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DER ÜBERFALL

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von Florian Flicker

Note: 7

In Der Überfall ist niemand wirklich unschuldig oder ganz schuldig. Oder, noch besser, jede der drei Figuren ist Opfer und Täter zugleich. Und dieser Spielfilm von Florian Flicker zeichnet sich vor allem durch ein gutes Drehbuch aus, dank dem sich Momente der Spannung gekonnt mit fast urkomischen Szenen abwechseln.

In der kleinen Schneiderei

Ein Räuber. Zwei Geiseln. Eine kleine Schneiderei. Ein einziger Drehort und eine Geschichte, die es schafft, die Aufmerksamkeit des Zuschauers von den ersten Minuten an zu fesseln. Es handelt sich um Der Überfall, eine Tragikomödie aus dem Jahr 2000, die seinerzeit den jungen, leider 2015 verstorbenen Regisseur Florian Flicker endgültig bekannt machte.

Gedreht mit einem recht geringen Budget, dreht sich Der Überfall um drei Charaktere. Da ist zunächst Andreas Berger (gespielt von Roland Düringer), ein geschiedener und arbeitsloser Mann, der weder Unterhalt an seine Ex-Frau zahlen noch ein Geburtstagsgeschenk für seinen Sohn kaufen kann. Seine missliche Lage führt dazu, dass er einen Überfall auf einen kleinen Supermarkt organisiert. Dabei trägt er eine Perücke mit roten Locken und profitiert vom Karneval, um unbemerkt zu bleiben. Als der Mann jedoch die Waffe an der Kasse ziehen will, hat er nicht den Mut, seinen Plan auszuführen. Er verlässt eilig den Supermarkt und flüchtet in eine kleine Schneiderei, wo er sowohl den Schneider als auch einen Kunden als Geiseln nimmt.

Zu diesem Zeitpunkt kommen auch Josef Böckel (Joachim Bißmeier), der Inhaber der kleinen Schneiderei, und Werner Kopper (Josef Hader), ein Kunde, der zunächst im Hinterzimmer versucht, die Polizei zu alarmieren, bevor er von Andreas erwischt wird, ins Spiel.

Drei Charaktere und drei ausgeprägte Persönlichkeiten, die dank (nicht allzu) unerwarteter Rollentausche langsam immer mehr Facetten annehmen. Und wenn Andreas tief im Inneren ein guter Mensch ist, der trotz allem niemandem etwas zuleide tun würde, offenbart sich bald das wahre Wesen anderer Charaktere, von selbsternannten „Schwestern“, die im Laden vorbeikommen und geheimnisvolle Geschenke bringen, bis hin zu unvermutet gewalttätigen Persönlichkeiten.

Dennoch ist in Der Überfall niemand wirklich unschuldig oder ganz schuldig. Oder, noch besser, jede der drei Figuren ist Opfer und Henker zugleich. Und während es wohl Werner Kopper ist, der sich als der „Unschuldigste“ von allen erweist, verfügt Florian Flickers Film über ein gutes Drehbuch, in dem sich spannungsgeladene Momente mit fast urkomischen Szenen und sogar Momenten, die ausschließlich in Andreas‘ Fantasie stattfinden, abwechseln.

Das Schwierigste, wenn man einen Film wie Der Überfall machen will, ist jedoch, vor allem einen einzigen Ort (in diesem Fall das enge Hinterzimmer der Schneiderei) auszunutzen. Aber diese Schwierigkeit wird in diesem Fall vom Zuschauer nie wahrgenommen, im Gegenteil, alles fließt sehr schnell, wobei Dialoge und kurze Actionszenen die absoluten Protagonisten sind.

Der Überfall ist jedoch ein Film, der – obwohl insgesamt unterhaltsam – nicht immer überzeugt. Und das betrifft vor allem einige Wendungen und moralische Entscheidungen, die oft schwer zu verstehen sind. Doch auf jeden Fall hat der Film dazu beigetragen, Florian Flicker berühmt zu machen und ist mit der Zeit zu einem echten Kultfilm geworden. Und natürlich, wie man so sagt, „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“.

Titel: Der Überfall
Regie: Florian Flicker
Land/Jahr: Österreich / 2000
Laufzeit: 84’
Genre: Filmkomödie, Actionfilm, Drama
Cast: Roland Düringer, Josef Hader, Joachim Bißmeier, Birgit Doll, Sonja Romei, Valentin Frais, Ulrike Beimpold, Klaus Ortner, Klaus Händl, Margarete Tiesel, Roswitha Soukup, Johanna Tomek, Ina Halmagyi, Thomas Freudensprung, Michael Tanczos, Carmen Loley, Matisse Mazur
Buch: Florian Flicker, Susanne Freund
Kamera: Helmut Pirnat
Produktion: Allegro Film

Info: Die Seite von Der Überfall auf iMDb; Die Seite von Der Überfall auf der Webseite der Allegro Film