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MAIKÄFER FLIEG

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von Mirjam Unger

Note: 7.5

Mirjam Unger hat in ihrem wichtigen Maikäfer flieg dafür gesorgt, dass sich alles auf zwei verschiedenen Ebenen abspielt: Auf der einen Seite gibt es den Krieg, die Armut, die zerstörte Stadt und die Armee. Auf der anderen Seite steht Christl mit seiner Neugierde auf die Welt und seiner Lebensfreude.

Die Farben von Christl

Wie kann man den Krieg mit den Augen eines Kindes sehen? Können Armut, Bombenanschläge, die Unmöglichkeit, Angehörigen nahe zu sein, wirklich die Gelassenheit derer rauben, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben? Für die junge und quirlige Christl ist die Welt noch zu entdecken, zu betrachten durch eine bunte Murmel. Ein Abenteuer, das man in vollen Zügen genießen sollte, noch besser, wenn man es zusammen mit echten Freunden erlebt. Sie ist also die Protagonistin des Spielfilms Maikäfer flieg, bei dem Mirjam Unger 2016 Regie führte und der auf dem autobiografischen Roman Maikäfer, flieg! Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich von Christine Nöstlinger basiert.

Wir befinden uns in Wien, im Jahr 1945. Christl (gespielt von Zita Gaier) lebt mit ihrer Mutter (Ursula Strauss), ihrer älteren Schwester und den Großeltern väterlicherseits. Eines Tages wird ihr Haus bei einem Bombenangriff zerstört und das Mädchen ist gezwungen, mit seiner Familie in eine große Villa am Stadtrand zu ziehen, in der ihre Großmutter einst als Dienstmädchen gearbeitet hatte. Ihre Großeltern bleiben in der Stadt, während Christls Vater, ein Deserteur, der aus dem Lazarett geflohen ist, und die Besitzerin der Villa mit ihrem Sohn, einem Gleichaltrigen der Protagonistin, bald in der Villa eintreffen. Alles scheint gut zu laufen, bis die Rote Armee in die Stadt einbricht und einige Soldaten die Villa besetzen. Alle sind sehr verängstigt, aber für Christl ist das eine spannende Neuigkeit, die durch das Entstehen einer wichtigen Freundschaft mit Cohn (Konstantin Khabenskiy), dem Armeekoch, der von seinen eigenen Mitsoldaten ausgegrenzt wird, noch verstärkt wird.

Krieg und Kinder. Ein Doppelbegriff, der hier schon oft in Filmen behandelt wurde. Doch die jungen ProtagonistInnen waren nicht immer in der Lage, die Schönheit in einer solch dramatischen Situation zu erkennen. In Maikäfer flieg ist jedoch alles anders. Die junge Christl verliert nie ihren Optimismus, ihre Lebendigkeit, ihren Lebenswillen. Das Einzige, was sie bedauert, ist, dass sie weit weg von ihren Großeltern leben muss, an denen sie sehr hängt. Aber was erwarten die Menschen von ihr, in einer so schwierigen Zeit wie der, die alle erleben? Vielleicht konnte nur ein neuer, unerwarteter Freund ihr helfen, viele Dinge zu verstehen. Und durch diese wichtige Freundschaft werden beide wachsen können, sich weniger allein fühlen.

Mirjam Unger hat in ihrem wichtigen Maikäfer flieg dafür gesorgt, dass sich alles auf zwei verschiedenen Ebenen abspielt: Auf der einen Seite gibt es den Krieg, die Armut, die zerstörte Stadt und die Armee. Die Innenräume der Häuser sind ständig dunkel, düster, manchmal sogar beengt. Auf der anderen Seite ist da Christl mit seiner Neugierde auf die Welt und seiner Lebensfreude. Ihre Welt ist fröhlich, bunt. Eine Welt, in der das Laufen im Freien und das Beobachten neuer, interessanter Realitäten immer wieder neue Anregungen bietet. Und doch kann ihr Weg des Wachstums auch oft schmerzhaft sein.

Der Coming-of-Age-Roman von Christine Nöstlinger wurde von Mirjam Unger perfekt auf die Leinwand gebracht. Die Regisseurin hat jedes Klischee abgelehnt, nicht um jeden Preis ein Happy End gesucht und Rhetorik gekonnt vermieden. Und so hat ihr Film eine kontrastreiche Wirkung auf den Zuschauer. Während manche Ereignisse wie ein Schlag in die Magengrube wirken, steht Christls Optimismus im Vordergrund. Und er lehrt uns, dass es auch im Unglück etwas ganz, ganz Besonderes geben kann.

Titel: Maikäfer, flieg
Regie: Mirjam Unger
Land/Jahr: Österreich / 2016
Laufzeit: 99’
Genre: Filmbiografie, Drama
Cast: Zita Gaier, Ursula Strauss, Gerald Votava, Paula Brunner, Krista Stadler, Heinz Marecek, Bettina Mittendorfer, Lino Gaier, Konstantin Khabenskiy, Denis Burgazliev, Ivan Shvedoff, Markus Schwärzer, Lissy Pernthaler, Hilde Dalik, Lana-Mae Lopicic, Alexander Jagsch, Anita Zieher, Eugen Knecht
Buch: Sandra Bohle, Mirjam Unger
Kamera: Eva Testor
Produktion: FilmVergnuegen, KGP Filmproduktion GmbH

Info: Die Seite von Maikäfer flieg auf iMDb