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HIS BAG

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von Peter Patzak

Note: 8

Film und Malerei koexistieren harmonisch in His Bag. Peter Patzak tritt vor die Kamera und wird zum Hauptdarsteller. Alles, was er sieht, wird zu wertvollem und entscheidendem Material. Und so zeigt sich dieser kleine und feine Kurzfilm sofort als eine wahre Liebeserklärung an die Kunst in all ihren Formen.

Die Geburt eines Kunstwerkes

Am 11. März 2021 verstarb der Regisseur Peter Patzak. Er war einer der vielseitigsten Filmemacher Österreichs, der sich auf jedes Genre – mit einer Vorliebe für den Krimi – beziehen konnte und seinen Werken jedes Mal einen sehr persönlichen Stil verlieh. Dies gilt sowohl für einige Episoden von Fernsehserien, die er gedreht hat, als auch für seine Spielfilme. Doch seine Vorliebe für den Experimental- und Anti-Narrativfilm zeigt sich bereits in seinen ersten Kurzfilmen, die zwischen den späten 1960er und den frühen 1970er Jahren entstanden. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der Kurzfilm His Bag aus dem Jahr 1967, der sich nicht nur durch seine ständige Suche nach einer neuen Filmsprache auszeichnet, sondern auch durch ein Thema, das dem Regisseur selbst besonders am Herzen lag.

Peter Patzak ist im Begriff, ein Bild zu malen. Ein lebendiges, farbenfrohes, abstraktes Gemälde. Aber um seine Aufgabe zu erfüllen, braucht er die richtige Inspiration. Was wäre da besser geeignet als ein langer Spaziergang in Wien, in seinem Wien? Die rote Farbe kommt aus einer Tube. Dann wird plötzlich alles rot: Menschen, das Haus, die Stadt. Diegetische Musik, Stille, der Klang eines Herzschlages. All dies erweckt ein Kunstwerk zum Leben und stellt gleichzeitig den Prozess dar, der der Schaffung eines anderen Kunstwerks vorausgeht.

Film und Malerei koexistieren harmonisch in His Bag. Peter Patzak tritt vor die Kamera und wird zum Hauptdarsteller. Alles, was er sieht, wird zu wertvollem Material. Wertvolles und wichtiges Material. Die Stadt Wien wirkt lebendiger und pulsierender denn je. Und so wirkt dieser kleine, feine Kurzfilm sofort wie eine wahre Liebeserklärung an die Kunst. Eine Liebeserklärung an die Kunst in all ihren Formen. Sein und Werden.

In His Bag sind keine überflüssigen Dialoge oder Bildunterschriften erforderlich. Die Bilder sprechen für sich selbst und folgen alle zusammen einem präzisen roten Faden. Alles spielt sich im Laufe eines einzigen Tages ab. Ein Tag von großer Bedeutung für Peter Patzak. Ein ereignisreicher, besonders produktiver und ideenreicher Tag. Und His Bag zeigt uns genau das: Die ständige Suche nach Schönheit, nach Perfektion, die Sehnsucht nach dem Schaffen. Dieser kurze, kraftvolle, aber auch besonders lebendige und farbenfrohe Film von Peter Patzak offenbart sofort eine gute Kenntnis der Filmsprache und einen großen Mut, die Regeln der Inszenierung zu überwinden.

Wir befinden uns also im Jahr 1967. Bereits seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte Österreich begonnen, dem Experimentalfilm besondere Aufmerksamkeit zu schenken. In den 1960er Jahren konnte das Avantgardekino bereits auf zahlreiche führende Persönlichkeiten verweisen. Peter Patzak war einer von ihnen. Und obwohl er im Laufe seiner Karriere auch Serien und Spielfilme mit einer eher klassischen Inszenierung drehte, hat er seinen unverwechselbaren, sehr persönlichen und äußerst zukunftsorientierten Ansatz nie aufgegeben.

Titel: His Bag
Regie: Peter Patzak
Land/Jahr: Österreich / 1967
Laufzeit: 13’
Genre: Experimentalfilm
Cast: Peter Patzak
Buch: Peter Patzak
Kamera: Alfred Vendl
Produktion: Peter Patzak

Info: Die Webseite von Peter Patzak; Die Seite von His Bag auf iMDb