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SCHATTEN UND LICHT

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von Georg Lhotsky

Note: 8

Schatten und Licht ist eine wahre Perle des österreichischen Films. Der Spielfilm ist perfekt in einen Kontext eingebettet, in dem eine Gruppe junger Filmemacher ein völlig neuartiges Kino schaffen wollte, das endlich frei von den Diktaten ist, die die österreichische Filmproduktion in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hatten.

Kinder werden uns retten

Der 2016 viel zu früh verstorbene Georg Lhotsky, der lange Jahre als Schauspieler geschätzt wurde, zeichnete sich in seiner langen und produktiven Karriere auch als Regisseur zahlreicher Spielfilme aus. Doch unter den unzähligen Werken, die er schuf, galt bis vor kurzem der Film Schatten und Licht als endgültig verloren. Der Film wurde dann vom Filmarchiv Austria wiederentdeckt und restauriert, bevor er im Rahmen der Retrospektive Austrian Auteurs wieder dem Publikum präsentiert werden konnte.

Schatten und Licht ist eine echte Perle des österreichischen Films und steht in einem perfekten Kontext, in dem eine Gruppe junger Filmemacher – zu der neben Georg Lhotsky selbst auch Mansur Madavi, Antonis Lepeniotis, Angela Summereder und der Kanadier John Cook gehörten – ein völlig neuartiges Kino machen wollte, das endlich frei von den Diktaten ist, die die österreichische Filmproduktion in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hatten. Ein Kino, das, inspiriert von dem, was in der Vergangenheit oder im Ausland gemacht worden war, etwas völlig Neues machen wollte, wo Fantasie und neue Regieansätze endlich eine zentrale Rolle spielten.

In diesem besonderen Kontext zeichnet Schatten und Licht also ein einzigartiges Porträt der Wiener Gesellschaft der 1970er Jahre, mit all ihren Widersprüchen, ihren vielen Gesichtern und den unterschiedlichen Realitäten, die sie prägten. Ein junges Model stirbt plötzlich bei einem Autounfall. Seit einiger Zeit hatte sie eine heimliche Beziehung mit einem bekannten Fotografen (gespielt von Georg Lhotsky selbst). Ihre Mutter, die sie nie wirklich verstehen konnte, scheint von dem tragischen Ereignis zunächst nicht betroffen zu sein, sondern kommt ihrem Schwiegersohn im Gegenteil sehr nahe.

Gleichzeitig stellt die Reinheit, Lebensfreude und Lebendigkeit der Kinder neben der dunklen Welt der Erwachsenen fast ein paralleles und gegensätzliches Universum dar. Eine Mutter träumt davon, dass ihr Sohn eines Tages ein geschätzter Geiger wird. Fast eine Art moderner Wolfgang Amadeus Mozart. Doch das Kind scheint sich überhaupt nicht dafür zu interessieren und geht, statt an wichtigen Vorspielen teilzunehmen, lieber in den Park, um mit Gleichaltrigen zu spielen und in der Stadt Unfug zu treiben. In seinen Träumen nehmen die Erwachsenenwelt und ein strenges Konzerthaus sofort lächerliche Züge an.

Zwei gegensätzliche, aber nebeneinander existierende Welten sind also die Säulen von Schatten und Licht. Der Schatten, also die Erwachsenenwelt, scheint sofort voller Lügen und Widersprüche zu sein. Keiner ist wirklich unschuldig. Nicht einmal die Mutter des Kindes, die von einer glänzenden Karriere für ihren Sohn träumt, nur um sich selbst erfüllt zu fühlen. Wie kann man sich davor schützen? Ganz einfach: Indem man sich eine unschuldige und reine Lebenseinstellung bewahrt. Und man darf nie vergessen, dass man Kind gewesen ist. Genau wie der junge Fotograf, der aufrichtig in sein Modell verliebt war, aber nur durch den Spaß beim Spielen und Fotografieren eine Gruppe von Kindern im Park kann er endlich die Gelassenheit finden, die er nach seinem plötzlichen Verlust verloren hat. Oder wie ein lustiger Friedhofswärter, der, auch wenn er sich in „erwachsenen“ Zusammenhängen wiederfindet, immer auf der Seite der Jüngsten steht.

Und dieser starke Dualismus, den Lhotsky darstellt, wird noch perfekter durch einen Regieansatz wiedergegeben, der sonnige Wiener Sommertage, an denen man sorglos auf einer grünen Wiese herumläuft, den polierten, aber auch unerträglich beunruhigenden Atmosphären der großbürgerlichen Wohnungen vorzieht. Und alles wird perfekt dargestellt durch eine fast märchenhaft anmutende Inszenierung, die noch verstärkt wird durch traumhafte Momente, in denen das Surreale und das Paradoxe die Protagonisten sind und ein aufrichtiges und befreiendes Lachen hervorrufen.

Schatten und Licht – wie der Titel schon sagt – bekommen in diesem feinen Film von Georg Lhotsky sofort eine starke Bedeutung und kraftvolle Symbolik. Wie kann die Welt der Kinder, der Erwachsenen der Zukunft, uns retten? Wir können es nicht wissen. Und doch spricht die Geburt eines neuen, viel jüngeren und dynamischeren Kinos für sich. Und auch heute noch ist es in der Lage, uns viele schöne Emotionen zu vermitteln.

Titel: Schatten und Licht
Regie: Georg Lhotsky
Land/Jahr: Österreich / 1976
Laufzeit: 89’
Genre: Drama, Chorfilm
Cast: Robert Hoffmann, Ines Byass, Georg Lhotsky, Helga Bernat, Brigitte Ratz, Raimund Winkler, Otto Schenk
Buch: Georg Lhotsky
Kamera: Jiri Stibr
Produktion: Verschiedene Autoren

Info: Die Seite von Schatten und Licht auf der Webseite des Filmarchiv Austria