kundgebung-fur-kaiser-franz-joseph-vor-dem-brigittenauer-kino-anlasslich-seines-geburtstages-1910-verschiedene-autoren-kritik

KUNDGEBUNG FÜR KAISER FRANZ JOSEPH VOR DEM BRIGITTENAUER KINO ANLÄSSLICH SEINES GEBUTRSTAGES

This post is also available in: Italiano (Italienisch)

von Verschiedene Autoren

Note: 7

Die Faszination für die siebte Kunst wird in Kundgebung für Kaiser Franz Joseph vor dem Brigittenauer Kino anlässlich seines Geburtstages in ihrer ganzen Kraft vermittelt. Und obwohl die Filmkunst schon vor einigen Jahren erfunden worden war, war sie in Ö sterreich immer noch etwas Außergewöhnliches.

Zu Ehren des Kaisers

Als sich die Filmkunst in Österreich zu verbreiten begann, waren es vor allem Kameraleute aus Frankreich, die zum ersten Mal in Wien filmten. Erst einige Jahre später begannen die ersten einheimischen Produktionsfirmen, Filme in Wien zu produzieren. Und wenn sie es taten – etwa ab 1906 -, dann entschieden sie sich zunächst für einen dokumentarischen Ansatz, so wie es die Brüder Lumière getan hatten. Der Dokumentarfilm Kundgebung für Kaiser Franz Joseph vor dem Brigittenauer Kino anlässlich seines Geburtstages aus dem Jahr 1910 – einer der seltensten Dokumentarfilme, die je in Österreich gedreht wurden – stellt in dieser Hinsicht einen typischen Film dar, der offizielle Ereignisse oder Kunst- und Naturschönheiten dokumentierte und auch für den Auslandsvertrieb gedacht war.

Man schreibt das Jahr 1910. Kaiser Franz Joseph I. feierte gerade seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass wurde eine kleine Veranstaltung vor dem Brigittenauer Kino (das jetzt leider für immer geschlossen ist) organisiert. Am Eingang des Kinos war ein kaiserliches Wappen zu sehen, und eine kleine jubelnde Menge stand bereit, um ihm zu applaudieren.

Ein „kaiserlicher“ Geburtstag war zweifelsohne etwas Außergewöhnliches. Und wenn wir uns an diese Zeit denken, muss es noch außergewöhnlicher gewesen sein, einen Kameramann mit einer Kamera dabei zu haben.

So ist es in Kundgebung für Kaiser Franz Joseph vor dem Brigittenauer Kino anlässlich seines Geburtstages nicht ungewöhnlich, dass sich einige der jubelnden jungen Leute – alle von hinten gefilmt – umdrehen und in die Kamera lächeln oder amüsiert nicken. Es gibt sogar welche, die plötzlich seitlich aus der Aufnahme herausschauen, um einen genaueren Blick auf die Funktionsweise dieses seltsamen neuen Mediums zu erhaschen.

Die Faszination für die siebte Kunst wird daher in Kundgebung für Kaiser Franz Joseph vor dem Brigittenauer Kino anlässlich seines Geburtstages in ihrer ganzen Kraft vermittelt. Und obwohl die Erfindung des Kinematographen schon einige Jahre zurücklag, war dies in Österreich immer noch etwas Außergewöhnliches. Man experimentierte noch und machte sich mit diesem neuen Medium vertraut. Dies zeigt sich auch in der eher rudimentären Regie, die in diesem Dokumentarfilm nur zwei Kameraeinstellungen vorsieht, die ausschließlich mit einer starren Kamera gedreht werden.

Die österreichische Filmgeschichte musste erst noch geschrieben werden. Und die ersten Entwürfe waren endlich fertiggestellt. Und wenn man sich heute ein Werk wie Kundgebung für Kaiser Franz Joseph vor dem Brigittenauer Kino anlässlich seines Geburtstages ansieht, kann man nicht anders, als von seinem naiven und zärtlich-amüsanten Regieansatz fasziniert zu sein.

Titel: Kundgebung für Kaiser Franz Joseph vor dem Brigittenauer Kino anlässlich seines Geburtstages
Regie: Verschiedene Autoren
Land/Jahr: Österreich / 1910
Laufzeit: 2’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Verschiedene Autoren
Kamera: Verschiedene Autoren
Produktion: Verschiedene Autoren

Info: Die Webseite des Filmarchiv Austria