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WAS WIR WOLLTEN

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von Ulrike Kofler

Note: 6

Regisseurin Ulrike Kofler hat in ihrem Debütfilm Was wir wollten, basierend auf der Kurzgeschichte Der Lauf der Dinge von Peter Stamm, die Krise eines Paares, das keine Kinder bekommen kann, inszeniert. Der Film wird von Netflix vertrieben und von Österreich bei den Oscars 2021 als bester fremdsprachiger Film eingereicht.

Schmerzhafte Abwesenheit

Kinder haben oder keine Kinder haben? Dies ist eine der am häufigsten diskutierten Fragen in einer Beziehung. Und das kann manchmal die unerwartetsten Auswirkungen haben. Vor allem, wenn man sich stark wünscht, Eltern zu werden, aber nicht in der Lage ist, Kinder zu bekommen. Dieses Thema ist zweifelsohne heikel und schwierig zu behandeln. Und die Regisseurin Ulrike Kofler wollte in ihrem Debütfilm Was wir wollten, nach der Erzählung Der Lauf der Dinge von Peter Stamm, die Krise eines Paares inszenieren, das keine Kinder bekommen kann. Der Film wird von Netflix vertrieben und von Österreich bei den Oscars 2021 als bester fremdsprachiger Film eingereicht.

Alice (Lavinia Wilson) und Niklas (Elyas M’Barek) sind ein Liebespaar, das sich unbedingt ein Kind wünscht. Als die beiden die Nachricht erhalten, dass dies nicht möglich ist, beschließen sie, einen Urlaub auf Sardinien zu machen, um die alten Zeiten, in denen sie sich kennengelernt haben, wieder zu erleben und nicht an das zu denken, was sie zutiefst beunruhigt hat. Während des Urlaubs lernen Alice und Niklas eine Tiroler Familie mit einem kleinen Mädchen und einem Sohn im Teenageralter kennen. Diese Familie scheint scheinbar alles zu haben, was sie sich wünschen.

Die heikle Beziehung zwischen Alice und Niklas und ihre unausweichliche Krise werden von Ulrike Kofler mit viel Feingefühl inszeniert, auch dank der hervorragenden Leistungen der beiden Hauptdarsteller. Alice ist kürzlich vierzig Jahre alt geworden. Neben dem unvermeidlichen Vergehen der Zeit verspürt sie stark das Bedürfnis, eine Leere zu füllen, die durch ein tiefes Schuldgefühl entsteht. Niklas fühlt sich unweigerlich unter Druck gesetzt, bis hin zu dem Punkt, dass er mit den Frustrationen seiner Frau nicht umgehen kann und nicht mehr in der Lage ist, eine sexuelle Beziehung mit ihr zu führen. Diese Dynamik wird detailliert analysiert und mit dem nötigen Feingefühl behandelt, ist aber trotz allem auf der Leinwand manchmal zu „kalt“ und vorhersehbar. In ähnlicher Weise offenbart der Vergleich mit dem scheinbar immer glücklichen Nachbarspaar zwei fast vollkommen gegensätzliche Realitäten: Während die beiden Protagonisten trotz allem aufrichtig verliebt zu sein scheinen, wirken die beiden Nachbarn in all ihrer Aufrichtigkeit gleich viel oberflächlicher. Und während ein Kind in der Welt von Alicia und Niklas etwas Wunderbares wäre, wird die Geburt ihres erstgeborenen Sohnes David (Fedor Teyml) – ein sehr interessanter Charakter – von dem anderen Paar immer fast als ein „Missgeschick“ angesehen.

Was fehlt also bei Was wir wollten? Ganz banal, was ihm wahrscheinlich fehlt, ist eine Seele. Und Ulrike Kofler, die zwar keinen Aspekt der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten vernachlässigt, schien in diesem Debütfilm übermäßig darauf bedacht zu sein, dass alles reibungslos abläuft, so dass der Verlauf der Ereignisse manchmal „erzwungen“ wirkt (wie zum Beispiel, wenn Alicia eine junge Frau trifft, die im selben Dorf Urlaub macht, oder wenn das Paar beschließt, eine Nacht in einem Zelt zu verbringen, wie in alten Zeiten).

Und auch wenn im Großen und Ganzen eine gefährliche Rhetorik vermieden wird, scheint uns Was wir wollten das Ergebnis eines noch nicht sehr reifen Blicks zu sein, der zwar vom Mainstream-Kino inspiriert ist, aber momentan noch darum ringt, seinen eigenen Weg zu finden. Ein Film, der sich stark von Joy unterscheidet, der 2018 von Sudabeh Mortezai gedreht wurde und ebenfalls von Österreich bei den Oscars 2020 eingereicht wurde.

Titel: Was wir wollten
Regie: Ulrike Kofler
Land/Jahr: Österreich / 2020
Laufzeit: 93’
Genre: Drama
Cast: Lavinia Wilson, Elyas M’Barek, Anna Unterberger, Lukas Spisser, Iva Höpperger, Fedor Teyml, Marta Manduca, Maria Hofstätter, Tina Haller, Klaus Huhle, Olivia Castanho
Buch: Sandra Bohle, Ulrike Kofler, Marie Kreutzer
Kamera: Robert Oberreiner
Produktion: Film AG Produktion, Netflix, ORF

Info: Die Seite von Was wir wollten auf iMDb; Die Seite von Was wir wollten auf Netflix