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ANTARES

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von Götz Spielmann

Note: 7.5

Aufgeteilt in drei Episoden, ist Antares ein komplexes und vielschichtiges Fresko der heutigen Gesellschaft. Drei Geschichten, drei verschiedene Lebensstile, ein Schauplatz. Antares erzählt nicht nur von unmöglicher Liebe, verzweifelter Liebe, gequälter Liebe und heimlicher Liebe. Antares inszeniert Liebe als Utopie, ein ständiges, verzweifeltes Bedürfnis nach Liebe, das oft ein tiefes Gefühl der Einsamkeit erzeugt.

Unter dem Himmel von Wien

Antares ist der hellste Stern im Sternbild Skorpion. In der Astrologie ist Skorpion das Sternzeichen der Leidenschaft. Und es sind genau brennende Leidenschaften – zusammen mit einem tiefen Gefühl von Einsamkeit und manchmal Verwirrung -, die die Protagonisten von Antares, einem tiefen, schmerzvollen, aber auch unglaublich poetischen und intimen Chorfilm von Götz Spielmann aus dem Jahr 2004, antreiben. Ein Film, der Zweifel, Leidenschaften und Ängste, die uns allen innewohnen, inszeniert. Ein Werk, das in den Wiener Vorstädten spielt und dennoch Geschichten erzählt, die völlig universell sind.

Es sind die Geschichten von Eva (gespielt von Petra Morzé) – verheiratet und mit einer Tochter, die als Krankenschwester arbeitet und ihren Mann mit Tomasz (Andreas Patton) betrügt, Sonja (Susanne Wuest) – verlobt mit Marco (Dennis Cubic) und verängstigt, dass ihr Freund sie betrügen könnte – und schließlich Nicole (Martina Zinner), eine alleinerziehende Mutter, die versucht, ein neues Leben zu beginnen, aber ständig von Alex (Andreas Kiendl), ihrem Ex-Mann, bedroht wird.

Viele Geschichten, so viele Figuren. Geschichten, die sich unweigerlich kreuzen, berühren und gegenseitig beeinflussen. Götz Spielmann erzählt all diese Geschichten mit Sorgfalt und Sensibilität, ohne jemals rhetorisch oder wertend zu sein. Er lässt sich von vergangenen Filmen inspirieren (man muss zum Beispiel an Amores Perros von Alejandro González Iňarritu denken, vor allem in Bezug auf einen Autounfall zu Beginn des Films), aber gleichzeitig entsteht ein ganz persönlicher Film, der perfekt zu seiner Filmografie passt, auch dank einer lebendigen Erotik und Atmosphären mit einem willkommenen Noir-Nachgeschmack.

Aufgeteilt in drei Episoden, ist Antares ein komplexes und vielschichtiges Fresko der zeitgenössischen Gesellschaft. Drei Geschichten, drei verschiedene Lebensstile, ein einziger Schauplatz (ein großes Vorstadthaus). Sieben Figuren an einem Wendepunkt, die verzweifelt nach sich selbst suchen, sich aber nicht immer finden. Antares erzählt nicht nur von unmöglicher Liebe, verzweifelter Liebe, gequälter Liebe und heimlicher Liebe. Antares inszeniert Liebe als Utopie, ein ständiges, verzweifeltes Bedürfnis nach Liebe, das oft ein tiefes Gefühl der Einsamkeit erzeugt. Jeder der Charaktere ist auf seine Weise allein. Eva ist allein und fühlt sich nur bei ihren heimlichen Begegnungen mit Tomasz lebendig. Tomasz ist allein, hat eine Familie, hat aber oft das Bedürfnis, weit weg zu fliehen. Alfred (Hary Prinz), Evas Ehemann, ist allein und spürt, dass sich seine Frau unwiederbringlich von ihm entfremdet. Auch Sonja und Nicole sind allein: Erstere ist sich der Liebe ihres Freundes nicht sicher, letztere muss sich und ihr Kind oft allein vor ihrem Ex-Mann schützen. Sie alle haben viel mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Jeder von ihnen ist schuldig und unschuldig zugleich. Wird es für sie jemals eine Chance auf Rettung geben?

Götz Spielmann hat komplexe, äußerst lebendige und pulsierende Charaktere geschaffen, die auch auf der Leinwand durch eine hervorragende Besetzung zum Leben erweckt werden. Es liegt an den Darstellern, den ganzen Film auf ihren Schultern zu tragen. Besonderes Augenmerk legte Spielmann auf die sensible und sorgfältige Arbeit mit den Schauspielern selbst. Und das Ergebnis spricht für sich selbst. Die Kamera folgt jedem von ihnen getreu und wählt einen minimalistischen Regieansatz, achtet aber auf jedes einzelne Detail, wie Objekte, manchmal klaustrophobische Wohnungen, Fotos, die in einem Hotelzimmer aufgenommen wurden, oder Autos, die nachts durch die Straßen von Wien rasen. Ein Wien, das zum stummen Zeugen von Geheimnissen und Leidenschaften wird, von denen fast niemand je erfahren wird.

Titel: Antares
Regie: Götz Spielmann
Land/Jahr: Österreich / 2004
Laufzeit: 105’
Genre: Drama, Chorfilm
Cast: Petra Morzé, Andreas Patton, Hary Prinz, Susanne Wuest, Dennis Cubic, Andreas Kiendl, Martina Zinner, Xenia Ferchner, Angelika Niedetzky, Johannes Thanheiser, Sasica Jovic, Melanie Kocsan, Jay Lee, Michaela Obertscheider, Wolfram Schmidt
Buch: Götz Spielmann
Kamera: Martin Gschlacht
Produktion: Lotus Film, TeamFilm Produktion, Filmfonds Wien, Österreichisches Filminstitut, ORF

Info: Die Seite von Antares auf iMDb