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DER HEIDEBODEN

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von Verschiedene Autoren

Note: 7

Das Leitmotiv von Der Heideboden ist hauptsächlich kontemplativ. Ein Dokumentarfilm von unbestrittener historischer Bedeutung, der trotz seiner rudimentären Regie ein perfekter Zeuge einer Epoche ist, in der das Kino nur bestimmte Konnotationen annehmen konnte. Eine Epoche, deren Folgen für viele Jahre zu spüren waren. Aber gleichzeitig auch eine Epoche, in der das Kino trotz allem nicht stehen geblieben ist.

Frei im Moor

Es gibt einen Ort – westlich des Neusiedler Sees im Burgenland – wo weite Ebenen und riesige, baumlose Grünflächen an die Landschaften des benachbarten Ungarn erinnern. Ein magischer Ort, an dem die Tiere frei und glücklich leben und die Bauern sich in aller Ruhe der Bewirtschaftung des Landes und der Aufzucht der Tiere widmen. Dies ist also der Ort, den uns der Dokumentarfilm Der Heideboden zeigt, der 1933 von Österreich in Bild und Ton produziert und kürzlich vom Filmarchiv Austria anlässlich der Online-Retrospektive Kino auf Sommerfrische präsentiert wurde.

Der Heideboden gehört zu einer Reihe von Dokumentarfilmen, die vor allem in den dreißiger und vierziger Jahren zu rein propagandistischen Zwecken gedreht wurden. Denn in der Tat gab es in dieser Zeit – und angesichts der kurz zuvor erfolgten Machtergreifung Adolf Hitlers – nicht viel Meinungsfreiheit. Gleichzeitig mussten sich diejenigen, die sich für einen Aufenthalt in Österreich oder Deutschland entschieden, an bestimmte Regeln halten. Das Hauptziel war es, der Welt das Bild eines Österreichs zu vermitteln, das reich an Geschichte und Naturschönheiten war und in dem Wohlbefinden zum Alltag gehörte.

Der Heideboden wurde mit diesen Zielen geschaffen. Ein Film, der vor allem die Bedeutung der Erde und all dessen, was sie uns zu bieten hat, unterstreichen will, und in dem das Moor zum Hauptdarsteller wird. Und so fühlt man sich sofort an den Spielfilm Erde erinnert, den der russische Filmemacher Alexander Petrowitsch Dowschenko drei Jahre zuvor gedreht hatte. Ebenfalls mit propagandistischer Absicht zeichnet sich Erde durch lange Aufnahmen von weiten Räumen aus, in denen das Bild in drei Viertel Land und ein Viertel Himmel aufgeteilt wurde, um die Bedeutung dessen zu unterstreichen, was Mutter Erde uns geschenkt hat.

Eine ähnliche Operation wurde bei der Dreharbeiten zu Der Heideboden durchgeführt, wo ein großer Teil der Einstellung der Erde gewidmet ist. Auf ihr gehen, wie üblich, Bauern und Züchter ihren täglichen Tätigkeiten nach, während Ochsen und Pferde grasen und frei laufen.

Ein überwiegend kontemplativer Ansatz ist daher das Leitmotiv des Dokumentarfilms. Ein Dokumentarfilm von unbestrittener historischer Bedeutung, der trotz einer rudimentären Regie als perfekter Zeuge einer vergangenen Epoche fungiert, in der das Kino nur bestimmte Konnotationen annehmen konnte. Eine Epoche, deren Folgen für viele Jahre zu spüren waren. Aber gleichzeitig auch eine Epoche, in der das Kino trotz allem nicht stehen geblieben ist. Und seine Früchte haben heute fraglos einen magnetischen, heiteren und zugleich melancholischen Reiz angenommen.

Titel: Der Heideboden
Regie: Verschiedene Autoren
Land/Jahr: Österreich / 1933
Laufzeit: 5’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Verschiedene Autoren
Kamera: Verschiedene Autoren
Produktion: Österreich in Bild und Ton

Info: Die Webseite des Filmarchiv Austria