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DIE GELBE NACHTIGALL

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von Franz Antel

Note: 6

Die gelbe Nachtigall stellt einen Wendepunkt in der Filmografie von Franz Antel dar. Tatsächlich hat der Regisseur bei dieser Gelegenheit seinen ersten Fernsehfilm gedreht, gleichzeitig ist er aber irgendwie in die Vergangenheit zurückgekehrt. Es handelt sich um eine Art Rückkehr zum glorreichen Wiener Film, der zu Beginn seiner Karriere so wichtig war.

Verborgene Talente

Als einer der prominentesten Regisseure des Wiener Films drehte Franz Antel nicht nur die klassischen Kostümkomödien, die im Wien der goldenen Jahre spielen, sondern hatte auch oft die Gelegenheit, zahlreiche Filme im Ausland zu drehen. Doch obwohl er bereits in den 1940er Jahren mit dem Filmemachen begann, drehte er erst Mitte der 1970er Jahre seinen ersten Fernsehfilm. Und so stellt die brillante Musikkomödie Die gelbe Nachtigall – entstanden 1975 nach dem gleichnamigen Theaterstück von Hermann Bahr – einen echten Wendepunkt in Antels Filmografie dar. Der Regisseur arbeitete dann bis in die 1990er Jahre, kurz vor seinem Tod, beim Fernsehen.

Der Film ist unter mehreren Gesichtspunkten interessant. Zwar hat sich der Regisseur mit diesem Film zum ersten Mal mit einem neuen Kommunikationsmittel konfrontiert, aber wir bemerken hier auch eine Art Rückkehr in die Vergangenheit. Eine Art Rückkehr zum glorreichen Wiener Film, der zu Beginn von Antels Karriere so viel Bedeutung hatte.

Zunächst handelt es sich um eine angenehme Kostümkomödie, die in den zwanziger Jahren spielt (obwohl Bahrs Stück 1907 geschrieben wurde); dann gibt es als perfekten Hintergrund die Kunst- und speziell die Theaterwelt; schließlich bereichern Lieder und Tänze das Ganze, auch dank der farbenfrohen, bis ins kleinste Detail durchdachten Choreographien.

Dies ist die Geschichte der jungen und talentierten Fanny (gespielt von Dagmar Koller), einer Sängerin und Tänzerin, die es nie schafft, eine größere Rolle zu bekommen. Das Mädchen, Tochter eines engen Freundes des berühmten Schauspielers Albert Korz (ein außergewöhnlicher Curd Jürgens), wird versuchen, den Mann zu überzeugen, ihr zu helfen, weiterzukommen. So überredet Korz sie, sich eine neue Identität zu schaffen, indem sie sich als Japanerin ausgibt, um den Direktor eines wichtigen Theaters neugierig zu machen.

Dies ist nicht nur eine reine Verwechslungskomödie. Es handelt sich um das Porträt einer Welt – der des Showbusiness -, in der das Leben für talentierte junge Menschen nicht einfach ist, in der die Entscheidungen eines jeden Produzenten oder Theaterleiters einzig und allein von dem Wunsch getrieben werden, Geld zu verdienen, in der man manchmal nur durch Täuschung Befriedigung erlangen kann.

Doch diese Polemik ist in Die gelbe Nachtigall nicht von großer Bedeutung. Wie beim Wiener Film ist es das Ziel des Regisseurs, das Publikum zu unterhalten, es zu Gioacchino Rossinis Tarantella tanzen zu lassen, es von Österreich auf eine reizende Mittelmeerinsel reisen zu lassen, es sogar vom Orient träumen zu lassen.

Kurz gesagt: Ein kleiner und extrem einfacher Film, Die gelbe Nachtigall. Und wenn man bedenkt, dass Antel sich neben zahlreichen Liebes- und Musikkomödien auch auf andere Filmgenres spezialisiert hat – darunter Historienfilme und sogar Erotikkomödien – könnte man sogar sagen, dass der Regisseur in diesem Fall einen Film gemacht hat, der mindestens zwanzig Jahre alt ist. Und tatsächlich hatten sich in Österreich bereits nach dem Zweiten Weltkrieg viele verschiedene Filmströmungen entwickelt. Es gab eine große Lust, mit neuen Filmsprachen zu experimentieren.

Doch auch er wurde mit neuen Realitäten konfrontiert. Wie viele seiner Kollegen arbeitete er auch oft im Ausland. Und ihn nur als Regisseur des Wiener Films zu betrachten, wäre unzutreffend. Doch während Die gelbe Nachtigall – der sich durch eine nahezu perfekte Inszenierung, zwei hervorragende Hauptdarsteller, aber auch durch allzu schwache Nebenhandlungen auszeichnet – sehr an die Vergangenheit erinnert, kann man ihn auch als einfachen nostalgischen Blick auf die Vergangenheit selbst betrachten. Der Beginn eines wichtigen neuen Kapitels in der Karriere von Franz Antel.

Titel: Die gelbe Nachtigall
Regie: Franz Antel
Land/Jahr: Österreich / 1975
Laufzeit: 87’
Genre: Filmkomödie, Musikfilm
Cast: Dagmar Koller, Curd Jürgens, Leon Askin, Marte Harell, Sonja Jeannine, Erwin Neuwirth, Ida Krottendorf, Tony Patricio, Erich Padalewski, Alfred Böhm, Tilla Hohenfels, Hans Kraemmer, Gustav Dieffenbacher, Carlo Böhm, Peter Garell, Karin Garon, Harry Hardt, Milan Hatala, Willi Hufnagel, Edith Leyrer, Gerhard Steffen, Rosemarie Strahal, Toni Wagner, Inga Kjeldsen
Buch: Hermann Bahr, Franz Josef Gottlieb
Kamera: Götz Neumann
Produktion: Neue Thalia-Film

Info: Die Seite von Die gelbe Nachtigall auf iMDb