cops-2018-lukacs-kritik

COPS

      Keine Kommentare zu COPS

This post is also available in: Italiano (Italienisch)

von Stefan A. Lukacs

Note: 7

Ein sehr hohes Tempo, ein tadelloser Schnitt, ein scheinbarer Tagesablauf, der den Spielfilm eröffnet, lassen sofort die Idee eines spannungsgeladenen Actionfilms aufkommen, auch – und vor allem – wegen des vom Regisseur gewählten besonderen Settings. Und tatsächlich gibt es in Cops viel Action. Doch der Spielfilm ist nicht nur das.

Sondermission

Wenn es einen besonders bemerkenswerten Regisseur in der österreichischen Filmszene gibt, dann ist es sicherlich Stefan A. Lukacs. Nach einer Reihe von Kurzfilmen, die im Laufe der Jahre zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen erhielten, drehte der Filmemacher 2018 schließlich seinen ersten Spielfilm. In diesem Jahr entstand nämlich Cops, der einige Themen aufgreift, die bereits im Kurzfilm Void (2012) angesprochen wurden. Auch hier wird also direkt mit dem Finger auf einige Dynamiken und einige Praktiken der Polizei gezeigt. Auch hier sehen wir die Schauspieler Laurence Rupp und Anton Noori in den Rollen der Protagonisten.

Gewinner des Publikumspreises bei der Diagonale 2018, Cops setzt die Abenteuer des jungen Christoph (Rupp) in Szene, der seit seiner Kindheit immer davon geträumt hat, der Einsatzeinheit WEGA beizutreten. Wenige Tage vor seiner Vereidigung wird der Mann mit seinem Einsatzteam an einem Routineeinsatz teilnehmen: In einer Wohnanlage hat sich jemand über Lärm beschwert, der aus einer Wohnung kommt, in der ein schizophrener, aber scheinbar harmloser Mann lebt. Von seinem Chef aufgefordert, die Tür aufzubrechen, wird der junge Mann gezwungen, den Mann zu erschießen, nachdem dieser seinen Chef mit einem Messer bedroht hat. Dieses Ereignis wird viele Auswirkungen auf sein Leben haben.

Ein sehr hohes Tempo, ein tadelloser Schnitt und ein scheinbarer Tagesablauf, der den Film eröffnet, lassen sofort einen spannungsgeladenen Actionfilm vermuten, auch und vor allem wegen des besonderen Settings, das der Regisseur gewählt hat. Und tatsächlich gibt es in Cops viel Action. Viel Action und viel Gewalt, ganz im Sinne dessen, was der Autor in Szene setzen wollte. Doch der Spielfilm ist nicht nur das. Der Spielfilm ist viel mehr und schafft es, neben Momenten starken Adrenalins, eine tiefe psychologische Untersuchung seiner Protagonisten nachzuzeichnen, wobei er klug jedes mögliche Klischee vermeidet.

Christoph ist ein junger, aufrichtiger und leidenschaftlicher Mann, der vor allem seinen Job gut machen und sich seinen Kindheitstraum erfüllen möchte. Die „Erwachsenenwelt“ ist jedoch nicht immer freundlich zu denjenigen, die sensibler und unerfahrener sind. Und erst wenn bestimmte Situationen eintreten, beginnt man sich zu fragen, was richtig und was falsch ist. Aber ist die Grenze zwischen richtig und falsch so klar? Konstantin (Noori), Christophs Teamleiter, hat sein ganzes Leben der WEGA gewidmet. Während er seine Skrupel beiseite schiebt, wenn es nötig ist, kümmert er sich immer um die Mitglieder seines Teams und verhält sich manchmal wie ihr Vater. Auch wenn er oft unverzeihliche Fehler macht.

Ein geschickter Rollentausch, Charaktere, die nie wirklich unschuldig sind, und viele Fragen, auf die man nur schwer eine Antwort findet, sind daher die Säulen von Cops, in dem auch eine scharfe Kritik an der Polizei und insbesondere an den Methoden, die sowohl in der Ausbildung als auch bei Einsätzen angewandt werden, geübt wird. So wie eben 2012 beim Kurzfilm Void, der ebenfalls mit dem Finger auf die Polizei und ihre vielen Missstände zeigte.

Stefan A. Lukacs hat sich schon immer für dieses Thema interessiert, und so hat er zuerst in Void und dann in Cops ein sorgfältiges und oft gnadenloses Porträt einer Realität geschaffen, von der wir oft hören, die aber nur wenige wirklich kennen. An hochdramatischen Momenten – darunter die zahlreichen Albträume und Rückblenden, die den Protagonisten quälen – mangelt es dem Film nicht und auch wichtige existenzielle Fragen werden immer wieder aufgeworfen. Und am Ende ist niemand wirklich unschuldig. Und niemand ist mehr derselbe wie vorher. Und wenn man gegen Ende fast den Eindruck hat, dass die Ereignisse eine viel banalere Wendung nehmen könnten, wird man sofort wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Und die Realität kann manchmal ganz schön grausam sein. Gibt es denn, so der Regisseur, überhaupt noch Hoffnung auf Erlösung? Wahrscheinlich nur selten. Und der verzweifelte Schrei eines Babys am Ende des Spielfilms ist besonders bedeutungsvoll.

Titel: Cops
Regie: Stefan A. Lukacs
Land/Jahr: Österreich / 2018
Laufzeit: 92’
Genre: Drama, Actionfilm
Cast: Laurence Rupp, Anton Noori, Maria Hofstätter, Roland Düringer, Anna Suk, Nico Chitta, Deniz Cooper, Aaron Friesz, Manfred Fuchs, Michael Fuith, Miriam Fussenegger, Gabriela Hegedüs, Ferdinand Keiblinger, Viktor Krüger, Philipp Lintner, Daniel Micheel, Alexandra Maria Nutz, Karl Rohner, Alfred Schibor, Julian Sharp, Dominic Marcus Singer, Angel Somov, Joe Toedtling, Markus Wildinger
Buch: Stefan A. Lukacs
Kamera: Xiaosu Han, Andreas Thalhammer
Produktion: Golden Girls Filmproduktion

Info: Die Seite von Cops auf iMDb; Die Seite von Cops auf der Webseite der Austrian Film Commission