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FAST FILM

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von Virgil Widrich

Note: 8

Fast Film. „Fast ein Film.“ Oder „schneller Film“. So wollte Virgil Widrich sein kleines, wertvolles Werk nennen. Und neben einer wahren Liebeserklärung an die Filmgeschichte und die Filmwelt repräsentiert der Kurzfilm eines der vielen Gesichter des Filmschaffens selbst, in dem Stop-Motion und Computergrafik in perfekter Harmonie koexistieren.

Ein ungewöhnliches Hollywood

Zu den mutigsten, vielseitigsten und visionärsten Filmemachern des zeitgenössischen österreichischen Films gehört sicherlich Virgil Widrich. Regisseur, Filmproduzent, Videokünstler, seit vielen Jahren in diesem Bereich tätig, hat sich Widrich auch durch einige experimentelle Kurzfilme hervorgetan, in denen durch gekonnte Stop-Motion-Animation, Collage und verschiedene Techniken kleine, wertvolle und magnetische Werke entstanden sind. Und während sein bekanntester Film wohl Copy Shop (aus dem Jahr 2001) ist, war Fast Film im Jahr 2003 ein großer Erfolg bei Publikum und Kritikern und gewann auch zahlreiche internationale Preise.

Wie (fast) jeder Filmemacher ist auch Virgil Widrich ein begeisterter Cineast. Warum also nicht dem großartigen Kino der Vergangenheit huldigen und dabei etwas völlig Neues und Persönliches schaffen? Gesagt, getan. Ein Mann und eine Frau küssen sich leidenschaftlich. Plötzlich wird die Frau jedoch entführt und der Mann setzt alles daran, sie zu retten. Eine Reihe von atemberaubenden Verfolgungsjagden, alte Lokomotiven, die über die Gleise rasen, Schießereien und Explosionen werden zu den Hauptfiguren auf der Leinwand. Natürlich bis zu einem willkommenen Happy End.

Eine einfache Geschichte, die allerdings einen langwierigen und komplizierten Prozess erforderte: Aus Archivmaterial, das etwa dreihundert Filme umfasst, schuf Virgil Widrich gelungene Stop-Motion-Animationen, eine Art Origami, das dann von der Kamera abfotografiert wurde. Auf diesem Origami sehen wir Bilder von Kultfilmen aus der Vergangenheit. Die Protagonisten nehmen von Zeit zu Zeit das Aussehen von Humphrey Bogart und Lauren Bacall, Cary Grant, Buster Keaton, Grace Kelly und vielen anderen an. Kurz gesagt: Ein kurzer Chorfilm, der seine erzählerische Linearität und seinen visionären Regieansatz zu seinen größten Eigenheiten macht.

Fast Film. „Fast ein Film.“ Oder „schneller Film“. So wollte Virgil Widrich sein kleines, wertvolles Werk nennen. Und neben einer wahren Liebeserklärung an die Filmgeschichte und die Filmwelt repräsentiert der Kurzfilm eines der vielen Gesichter des Kinos, in dem Stop-Motion und Computergrafik in perfekter Harmonie koexistieren. Ein Film, in dem es keine Dialoge braucht, außer natürlich bei den kurzen Ausschnitten aus den Spielfilmen, in dem aber Geräusche eine zentrale Rolle spielen. Ein spannender Kurzfilm, bei dem der akribische Schnitt auf jedes Detail achtet und bei dem grelle Farben den perfekten Hintergrund für das bereits erwähnte Origami bilden.

Während Copy Shop das große Talent von Virgil Widrich bereits offenbart hatte, ist Fast Film eine weitere Bestätigung dafür. Und er erweist sich als ein wahres Juwel der österreichischen Filmografie, in der der Avantgardefilm immer eine zentrale Rolle gespielt hat.

Titel: Fast Film
Regie: Virgil Widrich
Land/Jahr: Österreich, Luxemburg / 2003
Laufzeit: 14’
Genre: Animationsfilm, Experimentalfilm, Abenteuerfilm, Thriller
Buch: Virgil Widrich
Kamera: Martin Putz
Produktion: Amour Fou Luxembourg, Amour Fou Vienna, Coproduction Office

Info: Die Seite von Fast Film auf der Webseite der Sixpackfilm; Die Seite von Fast Film auf der Webseite der Austrian Film Commission; Die Seite von Fast Film auf iMDb