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ALKESTE – DIE BEDEUTUNG, PROTEKTION ZU HABEN

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von Antonis Lepeniotis

Note: 8

Die griechische Mythologie ist der Protagonist von Alkeste – Die Bedeutung, Protektion zu haben, einer Geschichte über Liebe und Tod, die in einem ungewöhnlichen – aber äußerst poetischen – Wien der 1970er Jahre spielt. Und so wird Euripides‘ Alkeste hier nie banal oder vorhersehbar inszeniert, mit einem Regieansatz, der fast an die französische Nouvelle Vague erinnert.

Mythos und Wirklichkeit

Der griechische Regisseur Antonis Lepeniotis hat sich im Laufe seiner produktiven und vielfältigen Karriere – innerhalb einer Gruppe junger, unabhängiger Filmemacher, die ständig auf der Suche nach neuen Filmsprachen waren – durch seine völlig innovative Herangehensweise an die siebte Kunst hervorgetan, indem er sich von dem inspirieren ließ, was in der Vergangenheit gemacht wurde, und gleichzeitig etwas völlig Neues schuf. Dies ist der Fall bei Filmen wie Das Manifest (1974), Stadtbahn (1966) und Alkeste – Die Bedeutung, Protektion zu haben, seinem Debütfilm aus dem Jahr 1970.

Bei dieser Gelegenheit beschloss Lepeniotis daher, sich von etwas inspirieren zu lassen, das ihm nahe stand und an seine Herkunft erinnerte. Und so spielt die griechische Mythologie eine zentrale Rolle in einer Geschichte über Liebe und Tod, die in einem ungewöhnlichen – aber äußerst poetischen – Wien der 1970er Jahre spielt. Und so wird Euripides‘ Alkeste hier nie banal oder vorhersehbar inszeniert, durch einen Regieansatz, der fast an die französische Nouvelle Vague erinnert.

Adi (Admetos) ist zutiefst verliebt in Claudia (Alkeste), die Geliebte seines Erzfeindes, die bald von ihm bei einem Duell getötet werden soll. Gleichzeitig steht Adi ständig unter dem Schutz von Apollon, einem wohlhabenden jungen Mann, der immer bereit ist, ihm zu helfen. Was wird der Preis sein, der für diese Geste zu zahlen ist? Und vor allem: Wie wird es seinem Freund Apollo diesmal gelingen, ihn zu beschützen?

Zwei junge Männer, die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurden, schlendern plaudernd die Prater Hauptallee entlang. Antonis Lepeniotis‘ Kamera, leicht von unten nach oben gerichtet, folgt ihnen. Woran erinnert uns das? Wir denken sofort an Jean-Luc Godards Meisterwerk Außer Atem (1960) und insbesondere an die berühmte Szene, in der Jean Paul Belmondo und Jean Seberg auf den Champs Elysées spazieren gehen. Es ist kein Zufall, dass sich Lepeniotis in Alkeste – Die Bedeutung, Protektion zu haben, von einem anderen Debütfilm inspirieren lassen wollte. Gleichzeitig erleben wir eine Szene aus François Truffauts Jules und Jim (1963) wieder, in der Adi, Claudia und Apollo fröhlich und unbeschwert durch einen Park laufen.

Und doch hat Alkeste – Die Bedeutung, Protektion zu haben trotz der zahlreichen Verweise/Hommagen an den französischen Film einen eigenen, ausgeprägten Charakter. Und er zeichnet sich vor allem durch seine fließende Inszenierung, in der Elemente der griechischen Mythologie in einer zeitgenössischen städtischen Umgebung gut platziert sind, sowie durch einen äußerst realistischen Regieansatz aus.

Klassizismus und Gegenwart, Mythos und Wirklichkeit, Liebe und Tod. All diese gegensätzlichen Elemente koexistieren perfekt in Antonis Lepeniotis‘ Debütfilm. Und gleichzeitig sind der Neorealismus und die Nouvelle Vague ideale Stichworte für etwas völlig Neues. Und trotzdem hat Antonis Lepeniotis während seiner Karriere nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die er verdient hätte. Zu dieser Zeit war die Filmindustrie in Österreich nicht sehr populär. Und doch musste Lepeniotis erfreut und geehrt gewesen sein, dass Alkeste – Die Bedeutung, Protektion zu haben sogar Henri Langlois gefiel, der ihn, nachdem er den Film angeschaut hatte, in die Cinématheque einlud. Das muss sicher eine der größten Befriedigungen für den Regisseur gewesen sein.

Titel: Alkeste – Die Bedeutung, Protektion zu haben
Regie: Antonis Lepeniotis
Land/Jahr: Österreich / 1970
Laufzeit: 89’
Genre: Drama, Surrealistischer Film
Cast: Inge Altenburger, Peter Assen, Hilde Berger, Dieter Berner, Robert Dietl, Gerald Florian, Eva Heide Frick, Wolfgang Gratzol, Peter Gruber, Hellmuth Hron, Wolf Klutz-Björdahl, Hans Lazarowitsch, Kurt Conrad Loew, Heinz Marecek, Ingrid Olofson, John Ottwald, Kiki Pawlu, Friederike Pfleger, Dieter Schrage, Jolantha Wührer
Buch: Antonis Lepeniotis
Kamera: Edgar Osterberger
Produktion: Edos-Film, Schubert-Film

Info: Die Seite von Alkeste – Die Bedeutung, Protektion zu haben auf iMDb; Die Seite von Alkeste – Die Bedeutung, Protektion zu haben auf der Webseite des Filmarchiv Austria