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BURGTHEATER

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von Willi Forst

Note: 8

In Burgtheater triumphiert die Liebe. Aber wird das für alle gelten? Und das Wichtigste: Ist Liebe oder Karriere wichtiger? Wie sehr können die Meinungen der Leute das Leben eines Menschen beeinflussen? Willi Forst hat das Ganze mit einer starken Lyrik, aber auch mit dem richtigen Zynismus inszeniert, vor allem, wenn es um eine gewisse Dynamik innerhalb der Welt der Unterhaltung und des gehobenen Bürgertums geht.

Eine erfolgreiche Karriere?

Das Burgtheater in Wien. Ein Wahrzeichen der österreichischen Hauptstadt, aber auch, seit vielen, vielen Jahren, der Traum eines jeden Schauspielers. Teil des Ensembles des Burgtheaters zu werden, bedeutet, eines der wichtigsten Ziele der Karriere zu erreichen. Und diejenigen, die seit Jahren Teil dieser Welt sind, werden von allen fast als Mythen betrachtet. Dies ist der Fall des berühmten Schauspielers Friedrich Mitterer, dem Protagonisten des Spielfilms Burgtheater, der 1936 unter der Regie von Willi Forst entstand und der erste Film war, der von der Willi Forst-Filmproduktion produziert wurde.

Burgtheater ist also eine große Liebesgeschichte. Aber auch das Porträt einer Welt, die zweifellos faszinierend, aber auch furchtbar grausam ist. Und vor allem eine starke Anprangerung einer bigotten und klatschsüchtigen Gesellschaft, die das Leben vieler Menschen zu ruinieren vermag. Wir befinden uns in Wien, im frühen zwanzigsten Jahrhundert. Friedrich Mitterer (gespielt von Werner Krauss) sieht und verliebt sich auf den ersten Blick in die junge Leni (Hortense Raky), Tochter eines geschätzten Schneiders. Das Mädchen ist jedoch in den jungen Nachwuchsschauspieler Josef Rainer (Carl Esmond) verliebt, und um ihm zu einem Engagement am Burgtheater zu verhelfen, stiehlt sie heimlich eine Einladung zu einer Party im Hause der Baronin Seebach (Olga Tschechowa), die ihm vielleicht einen Job besorgen kann. Welche Konsequenzen wird dies haben?

Burgtheater ist im Laufe der Jahre zum Kultfilm geworden. Und das liegt vor allem am großen Talent von Willi Forst, einem der bedeutendsten Namen des Wiener Films, der sowohl die zarte Liebesgeschichte zwischen den beiden jungen Menschen als auch die inneren Qualen von Mitterer und dem jungen Josef, der Gefahr läuft, nie ein erfolgreicher Schauspieler zu werden, meisterhaft inszeniert hat. Dies war dank einer feinen und eleganten Regie möglich, mit Großaufnahmen, die den Ausdruck (und die Gefühle) der Figuren hervorheben, prächtigen Kulissen, die in starkem Kontrast zu bescheidenen Behausungen stehen, und einer Reihe von Überblendungen, die die gefährliche Dynamik innerhalb der Gesellschaft betonen.

In Burgtheater triumphiert Liebe. Aber wird das für alle gelten? Und das Wichtigste: Ist Liebe oder Karriere wichtiger? Und wie sehr können die Meinungen der Leute das Leben eines Menschen beeinflussen? Willi Forst hat das Ganze mit einer starken Lyrik, aber auch mit dem richtigen Zynismus inszeniert, vor allem, wenn es um eine gewisse Dynamik innerhalb der Welt der Unterhaltung und des gehobenen Bürgertums geht. Und so wird die Liebesgeschichte (oder die Liebesgeschichten) sofort zu einem Vorwand, um etwas viel Mächtigeres und Universelleres zu inszenieren. Etwas, das nicht nur das Wien des zwanzigsten Jahrhunderts, sondern auch unsere Tage betrifft. Und wieder einmal ist es die Gesellschaft selbst, die (indirekt) in den Mittelpunkt gestellt wird. Und sind es nicht vielleicht gerade die „Schwächsten“ und Sensibelsten, die die Konsequenzen tragen?

Willi Forst weiß genau, worauf er achten muss. Und er tut es mit großer Meisterschaft und Eleganz. Sein Burgtheater ist ein Film, der aktueller denn je ist. Ein Film, der uns bewegt, aber auch zum Lachen (vor allem dank der hervorragenden Leistung des großartigen Hans Moser in der Rolle des Sedlmayer, Mitterers Freund und Hausmeister) und zum Nachdenken bringt. Ein echter Klassiker, den wir uns immer wieder gerne ansehen werden.

Titel: Burgtheater
Regie: Willi Forst
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 1936
Laufzeit: 122’
Genre: Drama, Liebesfilm
Cast: Werner Krauss, Hortense Raky, Olga Tschechowa, Hans Moser, Carl Esmond, Karl Günther, Karl Skraup, Josefine Dora, Franz Herterich, Erik Frey, O. W. Fischer, Maria Holst, Camilla Gerzhofer, Karl Paryla, Marietta Weber, Kurt von Lessen, Georg Schmieter, Babette Devrient, Rudolf Teubler, Irma Eckert, Maria Lehdin, Marie Hilde
Buch: Willi Forst, Jochen Huth
Kamera: Theodore J. Pahle
Produktion: Willi Forst Filmproduktion

Info: Die Seite von Burgtheater auf iMDb