cafe-elektric-1927-ucicky-kritik

CAFÉ ELEKTRIC

      Keine Kommentare zu CAFÉ ELEKTRIC

This post is also available in: Italiano (Italienisch)

von Gustav Ucicky

Note: 7.5

Café Elektric ist Teil der sogenannten Sittenfilme, in denen die Geschichten von Frauen erzählt werden, die nach einem ausschweifenden Leben endlich die Bedeutung wahrer Werte verstanden haben. Der Film wurde 1927 gedreht und ist heute leider unvollständig, da der letzte Teil verloren gegangen ist.

Moralische Lehren

Ein Film mit einer ganz besonderen Geschichte, Café Elektric von Gustav Ucicky. Der 1927 gedrehte Film ist heute leider unvollständig, da der letzte Teil verloren gegangen ist. Der Film wurde jedoch 1978 vom Filmarchiv Austria restauriert und eine abschließende Überschrift klärt uns kurz darüber auf, was am Ende des Films passiert. Doch trotz allem ist der Spielfilm glücklicherweise immer noch unterhaltsam und stellt ein Produkt von großer historischer und künstlerischer Bedeutung dar.

Gustav Ucicky war von den 1920er Jahren bis etwa zum Ende des Zweiten Weltkriegs einer der wichtigsten Regisseure in Österreich. Der auf Melodramen, Liebesgeschichten und Propagandafilme spezialisierte Filmemacher inszenierte hier eine Verfilmung von Felix Fischers Theaterstück Die Liebesbörse, das Jacques Bachrach für die Leinwand geschrieben hat. In den Hauptrollen spielen Marlene Dietrich – hier in ihrer ersten Titelrolle – und ein sehr junger Willi Forst, der seine Karriere als Regisseur noch nicht begonnen hatte, sich aber bereits als Schauspieler etabliert hatte und auch an der Produktion des Films beteiligt war.

Jedenfalls ist Café Elektric Teil der sogenannten Sittenfilme, in denen die Geschichten von Frauen erzählt werden, die nach einem ausschweifenden Leben endlich die Bedeutung wahrer Werte verstanden haben. Und so sehen wir hier die Geschichte von Erni (Marlene Dietrich), der Tochter eines reichen Bauunternehmers, die sich in den Kleinganoven Ferdl (Willi Forst) verliebt. Der Mann ist in Wirklichkeit nur an Ernis Geld interessiert, und eine Reihe von Situationen führt zu zahlreichen Missverständnissen, in die auch das verliebte Paar aus dem ehemaligen Ingenieur Max (Igo Sym) und der jungen Hansi (Nina Vanna), die früher im Café Elektric, dem eigentlichen Treffpunkt aller Protagonisten des Films, reiche Männer anlockte, verwickelt wird.

Der ursprüngliche Titel des Films lautete Prostitution. Irrwege der Liebe. Dieser Titel hatte jedoch viele Probleme mit der Zensur, da es zu dieser Zeit nicht einfach war, klar über Prostitution zu sprechen. Dennoch ist die Geschichte der ProtagonistInnen recht eindeutig. Der Regisseur konzentrierte sich jedoch auf Emotionen und Romantik, um die Wichtigkeit von Gefühlen zu betonen und wie sie dazu bestimmt sind, zu triumphieren. Sowohl Erni als auch Hansi sind zwei Frauen, die aufrichtig verliebt sind. Die Liebesgeschichte zwischen Max und Hansi ist auf ein Happy End ausgerichtet. Ferdl hingegen ist ein habgieriger, heuchlerischer Mensch, der zum Alleinsein verdammt ist und zudem noch einige Probleme mit dem Gesetz hat. Das Gute triumphiert über das Böse und alles läuft nach einem altbewährten Drehbuch ab.

Doch Café Elektric zeichnet sich zweifelsohne durch eine gute Inszenierung, eine unbestreitbare Eleganz und auch einen ausgeprägten Lyrismus aus. Die Nahaufnahmen der Gesichter der SchauspielerInnen sprechen für sich selbst. Auch die Szenen, die in der nächtlichen Stadt gedreht wurden, wo die beleuchteten Schilder des Café Elektric und eines kleinen Kinos uns ein unmittelbares Gefühl für die Atmosphäre der damaligen Zeit vermitteln, verleihen dem ganzen Spielfilm einen wichtigen Mehrwert. Es handelt sich um eine Zeit des Übergangs, in der die Folgen des Krieges noch spürbar waren und den Menschen noch nicht bewusst war, dass bald ein neuer Krieg ausbrechen würde. Gustav Ucicky wusste genau, worauf er abzielte und welche Gefühle das Publikum brauchte. Dieser wichtige Spielfilm von ihm – wie auch viele andere Filme, bei denen er Regie führte – ist ein Meilenstein in der Geschichte des österreichischen Films. Und er bewegt uns immer noch und lässt uns jedes Mal träumen, wenn wir ihn erneut ansehen.

Titel: Café Elektric
Regie: Gustav Ucicky
Land/Jahr: Österreich / 1927
Laufzeit: 91’
Genre: Drama, Liebesfilm
Cast: Willi Forst, Marlene Dietrich, Fritz Alberti, Anny Coty, Igo Sym, Vera Salvotti, Nina Vanna, Wilhelm Völcker, Albert von Kersten
Buch: Jacques Bachrach
Kamera: Hans Androschin
Produktion: Sascha-Film

Info: Die Seite von Café Elektric auf iMDb; Die Seite von Café Elektric auf der Webseite des Filmarchiv Austria