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BUT BEAUTIFUL

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von Erwin Wagenhofer

Note: 7

But Beautiful geht von einem Diskurs aus, der aktueller denn je ist: Respekt für die Umwelt, die Lage der Frauen und die dringende Notwendigkeit, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der die zwischenmenschlichen Beziehungen immer oberflächlicher zu werden scheinen, da wir alle dazu neigen, immer mehr individualistisch zu werden. Preisträger des Publikumspreises beim Österreichischen Filmpreis 2021.

Eine neue Gelassenheit

Wie schwierig ist es heute, das eigene Leben zu ändern? Und vor allem: Was ist wirklich wichtig im Leben? Dies sind Fragen, die sich jeder von uns schon oft gestellt hat, auf die wir jedoch nicht immer eine umfassende Antwort finden. Oder besser gesagt, nur wenige konnten sie genau beantworten. Zu ihnen gehören daher auch die ProtagonistInnen des Dokumentarfilms But Beautiful, der 2019 unter der Regie von Erwin Wagenhofer entstand und beim Österreichischen Filmpreis 2021 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.

Einige ungebildete Frauen bauen Solarzellen, die dann in die ganze Welt verkauft werden. Ein Ehepaar beschloss vor einigen Jahren, inmitten der Natur zu leben, das Land zu bewirtschaften und jedes Verhalten abzulehnen, das unserem Planeten in irgendeiner Weise schaden könnte. Ein geistiger Führer spricht darüber, wie wichtig es ist, Glück zu finden, und dass es nichts mit materiellen Gütern zu tun hat. Und schließlich erzählen uns einige Musiker, wie sie durch Musik eine fast „außerweltliche Dimension“ erreichen können.

But Beautiful basiert auf einem Thema, das aktueller denn je ist: Respekt für die Umwelt, die Situation der Frauen und die dringende Notwendigkeit, sich in einer Welt zurechtzufinden, in der zwischenmenschliche Beziehungen immer oberflächlicher zu werden scheinen, da wir alle dazu neigen, immer individualistischer zu werden. But Beautiful zeigt uns viele besondere Realitäten und das Leben derer, die den Mut hatten, sich zu verändern, sich zu entscheiden und ihre eigene Dimension zu finden.

Ein äußerst poetischer und kontemplativer Regieansatz spiegelt die buddhistische Philosophie wider, zu der sich einige der Protagonisten hier bekennen. Klassische Musik, Jazzmusik und vor allem Musiker bei der Arbeit oder bei der Überlegung über ihre Arbeit begleiten uns durch den Film. In But Beautiful fließt alles langsam und entspannt. Und der Regisseur scheut sich nicht, sich Zeit zu nehmen, damit sich der Zuschauer nicht nur in einer, sondern in vielen völlig neuen Welten wiederfindet. Viele mögliche Welten, die nicht einfach zu erreichen sind, aber zweifellos faszinierend und fesselnd sind.

Erwin Wagenhofer hingegen hat sich schon immer nicht nur für den Menschen selbst, sondern auch für die Umwelt, in der er lebt, interessiert. Man denke beispielsweise an Dokumentarfilme wie We feed the World (2005) oder Alphabet (2013), um nur einige Beispiele zu nennen. Die Bedeutung der Ernährung, der Schulbildung, aber auch die Beeinflussung des Menschen durch diese Elemente betreffen unser Alltag. In But Beautiful hat man jedoch den Eindruck, dass der Regisseur fast einen Schritt nach vorn gemacht hat. Jetzt geht es nicht mehr nur um das Alltägliche. Oder besser gesagt, nicht nur. Jetzt wird der Mensch in den Vordergrund gestellt. Der Mensch und sein ständiges, dringendes Bedürfnis nach Glück. Und Erwin Wagenhofer gelingt es perfekt, seine Absichten umzusetzen. Auch wenn es manchmal zu rhetorisch zugeht, ist But Beautiful gut ausbalanciert und schenkt uns zwei Stunden geistiges Wohlbefinden, auch dank der eindrucksvollen Bilder von Landschaften bei Sonnenuntergang, von weiten grünen Flächen, von endlich gelassenen Menschen, die den Mut hatten, wichtige Entscheidungen zu treffen.

Titel: But beautiful
Regie: Erwin Wagenhofer
Land/Jahr: Deutschland, Österreich / 2019
Laufzeit: 116’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Sabine Kriechbaum, Erwin Wagenhofer
Kamera: Erwin Wagenhofer
Produktion: Imagine Film Cooperation, Rommel Film, Prisma Film

Info: Die Webseite von But beautiful; Die Seite von But beautiful auf iMDb; Die Seite von But beautiful auf der Webseite der Austrian Film Commission