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EPISODE

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von Walter Reisch

Note: 8

Episode zeichnet sich vor allem durch seine besonders elegante Inszenierung aus. Eine stilistische Anmut, die sich als perfekt passend zu einer zarten, aber mutigen Geschichte erweist, die den Weitblick von Walter Reisch selbst sofort erkennen lässt. Coppa Volpi für Paula Wessely bei den Filmfestspielen von Venedig 1935.

Peinliche Missverständnisse

Ein bemerkenswerter Film, Walter Reischs Episode. Der erste Spielfilm als Regisseur des berühmten Drehbuchautors fällt zwar voll und ganz in den Kanon des Wiener Films, aber im Gegensatz zu dem, was zur gleichen Zeit gedreht wurde, geht es hier nicht nur darum, mit einer zarten Liebesgeschichte zu träumen, das üppige Leben der Wiener Bourgeoisie am Ende des Jahrhunderts zu bewundern oder die Musik der großen Komponisten der Geschichte zu schätzen. Bei dieser Gelegenheit werden nämlich (fast) zum ersten Mal brisante Themen wie Armut, die Lage der Frauen und ihre Rolle in der Gesellschaft behandelt. Zweifelsohne wurde damit oft umgegangen. Und doch kam dies im Kontext des Wiener Films und vor allem in einer so schwierigen Zeit wie den 1930er Jahren in Deutschland und Österreich nicht sehr oft vor.

Doch Walter Reischs Mut und Talent setzten sich durch. Und bevor er gezwungen war, in die Vereinigten Staaten auszuwandern, konnte der Regisseur und Drehbuchautor in seiner Heimat eine gewisse Freiheit genießen und mit neuen Formen der Realitätserzählung experimentieren. Im Fall von Episode haben wir es also mit einem Film zu tun, der heute einen echten Meilenstein in der österreichischen Filmgeschichte darstellt.

Episode wurde 1935 bei den Filmfestspielen von Venedig im Wettbewerb präsentiert, wo die Schauspielerin Paula Wessely mit der Coppa Volpi ausgezeichnet wurde, und erzählt die Geschichte der jungen Studentin Valerie (Wessely), die nach dem Selbstmord eines Bankiers, der ihr und ihrer Mutter (Rosa Albach-Retty) Eigentum besaß, in Schwierigkeiten gerät. Doch eines Tages bietet ihr der wohlhabende Sammler Otto Torresani an, einige ihrer Werke zu kaufen, um ihr finanziell zu helfen. Das Mädchen glaubt zunächst, dass der Mann eine Gegenleistung will und lehnt das Angebot ab. Sie merkt jedoch bald, dass er ihr wirklich helfen will, indem er sie von Zeit zu Zeit pflegt, und die beiden werden Freunde. Ihre Freundschaft führt jedoch zu zahlreichen Missverständnissen, sowohl mit Torresanis Familie als auch mit Karl Kinz (gespielt von Karl Ludwig Diehl), dem Vormund der Kinder des Sammlers.

Episode zeichnet sich daher vor allem durch seine besonders elegante Inszenierung aus. Eine stilistische Anmut, die perfekt zu einer zarten, aber mutigen Geschichte passt, die sofort Reischs Weitblick offenbart (man darf nicht vergessen, dass der Autor, sobald in Hollywood, erfolgreiche Filme wie Ernst Lubitschs Ninotschka und George Cuckors Das Haus der Lady Alquist schreiben und einen Oscar für das Beste Drehbuch für Jean Negulescos Untergang der Titanic gewinnen sollte).

In Episode hatte Reisch also keine Angst, mutig zu sein, keine Angst, seinem Film einen für die damalige Zeit völlig neuen Charakter zu geben. Trotz der schwierigen politischen Bedingungen in einem Österreich, in dem selbst Film-, Theater- und Literaturschaffende nicht die wohlverdiente Meinungsfreiheit genossen. Reisch hingegen konnte sich, zumindest in den ersten Jahren, einer gewissen Freiheit erfreuen. Und 1935 schenkte er uns dieses kleine Juwel der österreichischen Filmgeschichte. Ein unvergessliches Juwel, das dazu beigetragen hat, ihn über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen, das wichtige Überlegungen und Debatten ermöglicht hat und das sich auch durch die hervorragende Leistung der großartigen Paula Wessely auszeichnet, die bereits ein Jahr zuvor – dank Maskerade, unter der Regie von Willi Forst und nach einem Drehbuch von Reisch selbst – die Herzen des Publikums am Lido und in der ganzen Welt endgültig erobert hatte.

Titel: Episode
Regie: Walter Reisch
Land/Jahr: Österreich / 1935
Laufzeit: 105’
Genre: Filmkomödie, Liebesfilm
Cast: Paula Wessely, Karl Ludwig Diehl, Otto Treßler, Erika Wagner, Georg Tressler, Wolf-Dieter Tressler, Friedl Czepa, Ferdinand Mayerhofer, Walter Janssen, Rosa Albach-Retty, Fritz Imhoff, Ernst Arnold, Liesl Handl, Wilhelm Heim, Dorothy Poole, Maria Eis, Eva Maria Jobst
Buch: Walter Reisch
Kamera: Harry Stradling
Produktion: Viktoria-Film, Walter Reisch Filmproduktion

Info: Die Seite von Episode auf iMDb