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DAS HISTORISCHE PERCHTOLDSDORF

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von Verschiedene Autoren

Note: 6.5

Das historische Perchtoldsdorf – 1933 von Österreich in Bild und Ton produziert – ist Teil einer Reihe von Propagandadokumentationen, die vor allem in den 1930er und 1940er Jahren in Österreich gedreht wurden.

Mittelalterliche Atmosphäre

Perchtoldsdorf ist ein ehemaliger Marktplatz bei Wien. Untergebracht in einer beeindruckenden mittelalterlichen Festung, bietet die Anlage zahlreiche Attraktionen – darunter einen imposanten Festungsturm, die Dreifaltigkeitssäule, eine Kirche und die Ruinen eines alten Herrenhauses. Welcher Film könnte also die Kraft eines solchen Ortes besser vermitteln als Das historische Perchtoldsdorf?

Das historische Perchtoldsdorf – 1933 von der Österreich in Bild und Ton produziert und kürzlich vom Filmarchiv Austria anlässlich der Online-Retrospektive Kino auf Sommerfrische dem Publikum präsentiert – gehört zu einer Reihe von Propaganda-Dokumentarfilmen, die vor allem in den 1930er und 1940er Jahren in Österreich gedreht wurden.

Der historische Kontext, in dem der Film entstanden ist, ist daher besonders interessant. Adolf Hitler war gerade an die Macht gekommen, und wie wir wissen, gab es für die damaligen Künstler und Schriftsteller nicht viel Freiheit der Meinungsäußerung (nicht überraschend, dass viele von ihnen gezwungen waren, in die Vereinigten Staaten oder nach Südamerika zu emigrieren). Gleichzeitig mussten diejenigen, die daheim blieben, bestimmte Regeln einhalten, um in Ruhe arbeiten zu können.

So war die Filmproduktion in dieser Zeit ausschließlich auf die Schaffung eines Bildes eines glücklichen, reichen und opulenten Österreichs ausgerichtet (der Wiener Film ist ein deutliches Beispiel dafür), in dem Wohlbefinden ein Zustand war, der alle betraf. Das Bild eines Österreichs, das ins Ausland exportiert werden sollte, so wie es Russland schon Jahre zuvor mit seinen vielen berühmten Propagandafilmen begonnen hatte.

Welchen besseren Anlass gab es also, um parallel zu Spielfilmen eine Reihe von kurzen Dokumentarfilmen zu drehen, die die Schönheit der Landschaften und die Geschichte des Ortes beleuchten? Diese kleinen Filme (in der Regel für eine Kinovorführung vor der Projektion eines Spielfilms konzipiert) waren – zusammen mit dem bereits erwähnten Wiener Film – eine Konstante innerhalb der heimischen Filmproduktion.

In diesem besonderen historischen und politischen Kontext entstand Das historische Perchtoldsdorf, wobei eine einfache und rudimentäre Regie – mit kurzen Kameraeinstellungen, die manchmal wie Postkarten aussehen – gleichzeitig von einer Off-Stimme synchronisiert wird, die kurz beschreibt, was die Kamera gerade gefilmt hat.

Ein Regieansatz also, der nicht darauf abzielt, dem Werk eine besonders ausgeprägte Persönlichkeit zu geben, sondern eine möglichst neutrale Inszenierung bevorzugt, die fast an einen Werbespot denken lassen könnte. Aber das waren damals einige der Regeln, die zu befolgen waren. So gesehen ist Das historische Perchtoldsdorf zweifellos ein wertvolles Dokument und ein perfekter Abbild einer besonders bedeutenden Periode der Weltgeschichte und – warum nicht? – auch für den österreichischen Film selbst.

Titel: Das historische Perchtoldsdorf
Regie: Verschiedene Autoren
Land/Jahr: Österreich / 1933
Laufzeit: 5’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Verschiedene Autoren
Kamera: Verschiedene Autoren
Produktion: Österreich in Bild und Ton

Info: Die Webseite des Filmarchiv Austria