reign-of-silence-2013-marxt-kritik

REIGN OF SILENCE

      Keine Kommentare zu REIGN OF SILENCE

This post is also available in: Italiano (Italienisch)

von Lukas Marxt

Note: 8.5

In Reign of Silence sind die Bilder die großen Protagonisten. Es braucht nichts weiter, nicht einmal redundante Untertitel oder Musik. Pures Kino. Ein Regieansatz, der sicherlich extrem ist, aber auch unglaublich reif und bewusst. Ein Regieansatz, den Lukas Marxt über die Jahre hinweg beibehalten hat.

Konzentrische Kreise

Als scharfer Beobachter der Natur und des Verhältnisses zwischen ihr und dem Menschen hat sich der junge Regisseur Lukas Marxt durch seine respektvolle und kontemplative Regiearbeit sofort einen Namen in der österreichischen und internationalen Filmszene gemacht. Ein besonders ausgereifter Ansatz, der jeden seiner Kurz- und Dokumentarfilme zu einem kleinen und wertvollen Kunstwerk macht. Das ist zum Beispiel bei Filmen wie Double Dawn (2014), Imperial Valley (2017) oder Ralfs Farben (2019) der Fall, aber auch bei Reign of Silence, dem zweiten Kurzfilm des Regisseurs, aus dem Jahr 2013.

Reign of Silence zeigt uns eine ganz besondere Realität. Wir befinden uns in der wildesten Natur, in der Nähe eines kleinen Bergsees. Alles ist ruhig. Dann passiert plötzlich etwas Unerwartetes. Ein Motorboot fährt von rechts ins Bild ein. Es positioniert sich in der Mitte des Sees und beginnt sich zu drehen, wobei es konzentrische Kreise auf die Oberfläche des Sees zeichnet. Wenn es fertig gezeichnet hat, verlässt es langsam das Bild und bewegt sich nach links.

Wilde Natur und die Anwesenheit vom Menschen. In Reign of Silence wird diese einzigartige Beziehung ebenfalls inszeniert. Auch hier sehen wir, wie zwei völlig unterschiedliche Realitäten in Harmonie koexistieren und etwas Schönes, etwas Hypnotisches und wunderbar Vollkommenes schaffen können. Lukas Marxt, der sich schon immer für die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur interessiert hat, zeigt uns all dies, ohne um jeden Preis eine präzise Theorie formulieren zu wollen. Im Gegenteil, der Regisseur hält einfach inne, um still und respektvoll zu beobachten, was sich vor seinen Augen und der Linse seiner Kamera abspielt. Und das mit einer einzigen Kameraaufnahme.

In Reign of Silence sind die Bilder die großen Protagonisten. Es bedarf keiner weiteren Elemente, nicht einmal redundanter Untertitel oder Musik. Pures Kino. Ein Regieansatz, der sicherlich extrem ist, aber auch unglaublich reif und bewusst. Ein Regieansatz, den Lukas Marxt über die Jahre beibehalten hat, auch bei den Dreharbeiten zu Ralfs Farben wo kurze Interviews und Locationwechsel oft unvermeidlichren waren. Doch auch hier ist der Regisseur sich selbst und seiner Poetik treu geblieben.

Wenn man seine Filmografie und seinen sehr persönlichen Stil betrachtet, wird man unweigerlich an Filmemacher wie James Benning (der ebenfalls eine besondere Vorliebe für den Dokumentarfilm hat) oder Michelangelo Frammartino (der sich dagegen hauptsächlich dem Spielfilm verschrieben hat) erinnert. Sie alle bevorzugen, wie auch Marxt, ein langes Schweigen, um die Kraft der Bilder zu verstärken. Sie alle haben im Laufe ihrer langen und respektablen Karriere bewiesen, dass sie dem besonderen und oft problematischen Verhältnis zwischen Natur und Mensch selbst große Aufmerksamkeit schenken. Lukas Marxt erinnert jeden von ihnen und hat es gleichzeitig geschafft, Filme zu drehen, die ganz persönlich sind. Und in seinem wertvollen, kleinen Reign of Silence kann man bereits wichtige Merkmale seines Ansatzes zur siebten Kunst erkennen. Ein kurzer, aber eindrucksvoller Film, den man mit Staunen und Ehrfurcht betrachten sollte, um alle Emotionen, die eine unerwartete Begegnung auslösen kann, zu genießen.

Titel: Reign of Silence
Regie: Lukas Marxt
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 2013
Laufzeit: 8’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Lukas Marxt
Kamera: Lukas Marxt
Produktion: Lukas Marxt

Info: Die Seite von Reign of Silence auf der Webseite von Lukas Marxt; Die Seite von Reign of Silence auf iMDb