatrix auf iMDb; Die Seite von Beatrix auf der Webseite der Viennale; Die Seite von Beatrix auf der Webseite der sixpackfilm