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MONEYBOYS

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von C. B. Yi

Note: 7

Moneyboys – wie junge Männer, die sich prostituieren, in China genannt werden – ist ein wütender Schrei gegen ein System, das zu groß und mächtig ist. Moneyboys ist das Bild einer verlorenen Liebe, eines tiefen Schuldgefühls, eines verzweifelten Wunsches zu leben, zu träumen, zu lieben. Auf der Viennale 2021.

Zusammen allein

Die kapitalistische Gesellschaft betrachtet den Menschen nicht als solchen. Das ist leider eine Tatsache. Aber während Menschen oft gezwungen sind, ihr Privatleben wegen zu viel Arbeit aufzugeben, gibt es auch solche, die unter weitaus schlechteren wirtschaftlichen Umständen sogar gezwungen sind, sich selbst und ihren Körper zu verkaufen. Diese traurige Realität wird in Moneyboys gezeigt, dem Spielfilmdebüt von Regisseur C. B. Yi, der bereits bei den Filmfestspielen von Cannes 2021 in der Reihe Un certain Regard uraufgeführt und anlässlich der Viennale 2021 erneut dem Publikum vorgestellt wurde.

Die Geschichte handelt vom jungen Fei (gespielt von Kai Ko), einem Jungen vom Land, der sich prostituiert, um seiner Familie Geld schicken zu können. Von seinen eigenen Verwandten verspottet und verurteilt, erkennt der Mann, dass er nicht länger in seiner Heimatstadt leben kann und beschließt, für immer in die Stadt zu ziehen. Ihm zur Seite steht Long (Yufan Bai), ein Freund aus der Kindheit, der hofft, ein neues Leben zu beginnen. Gleichzeitig kann Fei seinen ehemaligen Liebhaber Xiaolai (JC Lin) nicht vergessen, der ihn vor einem gewalttätigen Mann verteidigt hatte und dabei zwangsläufig lahm wurde. Wird es dem Jungen gelingen, seinem Leben einen Sinn zu geben und seine Gewissensbisse zu überwinden?

Die Geschichte von Fei ist daher die Geschichte vieler anderer junger Menschen. Viele junge Menschen, die kein „normales“ Leben führen können, die aus armen Familien stammen, die wegen ihrer Arbeit von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. C. B. Yi brauchte achtzehn Jahre, um sein Spielfilmdebüt zu drehen, und ließ sich dabei von den Geschichten von Menschen inspirieren, die er an der Universität kennen gelernt hatte. Das Ergebnis ist das Porträt einer schwierigen, gnadenlosen Welt, in der man ständig allein ist.

Bunte, grelle Lichter in Clubs stehen im Kontrast zum Grau der Vorstädte. Plötzliche Schnitte wechseln sich gekonnt mit langen Plansequenzen ab, die uns den jungen Protagonisten in seinen intimsten Momenten zeigen. Die Kamera des Regisseurs folgt dem jungen Fei mit Zuneigung und Mitgefühl, ohne jemals zu urteilen. Eine außergewöhnliche Sensibilität ist von der Ästhetik des orientalischen Kinos inspiriert und erinnert sofort an das Kino von Tsai Ming-liang, obwohl in diesem Fall der Regieansatz viel weniger kontemplativ und mehr auf den Dialog ausgerichtet ist.

Ebenso fangen die Nahaufnahmen des Gesichts des Protagonisten seine Gefühle perfekt ein. Wie in den Momenten der Freizeit mit Freunden, mal bei einer Hochzeit (wo trotz der Umstände Traurigkeit und Bestürzung im Vordergrund stehen), mal bei einem Abschiedsessen. Fei und seine Freunde stehen also für das, was die kapitalistische Gesellschaft hervorgebracht hat. Viele junge Menschen, die ihr ganzes Leben vor sich haben, aber nicht in der Lage sind, es zu gestalten. Moneyboys – wie Junge, die sich prostituieren, in China genannt werden – ist ein wütender Schrei gegen ein System, das zu groß und mächtig ist. Moneyboys ist das Bild einer verlorenen Liebe, eines tiefen Schuldgefühls, der Reue, die letzten Tage nicht mit den verstorbenen Familienmitgliedern verbringen zu können, eines verzweifelten Wunsches zu leben, zu träumen, zu lieben. Ein befreiender Tanz, der uns Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt. Ein interessantes Spielfilmdebüt eines jungen und vielversprechenden Regisseurs in der zeitgenössischen österreichischen Filmszene.

Titel: Moneyboys
Regie: C. B. Yi
Land/jahr: Österreich, Frankreich, Belgien, Taiwan / 2021
Laufzeit: 120’
Genre: Drama
Cast: Yufan Bai, Kai Ko, Zhexi Lin, Chloe Maayan, Qiheng Sun
Buch: C. B. Yi
Kamera: Jean-Louis Vialard
Produktion: Zorba, Flash Forward Entertainment, Panache Productions, KGP Filmproduktion, ARTE France

Info: Die Seite von Moneyboys auf iMDb; Die Seite von Moneyboys auf der Webseite der Viennale