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DAS RAD

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von Friedl vom Gröller

Note: 8.5

Das Rad von Friedl vom Gröller ist ein Kindertraum. Oder besser gesagt, ein Traum von zwei Kindern. Das Rad ist eine Reise in die Vergangenheit, eine Rückkehr in die Kindheit, eine neue Entdeckung von sich selbst und der Welt um uns herum. Eine neue Art, die Realität zu verstehen, die uns auch an das große Kino der Vergangenheit erinnert. Auf der Viennale 2021.

Perspektiven

Was wir sehen, ist nicht immer das, was es zu sein scheint. Einfach, nicht wahr? Aber es ist nicht immer so selbstverständlich. Manchmal müssen wir wieder zum Kind werden, um das wahre Wesen der Dinge zu verstehen. Ein reines, wunderbar kindliches und natürliches Konzept, das jedoch oft schwer zu inszenieren ist. Die berühmte Filmemacherin, Fotografin und bildende Künstlerin Friedl vom Gröller scheint jedoch mit ihrem Kurzfilm Das Rad, der auf der Viennale 2021 (wo die Regisseurin auch mit einem weiteren Kurzfilm, 2020, anwesend ist) uraufgeführt wurde, die richtige Lösung gefunden zu haben.

Das Rad ist ein Kindertraum. Oder besser gesagt, ein Traum von zwei Kindern. Das Rad ist eine Reise in die Vergangenheit, eine Rückkehr in die Kindheit, eine neue Entdeckung von sich selbst und der Welt um uns herum. Eine neue Art, die Realität zu verstehen, die uns auch an das große Kino der Vergangenheit erinnert. Zwei Kinder schlafen in ihren Betten. Dann sind wir plötzlich im Freien. Ein Kind schlägt Rad. Einige Wolken verdecken die Berge am Horizont. Aber ist es wirklich so, oder ist das, was wir sehen, in Wirklichkeit etwas ganz anderes?

Der vollständig auf Film gedrehte Spielfilm Das Rad lässt sofort an das Kino von Jean Vigo denken und steht gleichzeitig für etwas ganz Eigenes. Die Regisseurin ihrerseits vergisst ihr Erwachsensein und wird für kurze Zeit wieder ein Kind. In diesem wertvollen kleinen Kurzfilm von ihr ist alles möglich. Traum und Wirklichkeit verschmelzen, vermischen sich, werden eins, bis zu dem Punkt, an dem es unmöglich wird, das eine vom anderen zu unterscheiden. Wo sind die Kinder in Wirklichkeit? Schlafen sie nachts in ihren Betten, oder ist es nur ein Nachmittagsschlaf nach einem langen Tag im Freien?

Wenige, aber bedeutungsvolle Kameraeinstellungen versetzen uns in eine völlig neue Welt. Die Kamera der Regisseurin ist beweglicher denn je und ist auch bereit, sich gelegentlich umzudrehen, um den Bewegungen der Kinder zu folgen, um uns nur ihren Blickwinkel zu zeigen. Die Schatten im Schlafzimmer kontrastieren mit dem fast blendenden Licht der Außenwelt. Und gerade mit Licht und komplexen Licht- und Schattenspielen hat sich die Regisseurin in ihrer langen und respektablen Karriere oft vergnügt.

Lichter und Schatten, die uns blenden, die uns bestimmte Realitäten zeigen und dann unsere Überzeugungen völlig umstoßen. So geschieht es in vielen Werken von Friedl vom Gröller, so auch in Das Rad, wo alles Illusion und zugleich wunderbare Naivität ist. Und dafür sind nur wenige, aber wesentliche Kamerabewegungen nötig, um dies zu inszenieren. Ein scheinbar einfacher Film, der aber in Wirklichkeit viel komplexer ist, als er scheint, Das Rad. Eine echte Perle des zeitgenössischen österreichischen Films, die uns mit feiner Eleganz zeigt, was wir sehen und was wir nicht sehen, die uns an die Hand nimmt, um zärtlich in die Vergangenheit zurückzukehren, und uns einen schönen Traum erleben lässt, aus dem wir nie aufwachen möchten.

Titel: Das Rad
Regie: Friedl vom Gröller
Land/Jahr: Österreich / 2021
Laufzeit: 3’
Genre: Experimentalfilm
Buch: Friedl vom Gröller
Kamera: Friedl vom Gröller
Produktion: Friedl vom Gröller

Info: Die Seite von Das Rad auf der Webseite der Viennale; Die Seite von Das Rad auf der Webseite der sixpackfilm