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THE STORY OF TECHNOVIKING

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von Matthias Fritsch

Note: 7

The Story of Technoviking stellt den legendären Protagonisten eines viralen Videos in den Mittelpunkt, untersucht aber gleichzeitig das aktuelle Phänomen der Sozialen Medien, wie sehr sie unser Leben beeinflussen und wie leicht es heute ist, oft unbewusst „berühmt“ zu werden.

Wie eine Mediensensation geboren wird

Viele werden sich an die mysteriöse Figur des Technoviking erinnern, die seit einigen Jahren zunächst auf Youtube und dann auf zahlreichen Sozialen Netzwerken viral gegangen ist. Technoviking wurde weltberühmt, nachdem der Regisseur Matthias Fritsch ihn während der Fuck Parade 2000 (Technos Antwort auf die Love Parade) in Berlin mit einer an sein Knie geschnallten Kamera gefilmt hatte. Es ist viel passiert, seit der Regisseur die oben erwähnten Aufnahmen gemacht hat. Und fünfzehn Jahre nach der berühmten Fuck Parade beschloss der Filmemacher, alles im Dokumentarfilm The Story of Technoviking zu erzählen, der 2015 entstand.

The Story of Technoviking stellt also den legendären Protagonisten eines viralen Videos in den Mittelpunkt, untersucht aber gleichzeitig das aktuelle Phänomen der Sozialen Medien, wie sehr sie unser Leben beeinflussen und wie leicht es heute ist, oft unbewusst „berühmt“ zu werden.

Im Jahr 2007 – YouTube war gerade gegründet worden – beschloss Matthias Fritsch, sein sieben Jahre altes Video, das zunächst Kneecam No. 1 hieß, online zu stellen. Etwa ein Jahr lang passierte nichts besonders Relevantes. Dann begannen mysteriöserweise die Aufrufe übermäßig zu wachsen: Jemand hatte das Video fast zufällig auf einer Pornoseite in einer Sektion namens „lustige Videos“ hochgeladen. Von diesem Moment an begann das sogenannte „Technoviking-Phänomen“: Das Video wurde oft von Amateuren nachbearbeitet, die Spaß daran hatten, den berühmten Tänzer zu imitieren, und auch eine Merchandising-Kampagne begann. Aber was war der Preis dafür zu zahlen?

Offenbar möchte heute nicht jeder berühmt werden. Viele Menschen ziehen es nämlich vor, ihr Leben weiterhin abseits von „neugierigen Blicken“ zu führen. Das gilt auch für unseren Technoviking, dessen Namen wir bis heute nicht kennen. Als er seine plötzliche Popularität und alles, was sie – auch wirtschaftlich – ausgelöst hat, bemerkte, hat „Techoviking“ beschlossen, den Regisseur Matthias Fritsch zu verklagen und verlangte, alle seine Bilder aus den Videos zu entfernen, sowie eine beträchtliche Entschädigung. Aus diesem Grund sind auch im Dokumentarfilm The Story of Technoviking die Bilder des Protagonisten ständig verdeckt, selbst wenn uns die zugehörigen Gadgets gezeigt werden. Aber wie viel kann Zensur bewirken, wenn etwas leicht und unbegrenzt reproduziert werden kann? Die zahlreichen Online-Videos, die uns die berühmte Sequenz zeigen, sprechen für sich selbst.

Die Entstehung des Phänomens, der lange Rechtsstreit und die zahlreichen Möglichkeiten des Internets in der heutigen Zeit sind die Säulen von Fritschs Dokumentarfilm. Eine Reihe von Interviews mit Soziologen, Social-Media-Managern und dem Regisseur selbst, Amateuraufnahmen, Grafiken und vor allem der (natürlich zensierte) Originalfilm geben uns ein vollständiges Bild der Situation. All dies gibt Anlass zu zahlreichen weiteren Debatten, und der Film schafft es, in kurzer Zeit insgesamt umfassend zu sein. Auch der hecktische und äußerst dynamische Schnitt fügt sich perfekt in die Inszenierung des Regisseurs ein und macht den Dokumentarfilm bunt, spannend und angenehm ironisch.

Obwohl er die Identität von Technoviking nicht verraten konnte, hat Matthias Fritsch einen ehrlichen und geradlinigen Film gemacht, der sich durch einen insgesamt „neutralen“ Regieansatz auszeichnet. Und am Ende des Dokumentarfilms wollen wir natürlich mehr über die legendäre Figur des muskulösen Berliner Tänzers wissen.

Titel: The Story of Technoviking
Regie: Matthias Fritsch
Land/Jahr: Deutschland, Österreich, Griechenland, Taiwan, USA / 2015
Laufzeit: 50’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Matthias Fritsch
Kamera: Matthias Fritsch
Produktion: Matthias Fritsch

Info: Die Webseite von The Story of Technoviking; Die Seite von The Story of Technoviking auf iMDb