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AUFSCHNEIDER

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von David Schalko

Note: 6

Obwohl Aufschneider sofort durch seinen fernsehtechnischen Schreib- und Regieansatz auffällt, fließt alles insgesamt linear. Jedes Ereignis, jede Geschichte der Charaktere sind irgendwie miteinander verbunden. Oft aber auch auf eine allzu vorhersehbare Weise.

Seltsame Ereignisse im Krankenhaus

Krankenhäuser wurden schon oft von Regisseuren und Drehbuchautoren aus aller Welt als ideale Schauplätze gewählt. Man denke nur an die zahlreichen Fernsehserien, die seit den 1990er Jahren Millionen von Zuschauern begeistert haben. Und auch Österreich hat ein Wörtchen mitzureden. Der Spielfilm Aufschneider, 2010 unter der Regie von David Schalko, war zunächst ausschließlich für das Fernsehen vorgesehen. Erst am Ende der Produktion entschied man sich daher, die sechs Mini-Episoden in zwei Teile zu schneiden, um dem Ganzen einen filmischen Charakter zu verleihen.

Geschrieben von Komiker und Kabarettist Josef Hader (der auch die Titelrolle spielt) zusammen mit dem Regisseur, erzählt Aufschneider die bizarre Geschichte des Pathologen Hermann Fuhrmann (Hader), der ständig im Streit mit seinem Kollegen Philipp Böck liegt, der seit einigen Monaten eine Affäre mit Hermanns Ex-Frau (gespielt von Ursula Strauss) hat. Und während Hermann sich gleichzeitig mit der Einstellung eines jungen, tollpatschigen Mitarbeiters (Manuel Rubey) herumschlägt, den er zunächst nicht leiden kann, der aber seine Tochter Feli (Tanja Raunig) für sich gewonnen hat, weiß er nicht, dass in der Klinik, in der er arbeitet, zwielichtige Geschäfte im Gange sind, die sogar den Tod des Vaters von Dr. Susanne Wehninger (Pia Hierzegger) verursacht haben könnten.

Kurz gesagt: So viele ineinandergreifende Geschichten, die sich um den mürrischen Hermann drehen. Und während Aufschneider sofort durch seinen fernsehartigen Schreib- und Regieansatz auffällt, fließt alles insgesamt linear. Jedes Ereignis, jede Geschichte sind irgendwie miteinander verbunden. Oft sogar auf eine allzu vorhersehbare Weise. Doch die größte Besonderheit in diesem Film, dessen Inszenierung nicht immer überzeugt, sind die Leistungen der Darsteller. Das Talent eines jeden von ihnen zieht das Publikum sofort in seinen Bann. Jeder von ihnen zeichnet sich durch bizarre und oft urkomische Eigenschaften aus: Dr. Wehninger bewahrt zum Beispiel die Kadaver ihrer einstigen Haustiere im Haus auf, während Hermann aufgrund seines großen Egos oft in paradoxe Situationen gerät (besonders interessant ist die von einigen Pantomimen des Stummfilms inspirierte Szene, in der der Mann das Auto, in dem sich Dr. Böck und seine Ex-Frau befinden, zu Fuß verfolgt).

Und auch wenn zahlreiche Nebenhandlungen es irgendwie schaffen, eine willkommene Spannung zu erzeugen, kann Aufschneider insgesamt, gerade wegen seiner übermäßigen Vorhersehbarkeit, nicht ganz überzeugen. Schade.

Titel: Aufschneider
Regie: David Schalko
Land/Jahr: Österreich / 2010
Laufzeit: 180’
Genre: Filmkomödie, Kriminalfilm, Chorfilm
Cast: Josef Hader, Oliver Baier, Ursula Strauss, Pia Hierzegger, Tanja Raunig, Manuel Rubey, Georg Friedrich, Raimund Wallisch, Meret Becker, Simon Schwarz, Murali Perumal, Josef Kukla, Fanny Krausz, Thomas Mraz, Adele Neuhauser, Max Meyr, Helmut Seufert, Maria Happel, Gerhard Rühmkorf, David Miesmer, Cem Angeli, Christoph Grissemann, Werner Brix, Karl Fischer, Birgit Fenderl
Buch: Josef Hader, David Schalko
Kamera: Marcus Kanter
Produktion: ARTE, Superfilm

Info: Die Seite von Aufschneider auf iMDb; Die Seite von Aufschneider auf der Webseite der Superfilm