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NEUGUINEA

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von Rudolf Pöch

Note: 7

Der 1906 vom Ethnographen Rudolf Pöch gedrehte Film Neuguinea gehört zu einer Reihe von Dokumentarfilmen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, um ethnische Gruppen aus der ganzen Welt zu studieren. Es handelt sich um einen der ersten Filme, die in Österreich nach der Erfindung des Kinematographen gedreht wurden.

Weit weg von Österreich

Einer der frühesten und wertvollsten Dokumentarfilme, die in Österreich produziert wurden, ist zweifelsohne Neuguinea. Der 1906 von dem Ethnographen Rudolf Pöch gedrehte Film Neuguinea gehört zu einer Reihe von Dokumentarfilmen, die in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts mit dem Ziel gedreht wurden, ethnische Gruppen aus aller Welt, ihre Gewohnheiten und ihre Körperlichkeit zu studieren, um sie danach zu katalogisieren. Welches bessere Werkzeug als das neugeborene Kino gab es also, um die Forschung zu fördern?

Rudolf Pöch war damit der Begründer des ethnografischen Films, der – wie die Fotografie – in den folgenden Jahrzehnten eine noch größere Bedeutung erlangen sollte, um Völker zu studieren und Propagandafilme zu produzieren.

Neuguinea ist also einer dieser Filme. Auch wenn bis heute nur Ausschnitte von zweieinhalb Minuten Länge erhalten sind, handelt es sich um ein besonders wichtiges Dokument in der österreichischen und weltweiten Filmgeschichte. Um seine Entstehung und Bedeutung besser zu verstehen, muss er jedoch in einen Kontext gestellt werden.

Als Pöch seinen Film drehte, war der Kinematograph etwa zehn Jahre zuvor erfunden worden, und obwohl im Rest der Welt jede Nation neue Geschichten und neue Formen der Inszenierung ausprobierte, begann man in Österreich erst später, dieser neuen Kunstform die gebührende Bedeutung zu geben. Und wenn man bedenkt, dass der erste österreichische Film der Geschichte (offiziell Von Stufe zu Stufe von Heinz Hanus) im Jahr 1908 gedreht wurde, wird klar, wie spät die Menschen in Österreich mit dieser neuen Erfindung vertraut wurden. Doch es gab schon vor Hanus diejenigen, die mit dieser neuen Kunstform zu experimentieren gedachten. Dazu gehören der Fotograf Johann Schwarzer, der mit seiner Saturn-Film gerne kleine Erotikfilme drehte, und der Anthropologe Rudolf Pöch, der Vater des ethnografischen Films und Autor zahlreicher Dokumentarfilme, die rund um die Welt und zu Kriegszeiten auch in Gefangenenlagern gedreht wurden.

Wenn man sich einen Film wie Neuguinea anschaut, fällt auf, dass der Regieansatz ausgesprochen rudimentär ist und sogar an die ersten Filme der Gebrüder Lumière erinnert: Wenige, wesentliche, starre Einstellungen, fast völlige Abwesenheit von Kamerabewegungen und Nahaufnahmen und sogar einige der gefilmten Charaktere schauen neugierig und amüsiert in Richtung der Kamera. Die Realität wird uns so gezeigt, wie sie ist, ohne dass wir zusätzliche Bildunterschriften benötigen. Und so sehen wir ab und zu Gruppen von Männern, die sich an ihren Hütten versammeln, ebenso viele Frauen, die vor ihren Häusern stehen und mehrere Kinder, die sitzen und neugierig in die Kamera schauen. Es scheint fast so, als wären sie alle auf Anweisung des Regisseurs posiert, um gefilmt zu werden.

Doch während den Menschen große Aufmerksamkeit gewidmet wird, gibt es nur wenige Aufnahmen von Landschaften, mit Ausnahme der anfänglichen Panoramaaufnahmen, die uns die Pfahlbauten zeigen, in denen die Einheimischen lebten. Auch dies trägt also zur Vorstellung vom Leben und Alltag eines Volkes bei. Dieser singuläre Ansatz gehört auch zu den Ursprüngen des Kinos und stellt eines der vielen möglichen Gesichter der siebten Kunst dar. Und trotz des stark realistischen Charakters hat Neuguinea zweifelsohne auch einen gewissen Charme.

Titel: Neuguinea
Regie: Rudolf Pöch
Land/Jahr: Österreich / 1906
Laufzeit: 2’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Rudolf Pöch
Kamera: Rudolf Pöch
Produktion: ÖWF

Info: Rudolf Pöch auf der Webseite der Österreichischen Mediathek