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ENDLICH UNENDLICH

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von Stephan Bergmann

Note: 7

Endlich unendlich ist eine Reise in die Zukunft, in die Wissenschaft, in die Science Fiction. Aber es ist auch ein Dokumentarfilm mit einer starken Lyrik darin. Bei der Diagonale 2021.

Wissenschaft oder Science-Fiction?

Der Schriftsteller Frédéric Beigbeder hatte die Gelegenheit, mit seiner vierjährigen Tochter ein eher heikles Thema zu besprechen: Das Thema des Todes. Da er nicht den Mut hatte, ihr zu erklären, wie die Dinge wirklich sind, erzählte Beigbeder ihr, dass die Wissenschaft inzwischen große Fortschritte gemacht habe und der Mensch nun unsterblich sei. Eine versöhnliche Geschichte für ein Kind, kein Zweifel. Dennoch gibt es Menschen, die sich wirklich bemühen, eine Art „Unsterblichkeit“ zu erreichen. Oder zumindest, ihr Leben so weit wie möglich zu verlängern. Von ihnen, aber auch von ihren Forschungen, ihren Experimenten und ihrem Lebensstil erzählt der Dokumentarfilm Endlich unendlich, bei dem Stephan Bergmann Regie führte und der bei der Diagonale 2021 Premiere hatte.

Liz Parrish, CEO von BioViva, ist davon überzeugt, dass alt sein fast gleichbedeutend mit krank sein ist und deshalb versucht sie, ihr Altern durch eine Reihe von Injektionen zu „bremsen“. Die Frau ist fast fünfzig, sieht aber etwa dreißig aus. Lincoln Cannon nimmt jeden Tag eine Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln ein, um „die beste Version seiner selbst“ zu erreichen. Mit ihnen zusammen sind viele Anhänger des sogenannten „Transhumanismus“ sogar bereit, sich in einen Winterschlaf zu begeben, um in vielen, vielen Jahren wieder aufzuwachen. Wird es also möglich sein, eines Tages die ersehnte Unsterblichkeit zu erreichen? Einige Wissenschaftler wären bereit, eine bejahende Antwort zu geben.

Und doch will der Regisseur gleichzeitig keine endgültigen Antworten darauf geben, sondern zeigt uns einfach eine Reihe von Realitäten und ebenso viele Zeugnisse, um uns an der Hand in eine Welt, in viele Welten zu führen, von denen wir bisher kaum etwas gehört hatten. Endlich unendlich ist eine Reise in die Zukunft, in die Wissenschaft, in die Science Fiction. Aber es ist auch ein Dokumentarfilm mit einer starken Lyrik darin. Ein Spaziergang am Meer. Meer und Himmel treffen aufeinander, aber wir können nicht wirklich sagen, wann das eine beginnt und das andere endet. Alle Blautöne werden auf der Leinwand freigelassen und vermitteln uns ein starkes Gefühl der Ruhe. Ein Mann geht am Strand spazieren. Sind wir wirklich alle dem Tod geweiht oder können Wissenschaft und Fortschritt etwas dagegen tun? In Endlich unendlich kommen Wissenschaft, Philosophie und sogar Religion zusammen und ergeben einen Diskurs, der viel komplexer und vielschichtiger ist, als es zunächst scheint.

Die Kamera des Regisseurs fungiert dabei als Vertrauter und stiller Beobachter und lässt die ProtagonistInnen sich einfach vor der Kamera anvertrauen. Während des gesamten Dokumentarfilms steht ein sehr ruhiger und kontemplativer Ton im Vordergrund. Und eine insgesamt einfache und direkte Mise-en-Scène erweist sich als die optimale Umsetzung. Stephan Bergmann hat ein sehr heißes, aber zweifelsohne faszinierendes Thema gewählt und indem er es uns auf der Leinwand erzählt, hat er die beste Lösung gefunden. Wir wissen nicht, ob wir in Zukunft wirklich unsterblich sein werden, aber sicherlich könnten wir, nachdem wir Endlich unendlich angesehen haben, noch sehr, sehr lange darüber diskutieren.

Titel: Endlich unendlich
Regie: Stephan Bergmann
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 2021
Laufzeit: 92’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Stephan Bergmann
Kamera: Janis Mazuch
Produktion: Navigator Film, Made in Germany Filmproduktion, ZDF

Info: Die Seite von Endlich unendlich auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Endlich unendlich auf der Webseite der Navigator Film