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DAS EWIGE LEBEN

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von Wolfgang Murnberger

Note: 7.5

In Das ewige Leben ist niemand wirklich unschuldig. Und so wie die Schulden aus der Vergangenheit ans Licht kommen, entdeckt man langsam, dass auch derjenige, den man anfangs für einen völlig negativen Charakter hielt, doch eine zarte und liebevolle Seite hat.

Simon Brenner kehrt nach Graz zurück

Sechs Jahre nach dem 2009 entstandenen Der Knochenmann, dem dritten Teil der Krimi-Saga, die Simon Brenner gewidmet ist, kehrt der vielseitige Josef Hader als ungewöhnlicher Privatdetektiv in das vierte und (vorerst) letzte Kapitel der Geschichte zurück: Das ewige Leben. Regie führte wie schon bei den vorherigen Spielfilmen Wolfgang Murnberger, das Drehbuch – von Murnberger selbst, zusammen mit Josef Hader und Wolf Haas – basiert auf dem gleichnamigen Roman von Haas.

In diesem letzten Kapitel kehrt Simon Brenner also in seine Heimatstadt Graz zurück, um ein kleines Haus zu beziehen, das er gerade geerbt hat. Hier trifft er, nun arbeitslos und in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten, auf Köck (gespielt von Roland Düringer), einen alten Freund, der nun als Antiquitätenhändler arbeitet, und versucht, ihm eine alte Pistole zu verkaufen, die zu einem Bausatz gehörte, der einst an Polizeischüler ausgegeben wurde. Doch welche Geheimnisse birgt diese Waffe? Die Ankunft von Aschenbrenner (Tobias Moretti), der ebenfalls in der Vergangenheit mit den beiden befreundet war, wird die Dinge unweigerlich verkomplizieren und auch alte Geheimnisse zurückbringen.

Die Tragikomödie Das ewige Leben setzt den mit dem erfolgreichen Komm süßer Tod (2000) begonnenen Trend fort, dank der paradoxen Missgeschicke eines Simon Brenner, der sich immer am Rande des Abgrunds befindet und dessen unerträgliche Migräne seine ohnehin schon schwierigen Tage ruiniert. Und während zunächst ein Schuss die einzig mögliche Lösung zu sein scheint, ergibt sich sofort die Möglichkeit, Licht ins Dunkel zu bringen und dabei auch neue Elemente bezüglich der Vergangenheit zu entdecken.

Das ewige Leben geht tiefer in Themen wie Leben, Tod und Freundschaft ein als die vorherigen Spielfilme. Und Wolfgang Murnbergers Regieansatz wirkt reifer denn je. Neben komisch-grotesken Situationen wie den Szenen mit Brenners aufdringlichem Nachbarn gibt es auch besinnlichere und melancholische Momente (darunter das Gespräch zwischen Brenner und Aschenbrenner am berühmten Grazer Uhrturm) und adrenalinhaltige Szenen. Und während Aschenbrenner einen verängstigten Brenner, der auf seinem Roller durch die Stadt flieht, mit seinem Auto verfolgt (und hier wird Murnbergers Regie dynamischer denn je), beruhigt ein riesiges Plakat mit einem Bild des Steirers Arnold Schwarzenegger den Zuschauer und zaubert ihm ein Lächeln ins Gesicht.

In Das ewige Leben ist niemand wirklich unschuldig. Und während alte Schuldgefühle aus der Vergangenheit an die Oberfläche kommen (mit Rückblenden, die einen Raubüberfall zeigen, den Brenner und seine Freunde in ihrer Jugend begangen haben), entdecken wir auch langsam, dass auch derjenige, den wir anfangs für einen völlig negativen Charakter hielten, doch eine weiche und liebevolle Seite hat.

Ob es eine weitere Fortsetzung der Geschichten von Detektiv Brenner geben wird, ist nicht bekannt (tatsächlich gibt es bis heute acht Romane von Wolf Haas, die ihm gewidmet sind). Doch wenn man an die ganze Filmsaga zurückdenkt, könnte Das ewige Leben ein guter Abschluss sein. Ein Abschluss, in dem der Protagonist seine Vergangenheit aufarbeitet und gleichzeitig lernt, auch seine Gegenwart besser zu bewältigen. Ein Film, der auch eine tiefe und nie banale introspektive Untersuchung und ein exzellentes Drehbuch präsentiert, das durch die hervorragenden Leistungen der Darsteller, unter denen der exzellente Josef Hader und Tobias Moretti hervorstechen, noch verstärkt wird.

Titel: Das ewige Leben
Regie: Wolfgang Murnberger
Land/Jahr: Österreich / 2015
Laufzeit: 123’
Genre: Filmkomödie, Kriminalfilm, Noir
Cast: Josef Hader, Tobias Moretti, Nora von Waldstätten, Roland Düringer, Christopher Schärf, Margarete Tiesel, Johannes Silberschneider, Hary Prinz, Sasa Barbul, Monika Klengel, Gabriela Hiti, Stefan Suske, Thomas Stipsits, Carmen Loley, Thomas Frank, Lorenz Kabas, Helene Stupnicki, Harry Lampl, Laurence Rupp, Wolfgang Rauh, Christian Strasser, Marija Barbul, Radisa Barbul, Martin Horvath, Wolf Haas
Buch: Josef Hader, Wolfgang Murnberger, Wolf Haas
Kamera: Peter von Haller
Produktion: Dor Film

Info: Die Seite von Das ewige Leben auf iMDb; Die Seite von Das ewige Leben auf der Webseite der Dor Film