bilder-von-der-front-fiktion-oder-realitat-cinema-austriaco

BILDER VON DER FRONT – FIKTION ODER REALITÄT?

This post is also available in: Italiano (Italienisch)

In den Dokumentarfilmen aus dem Ersten Weltkrieg entschieden Kamera und Schnitt darüber, was dem Zuschauer gezeigt werden sollte, welche Bilder von der Front die Idee des Krieges am besten vermitteln und das Publikum beeindrucken konnten, während sie gleichzeitig das Bild eines siegreichen Österreichs zeichneten.

Das Reale wird zum Spektakulären

Die Kriegsbilder wirken im Kino besonders lebendig und pulsierend. Selbst wenn es sich um eine einfache Dokumentation handelt. Selbst wenn die Kameras noch rudimentär sind und die Menschen noch mit dieser neuen Erfindung, dem Kino, experimentieren. Bilder von der Front, die eine besondere visuelle und emotionale Wirkung haben, sind daher das erste, was in den Kriegsreportagen des Ersten Weltkriegs hängen bleibt. Diese Dokumentarfilme sind nicht nur aus historischer Sicht, sondern auch aus ästhetischer Sicht besonders interessant.

In diesen Filmen entschieden Kamera und Schnitt darüber, was dem Zuschauer gezeigt werden sollte, welche Bilder von der Front die Idee des Krieges am besten vermitteln und das Publikum beeindrucken konnten, während sie gleichzeitig das Bild eines siegreichen Österreichs zeichnen. Und das Endergebnis war das Resultat einer sorgfältigen Studie des Bildes, die sich auch an dem orientierte, was in der Welt erreicht worden war.

Der Dokumentarfilm Die unvollständig wiederhergestellte Station in Kopyczynce aus dem Jahr 1916, der von Sascha-Film produziert wurde, ist in dieser Hinsicht besonders anschaulich. Der Film spielt an der Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Russland, in Galizien. Ein strategischer Ort, der während des Krieges oft Schauplatz blutiger Schlachten war.

Hier befinden wir uns jedoch im Bahnhof Kopyzynce (dessen Name in einer der Aufnahmen deutlich zu lesen ist), der als strategischer Logistikpunkt gilt. Die markantesten Bilder des Films werden hier gezeigt. Es ist Winter. Eine Gruppe aufgeregter Kinder wartet ungeduldig auf eine Militärparade. Eine kleine Gruppe besonders unkoordinierter Soldaten marschiert durch die Straßen der Stadt und salutiert vor dem Bürgermeister und den Behörden. Dann passiert plötzlich etwas Unerwartetes.

In diesem Moment taucht ein Mann vom Militär auf der Leinwand auf. Es handelt sich jedoch nicht um einen einfachen Militärangehörigen, sondern um eine echte fiktive Figur. Eine Figur, die der Meister Ernst Lubitsch später in seinem Film Die Bergkatze (1921) verwenden wird. Hier treffen also Realität und Fiktion aufeinander und schaffen etwas für die damalige Zeit völlig Neues und Innovatives. Aber das ist noch nicht alles.

Die zweite Hälfte des Films ist besonders interessant. In diesem Moment setzten die Russen nämlich einige Tankstellen in Brand. Rauch und Flammen werden zu den Hauptprotagonisten. Auch wenn sich die Kamera in Richtung Hafen bewegt. Zahlreiche Aufnahmen sind diesem besonderen Ereignis gewidmet, und die visuelle Wirkung der Flammen wird durch die Verwendung von Farben in der Virage-Technik noch weiter verstärkt. Das Reale wird zum Spektakulären und gleichzeitig ähnelt alles immer mehr der Realität. Die Bilder von der Front vermittelten dem Zuschauer den Eindruck, Teil der Welt zu sein, die von der Kamera gefilmt wurde.

Fiktion und Realität hatten einen besonderen Treffpunkt gefunden und ein hybrides Produkt geschaffen. Eine wertvolle Kriegsdokumentation, bei der allerdings die Kamera selbst entschied, was und wie gezeigt werden sollte. Das Kino wurde immer selbstbewusster.

Bibliographie: Das tägliche Brennen: eine Geschichte des österreichischen Films von den Anfängen bis 1945, Elisabeth Büttner, Christian Dewald, Residenz Verlag
Info: Die Seite von Die Bergkatze von Ernst Lubitsch auf iMDb