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WÄHREND DES ERSTEN WELTKRIEGS – TEIL 2

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Neben Dokumentarfilmen, die Krönungen von Herrschern oder durch Bomben zerstörte Städte zeigten, wurden während des Ersten Weltkriegs auch zahlreiche Spielfilme produziert, die über das Kriegserlebnis fernab der Front berichteten.

Abseits der Front

Im ersten Teil dieses Artikels haben wir gesehen, wie die Dokumentarfilme, die während des Ersten Weltkriegs gedreht wurden, bestimmte Merkmale aufweisen konnten, wodurch sie manchmal fast gegensätzlich wirkten, obwohl jeder von ihnen mit propagandistischen Absichten gemacht wurde. Doch der Dokumentarfilm war nicht das einzige Mittel, um den Krieg und all seine Aspekte zu dokumentieren. Tatsächlich gab es neben Filmen, die Krönungen von Herrschern oder durch Bombardierungen zerstörte Städte zeigten, auch eine Reihe von Spielfilmen, die das Ziel hatten, über den fernab der Front erlebten Krieg zu berichten.

Es handelt sich um Propagandafilme, die eine Art Verhaltensmodell vermitteln sollten, das vor allem die Haushaltsführung der Frauen und die Erziehung der Kinder betraf. Und so werden Themen wie die Trennung der Liebenden, Angst, Nostalgie, aber auch Resignation im Alltag sofort zu Leitmotiven.

Einer dieser Filme ist Das Kind meines Nächsten, der 1918 von Einar Zangenberg gedreht wurde und sogar von Kaiserin Zita von Bourbon-Parma geschätzt wurde. Das Kind meines Nächsten erzählt eigentlich eine recht einfache Geschichte: Der junge Schmied Alois ist verliebt in Martha, die Tochter des Kaufmanns Breindl, dessen Sohn Hermann ebenfalls in die Buchhalterin seines Vaters verliebt ist. Alles ändert sich jedoch, als der Erste Weltkrieg ausbricht und die beiden Männer an die Front müssen. Während ihrer Abwesenheit führen ihre Freundinnen ihren Alltag weiter, widmen sich der Hausarbeit und der Kinderbetreuung und warten auf ihre Rückkehr.

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang die hybride Gestaltung des Films. Neben Szenen, die zu diesem Anlass gedreht wurden, gibt es nämlich auch dokumentarische Sequenzen, die auf den Schlachtfeldern oder in den verschiedenen vom Krieg zerstörten Städten gedreht wurden. Realität und Fiktion kommen zusammen, um etwas Neues zu schaffen und eine wichtige Propagandabotschaft zu vermitteln. Der eigentliche Schwerpunkt des Films ist hier jedoch ein anderer. In Das Kind meines Nächsten wollte der Regisseur vor allem das Leben der Frauen abseits der Front und die gleichzeitige Erziehung der Kinder in den Mittelpunkt stellen.

Und so werden uns zahlreiche Kindergärten, Kinderkrippen und Spielplätze mit all ihrem Potenzial gezeigt: Darin könnten Kinder fröhlich und unbeschwert spielen und ihre Mütter sich endlich ihrer Arbeit widmen. Der Alltag begann einen fast angenehmen Verlauf zu nehmen, auch dank der besonderen Aufmerksamkeit für die Landschaften und Naturschönheiten, die die Protagonistinnen auf ihrem Weg zur Arbeit beobachteten. Die Männer waren damit beschäftigt, die Nation zu verteidigen, die Frauen hatten die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Leben so gut wie möglich weiterging.

Und diese starke Propagandabotschaft in Das Kind meines Nächsten findet sich auch in zahlreichen anderen Propagandafilmen des Ersten und Zweiten Weltkriegs wieder. Die Direktiven waren klar. Das Bild von Österreich, das dem Volk und der ganzen Welt vermittelt werden sollte, war ganz bestimmt. Und während des Krieges gab es kaum Platz für Phantasie und jegliche Eigeninitiative.

Bibliographie: Das tägliche Brennen: eine Geschichte des österreichischen Films von den Anfängen bis 1945, Elisabeth Büttner, Christian Dewald, Residenz Verlag
Info: Die Seite von Das Kind meines Nächsten auf iMDb