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BRÜCKEN ÜBER BRÜCKEN

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von Kenan Kiliç

Note: 7

Brücken über Brücken ist ein lebendiger und farbenfroher Dokumentarfilm, ein wertvolles Porträt einer Stadt – Wien – als Nervenzentrum des modernen Mitteleuropas, einer Stadt, die – auch aufgrund ihrer besonderen geografischen Lage – immer schon ein Kreuzungspunkt vieler Geschichten und Kulturen war.

Wiens Farben

Das Leben von Künstlern ist nicht einfach. Es ist nicht einfach für sie, ihren Platz in der Welt zu finden, genauso wie ihr langer Ausbildungsprozess nicht einfach ist. Und doch, wenn dies für jeden Künstler gilt, werden die Dinge noch komplizierter, wenn man gezwungen ist, seine Heimat zu verlassen, sich an einem völlig neuen Ort niederzulassen, eine neue Sprache zu lernen und sich auf eine neue Kultur einzulassen. Davon weiß der Filmemacher Kenan Kiliç, der 2018 in seinem Dokumentarfilm Brücken über Brücken eine Reihe von Künstlern aus aller Welt näher betrachtet hat, die in Österreich – und speziell in Wien – ihren Platz in der Welt gefunden zu haben scheinen. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten.

Die experimentelle Tänzerin und Performerin Aiko Kazuko Kurosaki stammt aus Japan und blickt auf eine jahrzehntelange Karriere zurück. Der südamerikanische Maler Antonio Zapata fällt durch seine farbenfrohen Gemälde voller Verweise auf Geschichte, Literatur und sogar die Bibel auf. Die junge Cellistin Mela Marie Spaemann hat eine deutsche Mutter und einen afrikanischen Vater. Ihr Vater ist ein prominenter Anwalt, der in den Vereinigten Staaten arbeitet, aber sie hat keine Beziehung mehr zu ihm und fragt sich ständig, wie er seine Zeit verbringen kann. Die Schriftstellerin und Aktivistin Ishraga Mustafa Hamid kämpft für die Rechte der Frauen in ihrem Land und gegen grausame Praktiken wie die weibliche Beschneidung, der sie als Kind ausgesetzt war. Und während der Musiker Slavko Ninic seit einigen Jahren mit seiner Band erfolgreich ist und sich als österreichischer Staatsbürger sieht, unterhält der Schauspieler Azrael Erdinç Akpinar weiterhin als Pantomime die Menschen in den Straßen der Altstadt und im Vergnügungspark Prater.

Jeder dieser Künstler hat etwas Interessantes zu erzählen. Jeder von ihnen hat eine eigene Geschichte, und zusammen bilden sie einen einzigartigen, bunten Chor von Stimmen, der Brücken über Brücken zu einem lebendigen und heiteren Dokumentarfilm macht, zu einem wertvollen Fresko einer Stadt – Wien – als Nervenzentrum des heutigen Mitteleuropas, einer Stadt, die – auch wegen ihrer besonderen geografischen Lage – schon immer ein Kreuzungspunkt vieler Geschichten und vieler Kulturen war.

Der Regisseur Kenan Kiliç interviewt jeden Protagonisten einzeln, geht mit Leichtigkeit von einer Geschichte zur nächsten über, zeigt uns die Künstler bei der Arbeit und versucht, auf der Leinwand neutral und unsichtbar zu erscheinen. Ein interessanter Ansatz, der aber vor allem gegen Ende ein gewisses Crescendo gebraucht hätte.

Doch trotz kleiner Unzulänglichkeiten funktioniert Brücken über Brücken und schafft es perfekt, das Wesen dessen zu vermitteln, was der Regisseur uns zeigen wollte. Das Ergebnis ist ein wichtiges und farbenfrohes Mosaik, in dem sich Kulturen aus aller Welt treffen und zu einer Einheit verschmelzen. Ein perfektes Bild des heutigen Europas, das immer lebendiger und voller interessanter Ideen ist, wo man schon bei einem ruhigen Spaziergang im Prater außergewöhnliche Charaktere treffen kann. Man muss nur bereit sein, ihnen zuzuhören, um zu erfahren, wie viele spannende Geschichten sie zu erzählen haben.

Titel: Brücken über Brücken
Regie: Kenan Kiliç
Land/Jahr: Österreich / 2018
Laufzeit: 87’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Kenan Kiliç
Kamera: Kenan Kiliç, Fesih Alpagu
Produktion: Kilic Filmproduktion

Info: Die Webseite von Brücken über Brücken; Die Seite von Brücken über Brücken auf der Webseite des Filmarchiv Austria; Die Seite von Brücken über Brücken auf der Webseite der Austrian Film Commission