auf-der-donau-zwischen-wien-und-budapest-1912-verschiedene-autoren-kritik

AUF DER DONAU ZWISCHEN WIEN UND BUDAPEST

This post is also available in: Italiano (Italienisch) English (Englisch)

von Verschiedene Autoren

Note: 7

Der Dokumentarfilm Auf der Donau zwischen Wien und Budapest, der 1912 von Welt-Film produziert wurde und nur knapp zwei Minuten dauert, hebt wichtige Klassen- und Lebensunterschiede hervor, die vor allem auf dem Land und in den Kleinstädten zu finden sind.

Die andere Seite des Kaiserreichs

Wien und Budapest. Die beiden großen Hauptstädte der österreichisch-ungarischen Monarchie. Zwei große Metropolen, in denen das Wohlergehen aller Bürger eine große Rolle zu spielen scheint. Zumindest oberflächlich betrachtet. Denn wenn in den letzten Lebensjahren des Kaiserreichs die großen Städte uns als Orte des guten Lebens, des wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs und des Prunks erschienen, so änderte sich alles, sobald wir uns von den Großstädten entfernten. Der Dokumentarfilm Auf der Donau zwischen Wien und Budapest , 1912 von Welt-Film produziert und knapp zwei Minuten lang, unterstreicht in dieser Hinsicht genau diese wichtigen Klassen- und Lebensunterschiede, die vor allem auf dem Land und in den Kleinstädten zu finden sind.

Auf der Donau zwischen Wien und Budapest – kürzlich vom Filmarchiv Austria anlässlich der Online-Retrospektive Kino auf Sommerfrische wieder der Öffentlichkeit präsentiert – spielt sich komplett an Bord eines Schiffes ab. Die Kamera wurde auf dem Boot platziert, so wie es seit einigen Jahren üblich war, wenn optimale Panoramaaufnahmen von Städten in der Nähe von Meeren oder Flüssen aufgenommen werden sollten. Und so sind auch in diesem Fall eindrucksvolle Stadt- und Vorstadtansichten – zusammen mit sporadischen Bildern von eleganten Bürgern bei entspannten Sommerspaziergängen – die absoluten Protagonisten. Oder vielleicht nicht?

Bei der Betrachtung dieses Dokumentarfilms ist es wichtig, zwischen den Zeilen lesen zu können. Obwohl der Kameramann in erster Linie die Schönheit und Pracht der beiden großen Hauptstädte hervorheben wollte, filmte er zwangsläufig auch das Geschehen auf dem Lande, wo das Leben einige Jahrzehnte zuvor zum Stillstand gekommen zu sein schien.

Und wenn man bedenkt, dass solche Dokumentarfilme hauptsächlich Landschaften und Städte beleuchten sollten, um das Bild eines Österreichs zu vermitteln, in dem Wohlstand herrschte, dann erscheinen die Kameraaufnahmen fast als eine Art ungewollter „Protest“ angesichts der Richtlinien, die bei den Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm zu beachten waren. Und trotz allem sprechen die Bilder für sich selbst. Und sie stehen oft in starkem Gegensatz zu den Wundern der Stadt und all den Denkmälern, die man von Zeit zu Zeit sieht.

Mehr als ein Jahrhundert nach seiner Entstehung wirkt der Dokumentarfilm Auf der Donau zwischen Wien und Budapest gerade deshalb umso faszinierender. Es handelt sich um ein stilles und bedeutendes Zeugnis einer entscheidenden Epoche für das österreichisch-ungarische Reich und die ganze Welt. Etwa zwei Jahre später brach der Erste Weltkrieg aus. Bestimmte Situationen würden sich unweigerlich für immer verändern.

Titel: Auf der Donau zwischen Wien und Budapest
Regie: Verschiedene Autoren
Land/Jahr: Österreich / 1912
Laufzeit: 2’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Verschiedene Autoren
Kamera: Verschiedene Autoren
Produktion: Welt-Film

Info: Die Webseite des Filmarchiv Austria