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GRAZ – MARIAZELL – ADMONT

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von Karl Köfinger

Note: 7.5

Schon bei den ersten Bildern merkt man, dass eine gewisse Ironie eine echte Konstante im Dokumentarfilm Graz – Mariazell – Admont ist. Und Regisseur Karl Köfinger pflegte allen seinen Werken einen leichten und spielerischen Ton zu geben.

Reise durch die Steiermark

Ein ganz besonderer Dokumentarfilm, Graz – Mariazell – Admont. Wenn wir nämlich an die zahlreichen Touristenfilme denken, die von den Anfängen des Kinos bis in die 1930er Jahre (oder zumindest bis zum umstrittenen Aufkommen des Tonfilms) entstanden sind, fällt auf, dass sie meist durch einen rudimentären Regieansatz gekennzeichnet sind, bei dem der Regisseur nur selten mit neuen Einstellungen und neuen Kamerafahrten experimentierte.

Gleiches gilt zum Beispiel für die meisten Filme von Karl Köfinger (Autor von Graz – Mariazell – Admont), die in den 1920er Jahren entstanden. Mit einer Reihe von touristischen Dokumentarfilmen, die alle relativ kurz sind und für die österreichische Post gedreht wurden, zeigte Köfinger uns die Schönheiten Österreichs, wobei er die Kamera oft auf einem Postfahrzeug platzierte, mit dem Touristengruppen durch das Land gefahren wurden.

Das gilt auch für den nur drei Minuten dauernden Dokumentarfilm Graz – Mariazell – Admont, bei dem man, ausgehend von der steirischen Landeshauptstadt, durch zahlreiche Dörfer oder sogar inmitten unberührter Natur in den bekannten Tourismusort Mariazell gelangt. Einheimische, die den Touristenfahrzeugen zuwinken oder manchmal Anweisungen geben, sind fast eine Konstante, zusammen mit lustigen Nahaufnahmen der Fahrzeuge, die plötzlich bremsen und fast mit der Kamera selbst kollidieren.

Und so merkt man schon bei den ersten Bildern, dass eine gewisse Ironie eine echte Konstante im Dokumentarfilm Graz – Mariazell – Admont ist. Und Regisseur Karl Köfinger pflegte allen seinen Filmen einen leichten und spielerischen Ton zu geben. Interessant ist jedoch, dass in dieser Dokumentation nicht nur die Landschaften, sondern auch die Figuren in den Vordergrund gestellt werden. Dies ist ein sehr ungewöhnlicher Regieansatz für kleine Touristenfilme. Ungewöhnlich, aber auch in diesem Fall besonders beeindruckend.

In nur drei Minuten können wir uns also ein Bild davon machen, was die Steiermark uns zu bieten hat. Und in der Tat war die Länge dieser kleinen Dokumentarfilme, die seit den ersten Jahren der Geburt des Kinos produziert wurden, immer ziemlich begrenzt. Und doch schafften sie es, mit einer einfachen Regie und deutlichen Bildunterschriften perfekt zu vermitteln, was ursprünglich beabsichtigt war. Trotz offensichtlicher Regie-Naivität, trotz eines etwas zu rudimentären Ansatzes, stellen diese kleinen Filme heute ein wertvolles künstlerisches Erbe dar, als Zeugnis einer Ära, die einer der wichtigsten und umstrittensten Etappen der Filmgeschichte unmittelbar vorausging: Dem Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm.

Titel: Graz – Mariazell – Admont
Regie: Karl Köfinger
Land/Jahr: Österreich / 1927
Laufzeit: 3’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Karl Köfinger
Kamera: Karl Köfinger
Produktion: Ing. Köfinger-Film

Info: Die Webseite des Filmarchiv Austria