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CHRISTOPH WALTZ/HANS LANDA – DIE GEBURT EINER LEGENDE

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Dass der gnadenlose SS-Standartenführer Hans Landa in Inglourious Basterds (Quentin Tarantino, 2009) heute fast als Legende gilt, ist vor allem dem österreichischen Schauspieler Christoph Waltz zu verdanken. Ein von Tarantino selbst mit Sorgfalt ausgewählter Schauspieler, der sich mit Meisterhaftigkeit und Ironie im Herzen der Zuschauer festsetzte. Aber wie hat Tarantino erkannt, dass Waltz der richtige Schauspieler für seinen Hans Landa war?

Eine unerwartete Begegnung

Einer der beliebtesten Antagonisten aller Zeiten im Kino ist zweifellos der gnadenlose SS-Standartenführer Hans Landa, eine der erfolgreichsten Figuren im berühmten Film Inglourious Basterds, bei dem Quentin Tarantino 2009 Regie führte. Dass Hans Landa heute fast als Legende gilt, liegt aber neben der hervorragenden Qualität des Films vor allem am Schauspieler Christoph Waltz. Ein Schauspieler, der von Tarantino selbst mit Sorgfalt ausgewählt wurde, ein Schauspieler, der seine Figur auf eine Art und Weise charakterisieren konnte, wie man es nur selten sieht, ein Schauspieler, der mit Talent und Ironie die Herzen der Zuschauer gewann und sofort selbst das glorreiche Hollywood eroberte. Nach ihrer ersten Zusammenarbeit wurden Quentin Tarantino und Christoph Waltz gute Freunde. Und sie arbeiteten wieder zusammen (2012, während der Dreharbeiten zu Django Unchained). Aber wie haben sie sich kennengelernt? Wie hat Tarantino erkannt, dass Waltz der richtige Schauspieler für die Rolle seines Hans Landa war?

Bevor er Quentin Tarantino kennenlernte, war Christoph Waltz bereits seit Jahren als Schauspieler tätig, hatte aber hauptsächlich in deutschen oder österreichischen Filmen und Fernsehserien mitgewirkt. Der am 4. Oktober 1956 in Wien geborene Waltz ist der Sohn der Bühnen- und Kostümbildner Johannes Waltz und Elisabeth Urbancic. Seine Großmutter mütterlicherseits, Maria Mayen, war ebenfalls eine geschätzte Theaterschauspielerin.

Ursprünglich wollte Waltz nicht Schauspieler, sondern Kameramann werden. Doch schon bald entwickelte er eine Leidenschaft für die Schauspielerei und studierte zunächst am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien, dann am Lee Strasberg Theatre Institute in New York. Nach seinem Studium wirkte er schließlich in zahlreichen Theater-, Fernseh- und Filmproduktionen mit, darunter die Serien Tatort, Kommissar Rex, Derrick und die Filme Wahnfried (Peter Patzak, 1986), Schneller als das Auge (Nicolas Gessner, 1988), Sieben Monde (Peter Fratzscher, 1998) und Die Braut (Egon Günther, 1999).

Christoph Waltz spielte jedoch weiterhin Nebenrollen und seine Karriere gab ihm nicht die erhoffte Befriedigung. Auch nicht, als der Schauspieler nach einem kurzen Umzug in die USA in den Filmen Ein ganz gewöhnlicher Dieb (Thaddeus O’Sullivan, 2000) oder She (Timothy Bond, 2001) mitwirkte. Es war nicht einfach, so große Frustrationen zu ertragen. Zudem litt der Schauspieler unter Depressionen und hatte mehrere Probleme – bis hin zur Scheidung – mit seiner ersten Frau (Jackie, Psychotherapeutin), die ihm oft riet, seine Schauspielkarriere aufzugeben.

Doch für Christoph würde es nicht immer so sein. Ein anderer Mann würde sein Leben für immer verändern. Ein geschätzter Regisseur und leidenschaftlicher Cinephiler aus den Vereinigten Staaten, der gerade ein Drehbuch geschrieben hatte, aber Schwierigkeiten hatte, einen geeigneten Darsteller für eine der von ihm erschaffenen Figuren zu finden (seiner Meinung nach die schönste, aber auch die am schwierigsten zu spielende Figur, die er je geschrieben hatte). Die Rede ist von Quentin Tarantino. Tarantino konnte keinen Schauspieler für seinen Hans Landa finden und war kurz davor, die Dreharbeiten zu Inglourious Basterds aufzugeben. Er flog nach Berlin, beschloss aber, eine letzte Woche mit Casting zu verbringen, bevor er sich neuen Projekten widmen würde. In diesen Tagen geschah jedoch das Wunder.

Während eines Castings kam Christoph Waltz herein. In dem Moment, als der Schauspieler die ersten Zeilen las, war Tarantino sofort klar, dass der Film gedreht werden würde. Der Rest ist Geschichte. Um Landa zu verkörpern, spielte Waltz auf Deutsch, Englisch und Französisch (und lernte für die Gelegenheit sogar ein wenig Italienisch, um eine der lustigsten Szenen des Films zu spielen). Die Figur des Hans Landa wurde sofort legendär und die ganze Welt wurde schließlich auf Christoph Waltz aufmerksam, der den Darstellerpreis bei den Filmfestspielen von Cannes, einen Golden Globe und einen Oscar als Bester Nebendarsteller gewann.

Wie Christoph Waltz selbst bei seiner Dankesrede in Cannes zugab, hat er dank Quentin Tarantino seine künstlerische Berufung wiedergefunden. Dank ihm wurde jeder auf sein außergewöhnliches Talent aufmerksam. Nun musste er sich nicht mehr ausschließlich Nebenrollen widmen. Nun war er einer der begehrtesten Schauspieler in Hollywood. Diesem Erfolg folgte ein weiterer Oscar als Bester Nebendarsteller (2012 für Django Unchained, ebenfalls von Tarantino) sowie viele weitere erfolgreiche Kinofilme, darunter Der Gott des Gemetzels (Roman Polanski, 2011), Big Eyes (Tim Burton, 2014), James Bond 007: Spectre (Sam Mendes, 2015), Downsizing (Alexander Payne, 2017) und Georgetown, bei dem Waltz auch Regie führte.

Quentin Tarantino ist immer noch ein großer Freund von ihm. Als die beiden sich kennenlernten, wurde etwas Außergewöhnliches geboren, etwas, das die Filmwelt prägte. Hans Landa gilt heute als einer der besten Antagonisten der Filmgeschichte. Christoph Waltz ist eine der vielen Quellen des Stolzes für sein geliebtes Österreich.

Info: Die Seite von Christoph Waltz auf iMDb; Die Seite von Inglourious Basterds auf iMDb