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LUISE ULLRICH – LIEBLICHE REISENDE

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In ihrer langen und produktiven Karriere hat Luise Ullrich hauptsächlich verwundbare, empfindliche Frauen, liebevolle Mütter und Ehefrauen gespielt, die ständig auf die Rückkehr ihrer Ehemänner aus dem Krieg warteten. Die Schauspielerin hat sich aber vor allem durch ihre Vielseitigkeit ausgezeichnet. Coppa Volpi bei den Filmfestspielen von Venedig 1941 für Annelie von Josef von Báky.

Ein unverwechselbares Lächeln

Unvergesslich ist die zarte und lebhafte Großmutter aus der (leider) wenig bekannten Serie Acht Stunden sind kein Tag, die der geniale Rainer Werner Fassbinder 1972 inszenierte. Dass diese liebenswerte Figur den Zuschauern der Serie im Gedächtnis geblieben ist, ist (auch) der hervorragenden Leistung von Luise Ullrich zu verdanken, die sich mit ihrer quirligen und mitreißenden Persönlichkeit in dieser Rolle besonders wohl fühlte. Im Laufe ihrer langen und produktiven Karriere hat Ullrich jedoch alle möglichen Rollen verkörpert, mit einer Vorliebe für verwundbare, empfindliche Frauen, liebende Mütter und Ehefrauen, die ständig auf die Rückkehr ihrer Ehemänner aus dem Krieg warteten. Aber Luise Ullrich hat sich immer vor allem durch ihre Vielseitigkeit ausgezeichnet.

Aloisia Elisabeth Ullrich wurde am 31. Oktober 1910 in Wien geboren. Ihr Vater Richard Ullrich war Offizier in der österreichisch-ungarischen Armee, während ihre Mutter, Aloisia Bernert, Geigerin war. Die junge Luise begann im Alter von vierzehn Jahren ein Schauspielstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und erhielt bereits als Teenager erste Engagements am Volkstheater. Doch schon bald machte sie sich auch außerhalb ihres Heimatlandes einen Namen und erhielt 1932 ein Engagement am Lessing-Theater in Berlin. Dort wurde der österreichische Regisseur Luis Trenker bei einem Auftritt auf sie aufmerksam und wählte sie für die Rolle der Erika im Film Der Rebell (1932) aus.

Von da an arbeitete Luise Ullrich ununterbrochen, kehrte nach Österreich zurück und begann, mit den wichtigsten Regisseuren der Zeit zusammenzuarbeiten, darunter Willi Forst (in Leise flehen meine Lieder, 1933), Max Ophüls (in Liebelei, 1933), Werner Hochbaum (Vorstadtvarieté, 1935, und Schatten der Vergangenheit, 1936) und Josef von Báky, mit dem sie in Annelie zusammenarbeitete, der 1941 bei den Filmfestspielen von Venedig vorgestellt wurde, wo die Schauspielerin die Coppa Volpi für die Beste Darstellerin erhielt und endlich weltberühmt wurde.

So spielte Luise Ullrich sowohl während des Zweiten Weltkriegs als auch in der Nachkriegszeit oft gequälte Frauen, die besonders viel Pech in der Liebe hatten (wie zum Beispiel in Vorstadtvarieté) oder treusorgende Ehefrauen und liebevolle Mütter, die sich vor allem dem Familienleben widmeten (siehe zum Beispiel Annelie oder Nachtwache von Harald Braun, 1949). Doch all diese Protagonistinnen waren in Wirklichkeit ganz anders als Luise Ullrich selbst. Die Schauspielerin war bekannt für ihren fröhlichen und mutigen Charakter und ihre abenteuerliche Art. Sie war eine begeisterte Reisende, die die Welt auf ihrem Pony und mit ihrem Zelt bereiste. Auf diese Weise besuchte sie zum Beispiel Island, aber ihre wahre Leidenschaft galt Südamerika. In Lima lernte sie ihren zukünftigen Ehemann, den Flieger Wulf-Diether Graf zu Castell-Rüdenhausen, kennen, den sie 1942 heiratete und mit dem sie zwei Töchter bekam: Gabriela (1944) und Michaela (1945 – 2011).

In den letzten Jahren ihrer Karriere widmete sich Luise Ullrich immer weniger dem Theater und der Filmwelt, sondern bevorzugte kleine Rollen in Fernsehfilmen und -serien. Fassbinders Acht Stunden sind kein Tag ist eines ihrer letzten und wichtigsten Werke. Eine Serie, in der sie endlich eine ganz unterschiedliche Figur spielen konnte, als die, die sie jahrelang gespielt hatte.

Nach der Veröffentlichung ihrer Memoiren 1972 und eines spannenden Reiseberichts 1985 starb Ullrich am 21. Januar desselben Jahres in München, wo sie auf dem Waldfriedhof Grünwald begraben wurde. Nicht umsonst gilt Luise Ullrich heute als eine der wichtigsten Darstellerinnen in der österreichischen Filmgeschichte. Es ist kein Zufall, dass sich viele Menschen noch an ihr strahlendes Gesicht und ihr unverwechselbares Lächeln erinnern, das sofort Fröhlichkeit und Optimismus vermittelte. Die von ihr gespielten Frauen werden den Zuschauern noch viele, viele Jahre in Erinnerung bleiben. Und bei den Filmfestspielen von Venedig 1941 wurde dies schließlich vielen Menschen klar.

Info: Die Seite von Luise Ullrich auf iMDb